Montag, Oktober 23, 2006
Binnenwahrnehmungen oder bürgerliche Behaglichkeit
Das Presbyterium in Uedem hat jetzt entschieden, mich auch zu werfen. Im Gehorsam der Vorgaben des Landeskirchenamtes. Mit sehr kruden Begründungen und immer wieder an meiner Person fest gemacht. Ich bin, die sich fehl verhält. Was muss ich doch für ein schrecklicher Mensch sein.
Vielleicht muss es so etwas wie eine sich selbst bestätigende Binnenwahrnehmung geben, die anderes nicht mehr zulässt. Wer die bürgerlich-beamtete Behaglichkeit stört, weil er seinen Gefühlen Luft macht, weil er sich nicht an unausgesprochene Konventionen hält, weil er beim Namen nennt, was andere nicht mehr anschauen, muss damit wohl zwangsläufig rechen. Dabei wäre es ein Einfaches gewesen, anders zu entscheiden. Die Gemeinde hätte es nichts gekostet.
Es ist das Phänomen der Behaglichkeit in den eigenen Anschauungen, dieses nicht gestört werden wollen, was sich deutlich macht. Und eben eine Wahrnehmung, die auf sich selber fixiert bleibt: das eigene Ergehen im Mittelpunkt. So agieren auch Manager, wenn sie alles andere ausblenden. So agieren Menschen, die sich nur noch von sich selber berühren lassen. Sei es die eigene Hilflosigkeit, den eigenen Schmerz, der eigenen Ohnmacht. Oder auch umgekehrt: das Gefühl eigener Macht, das unberührbare Selbstbild, der innere Götze. Ein schöner Titel für ein Buch.
Nun sollte ich doch, so sagte man mir, bitte Verständnis haben. Bitteschön - wofür denn? Ich solle nun nicht so hart urteilen. Aber warum denn nicht? Wo Befindlichkeiten mehr zählen als Ergebnisse, wo man selbst vorab seine eigene Hilflosigkeit als Konfessionseintritt zelebrieren muss, ist kein Platz mehr für mich. Dahin gehe ich nicht zurück. Nie mehr, das habe ich geschworen.
Eigentlich sollte ich dankbar sein, die Dinge zuletzt noch einmal so treffend auf den Punkt gebracht zu haben. Ein Lehr- und Meisterstück klerikalrer Binnenwahrnehmung. Da gehöre ich nun nicht mehr hin und irrig war mein Denken, dort etwas aufbrechen zu können.
In meinen Coachings lerne ich meinen Klienten genau das Gegenteil. Dass man den eigenen Gefühlen trauen kann, weil sie durch das Leben tragen. Dass man es sich selber nicht zu behaglich macht, um offen und frei zu bleiben. Dass man - auch ohne den Tank voll zu machen - weit reisen kann, vor allem zu sich selber. Ohne kirchlichen Katalysator. Mich wundert es daher doch nicht, dass die Gemeinde sich zum Sitzen Bleiben und Beharren aufs ich selber entschieden hat. Nun, wo ich diesen letzten Schnitt setze, damit ich leben kann.
Da kommt mir zum Abschied diese Ohnmacht entgegen, die ich nun noch verstehen soll: warum und wozu ist das gut ? Was ich zum Leben brauche, ist nicht darin. Ich nehme mir da keinen Sack mehr auf die Schultern. Es taugt nicht für meinen weiteren Weg.
Ich muss nichts verstehen, wo es nichts zu verstehen gibt. Warum darf ich das nicht sagen. Vielleicht muss ich nur eines: endlich wieder schlafen lernen. Zu oft waren in letzter Zeit diese kleinen Männchen auf meiner Bettdecke. So tat es gut, heute nacht um 2 Uhr den Fernseher einzuschalten und stellvertretende Kriege zu genießen. Gewiß: wir sind und bleiben Helden. Wer sonst, wenn nicht wir.
Wer das nicht glaubt, sollte wieder in die Kirche gehen. Spät morgens bin ich eingeschlafen. Erschöpft aber doch etwas beruhigt, war die Welt doch gerettet und meine Wut stellvertretend vorbei.
Donnerstag, Oktober 19, 2006
Herr Melchert will sich versichern
Herr Melchert
fragte in einem Internet Forum:
„Wie kann ich als Selbstständiger mit monatlich 4.000 Euro Einkommen mich bei der privaten oder gesetzlichen Krankenkasse versichern. Das momentane Problem besteht darin, dass ich zur Zeit keine Versicherung mehr habe und nicht ohne umfassende Gesundheitsprüfung in die private aufgenommen werde. Aufgrund meiner Vorerkrankung scheint dieser Weg nicht mehr gangbar zu sein. Kann mir jemand helfen?“
Ich antwortete wie folgt:
Herr Melchert
es gibt keinen direkten Weg zu der von Ihnen angestrebten Lösung.
Es geht nur über Umwege:
a.
Sie rechnen sich arm. D.h. reduzieren Ihr eigenes Einkommen. Dazu braucht es jemanden, der Ihnen die 4.000 Euro mtl. abnimmt. Zur Not würde ich mich dazu bereit erklären. Sie sollten es aber treuhänderisch regeln lassen.
Dann sind Sie in der Kategorie "wechselfähig" angekommen udn erstaunlicher Weise im Versicherungsbereich wieder handlungsfähig. Übrigens kenne ich tatsächliche Armutsfällen hinlänglich und so einen abgebrannten Pleitier kennen zu lernen, der mit Lungekrebs von den guten Zigarren seinen Basistarif in der Privaten nicht mehr zahlen kann - das ist schon eine besonderes Ereignis.
b.
Sie müssen warten, bis die Private Sie aufnimmt. Das wird sie mit Freuden tun und - so Ihre Gesundheitsprüfung positiv ausfällt - dann die entsprechenden Prämien kassieren. Zudem werden sie einen Vermittler sehr glücklich machen. Der Basistarif, der kommen soll - eignet sich kaum für die Versicherung.
c.
Highraten Sie unbedingt und sofort. Übertragen Sie die Geschäfte Ihrer Frau und lassen sich mit familienversichern. Das bedingt viel Vertrauen, aber solange ein Deal dahinter steht, scheint es auch möglich zu sein. Wegen der Liebe etwas zu tun, ich wohl ungleich schwerer
d.
Sie verlegen ihren Wohnsitz glaubhaft nach Polen. Wenn man dort Führerscheine machen kann, kann man sich dort auch krankenversichern. Vielelicht gründen Sie dort noch mal Ihr Unternehmen und essen per Zufall bei einem Chinesen. Mit dem machen Sie ein Joint-Venture und bauen eine Krankenversicherung nur für deutsche Ausländer auf, die es nach Polen verschlagen hat. Nach drei Jahren über nehmen Sie die Barmenia in Wuppertal. Sie lassen sich vollversichern.
e.
Transferieren Sie ihre Gewinne an eine ausländische Muttergesellschaft, mit der Sie einen Gewinnabführungsvertrag machen. Eine LTD hat man schon für kleines Geld gegründet. Dann rechnen Sie sich arm und lassen sich von Hartz IV ernähren. Für Ihre Krankenversicherung brauchen Sie rein gar nichts zu zahlen. Zugegeben, eine der kostengünstigsten Varianten.
f.
Versuchen Sie bei Bestattungen an die Daten des Verstorbenen zu kommen und übernehmen einfach dessen Identität. Da man in Deutschland damit nicht rechnet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, damit durch zu kommen. Wenn Sie weder Freunde noch Partner/in besitzen, von Kindern frei sind, erhöht sich die Erfolgswahrscheinlichkeit um ein Dreifaches. Aber Vorsicht: erkundigen Sie sich zuvor genau, woran er verstorben ist. Denn das Risiko müssen Sie jetzt auch in die Krankenversicherung mitnehmen!
g.
Hinterziehen Sie Steuern und lassen Sie sich anzeigen. Gehen Sie sofort ins Gefängnis (wenn Sie über Los kommen, kein Geld einziehen) und lassen sich dort sozialversichern. Die Leistungen der Anstalt entspricht in etwa dem ausgelobten Basistarif.
h.
Highraten Sie eine Frau, die mehr verdient als Sie. Dazu müssten Sie ggf. die Verhältnisse in Deutschland etwas ändern, verdienen Frauen in der Regel 24,8% weniger als Männer für den gleichen Job. Sie könnten sich daher zum Bundelskanzler aufstellen lassen oder mit leuchtendem Vorbild voran gehen und ihren eigenen Posten einer Frau überlassen. Dann entweder weiter wie bei c. oder eben nicht. Verdient Ihre Frau mehr als Sie, muss sie private Krankenkasse auch Sie in Volltarife aufnehmen: Voraussetzung auch hier wäre, dass Ihre mehr verdienenen Frau in der privaten Krankenkasse gemeldet ist.
i.
Sie machen wie in c. jedoch konnten Sie sich nicht zurück halten und Ihre Frau ist schwanger geworden. Völlig unüblich, wollen Sie die Schwangerschaft nicht abbrechen lassen und freuen sich auf Ihre Drillinge. Ein Versicherungsberater kommt zu Ihnen und sagt, dass es in den ersten Jahren kein Problem sei, auch die Kinder privat mit zu versichern. Dennoch beschleicht Sie die klammheimliche Angst, es könne mit fünf zu versichernden Personen von einem Einkommen doch etwas eng werden.
Sie kaufen eine Flasche Pino Noir, um an einem gemütlichen Abend ihre Frau zur Rückkehr in die gesetzliche Kranken- und Familienversicherung zu bewegen. Dann weiter wie oben mehrfach beschrieben. Alternativ zeugen Sie noch mal Drillinge und beschließen, ab sofort sich nur noch dem Weinbau im Veneto zu widmen.
j.
Bis die Gesundheitsreform verabschiedet wird, bleiben Sie ohne Versicherungsschutz. Es geschieht, was Sie immer schon befürchtet haben: Sie werden auf der Kö´ in Düsseldorf von einem Bentley angefahren, der leider auch noch Fahrerflucht begeht. Dumm sitzen Sie nun da - mitten auf der Fahrbahn.. Zum Glück finden Sie einen 200 Euro Schein in Ihrem Jacket und winken den nächst-besten polnischen Wagen heran. Unter beißenden Schmerzen schaffen Sie die Fahrt ins Krankenhaus in Kattowicze und lernen dort eine blonde Krankenschwester kennen, die Sie freundlich mit "Bittaschön?" und einer weit offenen Bluse anspricht ... Alles dann weiter wie in c
Sie sehen, es gibt noch 100 und eine Variation, der Situation Herr zu werden. Das Leben ist und bleibt halt lebensgefährlich und mit Krankheiten sollte man nicht spassen.Was die Menschen heute an Überlebensstrategien brauchen, steht auf einem anderen Blatt.
Mittwoch, Oktober 18, 2006
Geliehene Mäntel
Gestern begleitete mich neben Rocco ein Gedanke, was ich tun könnte, um mein Leben erklärlich zu machen. Erklärlich für andere zu halten. Denn das ist gar nicht mal so einfach und mein Rechtsstreit mit der Kirche hat mir gezeigt, dass dort niemand mehr ist, der meine Geschichte kennt. Sie wird nun zusammen geklaubt, man entnimmt einer umfangreichen Akte das, was brauchbar erscheint. Ein Steinbruch, der Material hergibt. Wofür auch immer.
Ich denke, vielen Menschen geht es heute so, dass die Sinnfrage, der rote Faden, das was uns das Leben wertvollmacht und vielmehr noch die Frage, wer man denn sei, was man denn darstelle, zwischen den Fingern zerrinnt. Die Diskussion um das Prekariat, die neue Unterschicht und die Auseinandersetzung mit dem Prekären, dem Ungewollten, Zufälligen macht Angst. Auch mir, was ich zu geben.
Also auf die Frage, wie ich mich wieder-finden kann, kamen mir einige Antworten. Denn immer sind es die innernen Bilder, an denen ich mich entlang hangeln kann. Sie bestimmen, wie ich mich innerlich fühle. Sie machen meine Wahrnehmung aus und sind eng damit verknüpft, in welchen Traditionen ich mich wieder finden kann. In welchen Bahnen meine Anlehung wie Ablehnung erfolgt.
Da war zuerst das klassische Bildungsbürgertum. Meine Heirat mit Heike, die Tochter einer Superintendentens. Die Verbindung mit den protestantischen Traditionen: Zeltlagerfahrten mit der Jugend. Taize und die Überlegung, dort vor Anker zu gehen. Einen eigenen Ort zu finden. Dann der Zivildienst und die Auseinandersetzung mit den Menschen. Wer gebraucht wird, kann sich selber vergessen. Es tat gut, da zu sein. Damals ein Bruder im Schwesternwohnheim. Heute eine prekäre Schwester ... auch so lassen sich Wege beschreiben.
Die Heirat und das Examen waren eigentlich das Eintrittsbillet in die beamtete Welt der Pfarrherren, die Sicherheit, die sich nicht ausweisen muss. Ganz anders als viele der Menschen, hat ein Pfarrer nach seiner ersten Berufung ausgesorgt. Er kann bleiben. Er muss nicht wechseln. Er ist installiert. Ein Gefühl, was ich selber nicht kennen gelernt habe. Was mir fremd erscheint, nach allen Wechseln die kamen. Ein Status, der anachronistisch ist. Gegen die Zeit steht.
Vor einer Woche feierte man das Laubhüttenfenst als Erinnerung der prekären Situation Israels, der Juden. Ein komischer Anblick war es, diesen Holzverschlag an der doch festen Betonmauer der Synagoge in Duisburg zu sehen. Eine Erinnerugn an das Unbehauste. Das Christentum hat sich davon verabschiedet. Es gibt das Beamtenrecht. Und Kirchen, die bestenfalls verkauft werden können. Das Prekäre ist im Judentum zu einem Signum der Selbstversicherung geworden, so weit, dass man Bretterverschläge an hochmoderne Synagogen legt. Damit man offen bleibt, flexibel für die kommenden Herausforderungen.
Vielleicht war mir schon damals der jüdische Weg lieber. Meinen Wechsel und Übergang ins andere Geschlecht, manchmal nenne ich es auch Desteration, verdankt sich von Anfang an der Begleitung jüdischer Texte. Da war auf einmal Else Lasker-Schüler neben mir, meine Ziehmutter, wie ich sie nannte. Ein Enfant terribel mit Gedichten, die so wunderbar leicht mein Herz erreichten. Es war der Band: Ich muss Dich ansehen, immerzu, den ich auf dem Weihnachtsmarkt in Schloiss Lüntenbeck entdeckte, alles kam ins Klingen bei mir, Schmerz löste sich und Hoffnung wurde gefasst, dass Unfaßbare doch zu wagen.
Dann Rose Ausländer, die mich begleitete mit ihren kurzen Versen, die über ihre Lippen fielen wie überreife Früchte aus langen Jahren. Eine weise Frau, unscheibar und geachtet. Sie starb in dem Monat, wo ich meinem Übergang in Wuppteral machte. Benachtbart und nah, in Düsseldorfer Altenheim, dem einzigen wo Tag und Nacht Polizei Patrollie fährt. Schon immer suchte ich Verbindungen, die mich hielten, wenn andere Leinen gekappt wurden. Uns do wurden beide zu meinen Müttern und Freundinnen, Ziehmütter in Zeiten, wo die meine ausfiel. In deren Texten konnte ich das Ungelebte in mir wiederfinden. Und auch das Abgelegte, der Weggang, das Exil. Es war dieser Zauber des Dazwischen, den man Inter-esse nennt, der mich dort packte und nicht wieder los lassen sollte.
Der Weg in die bürgerliche Existenz scheiterte dann auch in dem Moment, wo es nur wenig dazu bedurfte, ihn zu realisieren. Alles stand bereit, ich hätte nur gehen müssen. Was wäre geworden? Ein Pfarrer, vielleicht jetzt Superintendent mit Frau und drei Kindern. Ein Engagement für den Protestantismus, dem ich mich in meiner beamteten Existenz verpflichtet gesehen hätte. Etwas Chaos vielleicht und doch eine ausweisbare Lebensweise: der Apfelbaum im Garten des Pfarrhauses. Es sollte nicht sein.
Der Traum scheiterete dort, wo ich mich entschloss zu gehen. Wo ich keinen anderen Weg mehr für mich sah, als dem nachzukommen, was lange Zeit in mir verborgen war. Es ist ja nicht so, dass man einfache Wege geht, um solche Entscheidungen zu treffen. Man wechselt das Geschlecht nicht wie die Straßenseite. Das Beste, was die Theologie mir bot, war ein gnädiges Versteck vor mir selber. Bis die Zeit reif war, bis ich gehen konnte. Sie war auch der Schoß, in den ich mich bergen konnte. Der alle Tränen aufnahm und sah, so gnädig war mir die Theologie und die Botschaft von der Annahme des Menschen bei Gott.
Erstaunlich war und blieb, dass auch die Menschen blieben. Einige. Unvergesslich blieb mir die erste Offenbarung nach außen. Da sass ich an einer Schreibmaschine, hatte keine Worte zu sagen, nur zu schreiben. Tränen rollen mein Gesicht entlang, schufen Rinnen für später. Und dann tippte ich mit Anschlägen, was ich nicht sagen konnte. Eine eigene Art von Kommunikation, jemanden mitzuteilen, dass das Leben eine Wende nimmt. Wie still stehende Momente im Takt der Typen, die trocken aufs Papier klatschten. Plakk, plakk, plakk ... als müsse ich mich langsam, mühsam aus allem heraus arbeiten. Fakten schaffen. Plakk, plakk plakk ... machte die Maschine und ich weinte dabei.
Meinem Schwiegervater drückte ich später eine Träne ins Revers, als auch er blieb und mich einfach nur in den Arm nahm. Er spürte von der ungeheuern Zerrissenheit in mir, nahm mich in den Arm und zusammen in seine Arme. Blieb den einen Moment, bevor ich gehen konnte und mir damit unvergeßlich. Kein andere der Pfarrer oder Theologen hat so was später gekonnt. Niemand mich so gesehen, wie er in diesem Moment. Jahre späte stand ich im Talar an seinem Grab. So, als hätte ich ein Versprechen wahr gemacht, als gelänge was er sich so erwünscht hatte. Allein, es kam anders und sollte anders kommen.
Die Generation der sorgenden Väter in der Kirche hat schon lange abgedankt. Die Sorge ist zu sich selber zurück gekehrt. Sie frisst sich fest in den Institutionen, kennt nur noch die Loaylität zum eigenen Etat, dem Überleben als Beamtenapparat. Schon damals sagte mein Pfarrer, sie gehe den falschen Weg und der hatte noch als illegaler Hilfsprediger das Laubhüttensyndrom der bekennenden Kirche in sich. Heute ist Kirche legal und mehr auch nicht.
So also nahm ich schon damals Abschied von der bürgerlichen Existenz, ohne es zu wissen, ohne es wirklich zu ahnen. Die Versprechungen des Landeskirchenamtes, die Zusicherungen, ich sei "wertvoll", entpuppten sich als eigene Exculpierung. Eine Entschuldigung, selber nicht da zu sein. "Kommen sie wieder, wenn sie gesund sind!" war einer der Refrains im Landeskirchenamt. Und so wurde ich zum "Experiment Mensch", auf das man sich nolens volens eingelassen hatte. Weder ein JA noch ein NEIN. Irgendwie dazwischen, dam man mir als Frau den Weg nicht verbauen wollte. Es hätte als Kehrseite auch Verantwortung bedeutet, diese Entscheidung zu treffen. Und das ist bis heute noch das Schlimmste, was man verlangen könnte: Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.
Genau das aber tat ich nun. Und es ist eine sehr merkwürdige Erfahrung gewesen: in eben dem Moment, wurde ich gleichzeitig entmündigt. Ein Exemplar. Ein Fall Kammann. Da hörte das Gespräch auf, da behandelte man mich, da gab es keine Begegnung mehr. Da verschwand ich hinter einer Wand und die Phantasien liefen heiß: Was für eine Frau wird dort erscheinen. Manchmal denke ich ja, es war nicht der Wechsel selber, der Schwierigkeiten machte. Viel schlimmer war, dass die Frau, die dann erschien, nicht den Phantasien der Kirchenmenschen entsprach. Diese Enttäuschung wurde nie angesprochen. Nie überwunden. Nie gewürdigt. Stets wussten andere, wie ich zu sein hatte. Und wenn ich dem nicht entsprach, war Ärger vorprogrammiert. Es war die erste und eindrücklischte Erfahrung meines Frau-Seins in der Kirche.
Sieben Jahre habe ich dazu geschwiegen. Habe versucht, mitzukommen. Mich einzufinden. Sieben Jahre habe ich warten müssen auf meine Ordination und doc gewusst, dass ich hinfort a-synchron lebte. Nicht mehr in-Takt. Andere konvertierten in ihre Pfarrämter und Familien, taten, was ich auch getan hätte, wäre da nicht jener eine Riß gewesen, der mein Leben still stehen ließ. Ein Interim war es, und dennoch schlug mein Herz weiter, pumpte es Erfahrung und Erlebnisse in mein Leben. Ein merkwürdiges Dazwischen, wenn man sich sputen musste und zugleich still stand. Erst sollte alles erledigt sein, bevor ich weiter kam in der Kirche. Ein Beschluß wohlwollend wie eine Dornenkrone. Und so strengte ich mcih an, schaffte Epilation und Gutachten, Operation und Personenstandswechsel, Scheidung und Umzug innerhalb kürzester Zeit. Beistand gab es da nicht. Nur der wieder kehrende Refrain: Kommen sie wieder, wenn alles erledigt ist.
Ich kam wieder, alles war erledigt und dann ruckelte es weiter in einem Zug, den ich damals besser verlassen hätte. Es folgte Vikariat und die Ordination. Immer noch die Phantasie, dort bleiben zu können. Als Frau, die schwieg über ihren Weg. Die einfach nur funktionierte. Nichts durfte herauskommen und so hielt ich mein Versprechen, während schon längst in den nächtlichen Tafelrunden der Ev. Akademie hinlänglich über mich parliert wurde. Kirche bleibt ein Dorf und so wussten viele viel zu wenig von mir. Niemand sprach mich an, ein schalltoter Raum ohne Echo umgab mich. Schlafwandlerisch glaubte ich, im Leben anzukommen.
Und ich schaffte es. Nach sieben Jahren wurde auch ich ordiniert. Eine öffentliche Handlung, eine Inititation und Begrüssung im Leben. Geschafft, dachte ich und sollte mich irren. Wer Bilder von damals ansieht, ahnt etwas von der seligen Entspannung in meinem Gesicht. Von der Würde und dem Leben, das sich da breit machte. Mit einem Drehtanz ging es zurück zum Altar, ein Wiedersehen im Leben. Damals war es die Wiederholung nach vorne, die mir als Kategorie diente. Dass man ein Leben loslassen und wieder gewinnen kann. Die ganze Bibel war voll dieser Geschichten und so dachte ich, das gelte auch für mich. Einen kleinen Moment war ich weg, dann aber als Frau neu da und angenommen.
Es war Kierkegaards Furcht und Zittern, das mich seit Jahren begleitete. Meine Erlaubnis zu gehen, die teleologische Suspension des Ethischen, was nichts anderes bedeutete, um des Glaubens willen die Bedenken in Urlaub zu schicken. Ein Abraham, der da von Gott losgeschickt wurde, den Isaak zu binden. Die Bindung Isaaks auf dem Berg Moria war zugleich seine Loslassung und Freisprechung. Er bekam ihn wieder, als einen anderen. Und der Glaube, der Glaube wurde darüber nicht verrückt, sondern zeigte sich als einzige und feste Konstante, als flexibel genug, dem Leben eine neue Wende zu geben.
So dachte auch ich und so lebte ich auch in diesem von Kierkegaard geliehenen Mantel, der so voller biblischer Luft war und atmete. Der mich umschloss und meine Nacktheit dazu. Denn Nacktheit muss bekleidet werden, will man die eigene Haut nicht permanent zu Markte tragen. Dem Zittern des Neuen muss die Wärme korespondieren, sonst friert sich die Seele zu Tode, verkümmert und bleibt zurück.
Später sollten andere Mäntel dazu kommen, doch davon ein ander Mal.
Dienstag, Oktober 17, 2006
Prekariat
Das Prekariat war gefunden.
Während sich Politiker noch streiten, ob man in Deutschland das Wort "Unterschicht" überhaupt verwenden durfte, meldete sich die Friedrich Ebert Stiftung mit dieser souveränen Wortschöpfung zurück. Man habe nicht ein einziges Mal "Unterschicht" gesagt, sondern das Wort "Prekariat" benutzt.
Prekär. Auch diese Wahl.
Immerhin bietet sie jetzt Heimat den Heimatlosen an. Das ist nicht gering einzuschätzen. Dann erinnerte ich mich: Es gibt das Referendariat. Das Volontariat. Das Vikariat. Letzteres habe ich als Theologin auch geleistet. Es muss also immer was mit einer Ausbildung zu tun haben, hier bei diesen -iat Endungen. Nun also fragte ich mich: um welche Ausbildung handelt es sich hier? Und auch: Wer sollte mal ins Prekariat gehen und dort entsprechend ausgebildet werden?
Wäre das Prekariat nicht ein notwendiger Schritt für die Manager Ausbildung auszubauen? Ich denke da an ein sechswöchiges Seminar oder gar eine komplette Ausbildung in sozialer Kompetenz. Ein zweijähriges Prekariat für Führungskräfte in börsennotierten Unternehmen. Das würde ich dann vorschreiben lassen. Für alle, die über das mittlere Management hinaus schauen wollen. Und vielleciht auch für die Politiker dazu. Immerhin wäre dann der Gebrauch des Wortes sprachlich richtig verankert im Lebensgebrauch. Adäquat zu den anderen Ausbildungsformen auf -iat.
Aber halt, vielleicht habe ich da etwas miss verstanden. Schaue ich mir die Leistungen der angestellten Manager in Deutschland an, kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren: schon lange wird dort die Führung ins Prekäre eingeübt.
Na, dann ist ja alles wieder gut. Endlich ist auch "unten" angekommen, was sich oben schon lange als Führungskultur gelebt wird. Daher: seid getrost. Das Prekariat kann ruhig kommen.
Karin Kammann
die sich ab heute nur noch Pastorin im Prekariat nennen wird.
Montag, Oktober 16, 2006
Rauchzeichen oder: das wieder gefundene Glück
Ich kann ihn noch riechen, meinen Opa.
Es war diese klassische Wirtschaftswunderkombination aus Hut und Zigarre – manchmal auch hinter dem Lenkrad eines Benz, von dem mir gestern eine Freundin schrieb. So wundbar treffend. Die überlebenden Großväter.
Auch mein Opa hatte Zigarre geraucht. Damals wollte niemand mehr dahinter zurück. Die Gardinen stanken nach billigem Tabak und Aufschwung, wenn wir ihn besuchten. So waren sie, diese Jahre nach dem großen Nichts. Wo man wieder rauchen durfte, als sei nichts geschehen.
In der Weimarer Republik hatte er mal Bilder von sich machen lassen, die ich später als Kind sah. Da stand er dann in geringeltem Turnerdress, der heute glatt als Badeanzug durchgehen würde. Die Oberarme zum Bizepsbeugen vorgestreckt; sein Schnurrbart diente als waagerrechter Fluchtpunkt, weit nach vorne suchend, gerades Kinn, offener Blick ... so stand er damals da, in der rechten Hand ein Stumpen, den er rechtwinkelig mit dem Zeigefinger umfasste. Das war ein Moment, der sich einbrannte in die Fotoplatte und mein kindliches Gedächtnis, als ich dieses Bild zum ersten Mal sah. Mein Opa anno 1918.
Danach kam - wie ich viel später erfuhr - viel Angst und Sorge, Arbeitslosigkeit und unendlich Schlage stehen für alles, zwischendurch ein Job als Bierauslieferfahrer für die Dortmunder Aktien, ohne Servolenkung und den schicken Bandeanzug, im Blaumann mit bloßen Händen. Dann erfolgte seine körperliche Rückbesinnung und folgerichtig der Eintritt in die Sportabteilung, die man damals schon „SA“ nannte.
Das alles erfuhr ich später, viel zu spät, als das mit dem Sport und Turnen auch schon vorbei war. Da fielen die Bomben mitten in den Garten, zerstörten sein kleines Genossenschaftshäuschen, ein und zwei Mal. Während dessen stahl er bei Krupp Rüstungsgüter: Wellbleche, die er über 13 Kilometer auf dem Rücken mir dem Fahrrad nach Hause schleppte, damit es nicht rein regnete.
Beim dritten Mal feierte meine Mutter Konfirmation. Alle waren in der Kirche und auf dem Tisch stand eine Torte, mitten im Krieg eine Torte. Unvorstellbar. Und während sie den Choral sangen, kam dieses Pfeifen wieder in den Garten, länger und durchdringender, das Schwein im Stall ahnte seine letzte Stunde kommen und die Splitter der Glasscherben schossen in diese Torte, die wie ein Mahnmal stehen blieb. Ein Sinnbild für eine weibliche Jugend im Krieg: ungenießbar nun. Ein erwachendes Mädchen, das bald auch Wellbelche schleppen lernte und irgendwie überlebte wie alle anderen auch.
Der Badeanzug war bald vergessen, aber irgendwann nach 1945 hielt mein Opa wieder diese Zigarren im angewinkelten Zeigefinger, den rechten Arm flach auf den Tisch. Die Zeiten änderten sich, das Haus blieb und der Tabakgestank kehrte zurück ...
Ja, sportlich war er - aber kein Nazi.Wie er immer sagte.
Übrigens habe ich erst vor Kurzem erfahren, dass er damals eine Schiffspassage bezahlt hatte. Nach Amerika von Hamburg aus. Auswandern wollte er. Weit weg. Das Leben wagen, wie es auch dieses Stumpen-Schnurrbart-Bild vermitteln konnte. Er kam in Hamburg an und das Schiff war weg.
Gescheiterte Fluchten und sein wieder gewonnener Stumpen.
Paffend in der Ecke nach dem großen Krieg.
Freitag, Oktober 13, 2006
Anrührung: Volvo 164E
Im Gegenteil - überall sieht man alte Autos fahren, entdeckt hier und dort dieses blecherne Kulturgut. Allein gestern am Parkdeck in Moers sprang mir dieser dottergelbe W123 Mercedes ins Auge: eine Farbe, die wir heute nicht mehr kennen. Ein augenzwinkerndes Erkennen, so als sei man allein durch die Wahl des Automobils einer neuen Gemeinschaft beigetreten, ohne Formulare, ohne Aufnahmeriten, ohne Beiträge - aber doch mit dem Signum des gegenseitigen Erkennens: ein Augenzwinkern für die Aufmerksamkeit. Ein Aha im Augenblick, mehr bedarf es nicht, um sich zu vergewissern.
Da meine Mechaniker - oh ja, ich habe diese neuerdings, da alle sich um das alte Auto mit einer Fürsorge kümmern möchten, die weit über das Übliche hinausgeht - meinten, ich solle mein Auto nicht im Winter auf eisglatter Fahrbahn bewegen, schaute ich im Internet nach einem Winterwagen nach. Ein kleines Auto, billig in Anschaffung und Unterhalt, gerade genug, die harten Frostmonate dem Benz zu ersparen.
Aber wie es so kommt: es ist das Auge, das begehrt. Und so blätterte ich in den Internet Seiten und blieb dann wie vom Donner gerührt an einem Volvo 164E hängen, der für 1.500 Euro nicht mal zehn Kilometer entfernt offeriert wurde. Schwedenstahl. Über dreißig Jahre alt. Dunkelblau. Wie nobel der auf einer grünen Wiese aussieht. Phantasien in meinem Kopf. Die ersten Fahrten nach Dänemark. Damals mit meinen Eltern. Wir waren Kinder und klein. Dieses Auto war schon damals erwachsen. Das Blut pumpte meine Ader aus der Stirn.
Wegklicken ging nicht mehr. Es gibt Dinge, die kann man besuchen und wieder verlassen. Bei diesem Auto war es anders. Welche Geschichte mag sich dahinter verbergen? Welche Umstände den Verkauf nahe legen? Ich rief an. Eine ältere Frauenstimme antwortete freundlich. "Hallo?" "Ich rufe an wegen dem Volvo, der inseriert wurde. Bin ich bei Ihnen richtig?" Etwas brüchig, aber lächelnd kam es zurück: "Durchaus!" Es war, als ob eine Erinnerung ihre Stimme streifte und wie ein Wind einen kleinen Wirbel machte, um sich sofort danach zu legen. Still und bereit. "Ich möchte das Fahrzeug gerne mal anschauen, könnte ich da bei Ihnen vorbei kommen? Ich komme aus Wachtendonk!" "Na, da werden Sie ja einen ziemlich langen Weg vor sich haben," scherzte sie, wohl wissend, dass nicht mal zehn Kilometer uns trennten. Und dann beschrieb sie mir den Weg zu sich, ein braunes Tor zum Schluss, vor dem alles endete. Dort sollte ich hupen und etwas Rücksicht nehmen, wenn nicht sofort geöffnet wurde. Ich versprach, daran zu denken. "Und rufen Sie bitte vorher an, wenn Sie kommen!" verabschiedete sie sich aus der Leitung.
Den Tag darauf wollte ich vorbei kommen. Das Gespräch ließ mir noch weniger Ruhe als das Auto. Beides zusammen bildete eine so eigentümlich perfekte Melange, wie sie selten vorkommt. Eine Anrührung auf Zeit, temporär aber bleibend. Vergänglich wie ein Parfum, dessen Duft man dennoch nie vergessen kann. Ich rief an, um mein Kommen anzukündigen. und erntete eine Abfuhr. "Nein. Heute passt es mir gar nicht. Tut mir leid!" Drei kurze Aussagen, nicht unfreundlich, aber bestimmt. Nein. Heute nicht. Ein Mensch mit Prinzipien. Jemand, der für andere nichts mehr machen muss. Schwedenstahl. Kam mir in den Sinn.
Am selben Tag fuhr ich wie aus Versehen am braunen Tor vorbei. Wunderte mich nicht, dass ich anhielt, ohne zu hupen und ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Nickte und fuhr weiter. Eine erste Annäherung. Ein Flirtversuch mit einem Auto. Einem Menschen. Einer Stimmung in mir. Ein leises Summen ging durch meinen Kopf, wie eine Melodie, die langsam ihre Töne fand.
Den Tag darauf rief ich wieder an. "Ah Frau Kammann. Schön, dass sie anrufen. Ja, kommen sie nur." Ein anderer Mensch, so schien es mir. Heiter, lustig, gut aufgelegt. Gelöst vor allem. "Ich komme dann zwischen Elf und halb Zwölf!", sagte ich und mich packte, trotz all der vielen Dinge, die ich an diesem Tag noch erledigen musste, eine gewisse Vorfreude. Endlich würde ich sie kennen lernen. Beide - den Wagen und sie.
Mit etwas Verspätung hupte ich vor dem braunen Tor. Nichts geschah. Ich wartete weiter, ohne die Hupe abermals zu betätigen. Es wird etwas dauern, hatte sie gesagt. Als der Gedanke zu Ende war, kam sie aus der Haustüre zum Tor, winkte mit ihren Armen wie ein Ruderer, der seine Ruder einzieht und öffnete das braue Tor, zu dem ihre weiße Bluse einen eigentümlichen Akzent setze. Wohlgenährte, braunrote Hühner liefen wie Kinder spielend über das Gelände. Die Sonne blinzelte durch die Bäume und für einen Moment war es wie ein Ankommen zu Hause. So ein Dejavu, als ob die Zeit stehen bleibt. Da stand er nun vor mir. Admiralblau und unversehrt.
Hinter mir quietschte das Tor. Ich stieg aus und die Frau gab mir ihre knochige Hand. Ein fester Druck, ein Lächeln um die Mundwinkel. Die Haare schneeweiß um ihr schmales Gesicht gebunden, begann sie fachkundig die Führung durch ein Stück schwedische Industriegeschichte. 20 Jahre lang, war der Wagen in ihrem Besitz. Erst rot, jetzt blau - ja sicherlich mehr als die angezeigten 220.000 KM auf dem Tacho sei er gelaufen. Sie schätze ihn auf mindestens 400.000 KM, so wie es auch in der Anzeige im Internet stand. Nein, die Polster seien wirklich hinüber und eigentlich wollte sie ihn gar nicht abgeben, aber jetzt ... und sie machte eine hilflose Geste. Jetzt ginge es nicht mehr.
Ja, er steht schon anderthalb Jahre so unter den Bäumen im Schatten, sei aber vor vier Wochen problemlos wieder angesprungen, als man ein Starterkabel zu Hilfe nahm. Ein ungehobener Schatz, der sich nicht aufdrängte. Der da stand wie ein Monument und daneben diese Frau mit dem langen Rock, der ihren schmalen Körper irgendwie zusammen hielt. Der Wind fuhr in ihre grauen Haare. Es wäre ein Einfaches gewesen, die Tür zu öffnen - kommen Sie bitte mit, wir machen jetzt eine Ausfahrt Gnädigste - den Motor zu starten, das Radio einzustellen und zu fragen: Wohin darf ich Sie heute ausfahren? Die Phantasie verschwand, als sie die Fahrertüre öffnete. Ein muffiger Geruch drang mir entgegen. Nässe und Feuchtigkeit hatten den Innenraum zerstört. Die Polster waren zerrissen und aufgeplatzt. Keine auch nur entferntest Möglichkeit, darin Platz zu nehmen.
"Damals sagten sie, dass ich deswegen kein H-Kennzeichen bekomme." Sagte die Frau und zuckte abermals mit ihren Schultern, so als müsse sie sich von einem ihrer besten Kleidungsstücke trennen. Ein Chanel Kostüm aus blauem Schwedenstahl. Sie öffnete die Motorhaube, die einen Blick auf den Sechs-Zylinder freigab. Ruhig lag er da, im Motorraum. 3 Liter Hubraum. Unverwüstlich, so hatte ich zuvor im Internet gelesen. Und nicht nur in Autos verbaut, aber dort langlebig wie kein anderer. Untenliegende Nockenwelle, viel Drehmoment. Bei Präsentationen ließen ihn die schwedischen Techniker immer weit über der Nenndrehzahl hochdrehen. Eine Minute, zwei und drei Minuten. Nach spätestens sieben Minuten sollen die Zuhörer gebeten haben, den Versuch abzubrechen. Worauf sie die lakonische Antwort erhielten: "Der läuft noch eine Stunde so, ohne Schaden zu nehmen."
Eine Autogasanlage war verbaut, was kein Wunder war hier an der holländischen Grenze. Bei aller aristrokatischer Schönheit achtete man doch aufs Geld. Und ein drei Liter Motor brauchte schon mal 16 Liter Gas, um die über anderthalb Tonnen Schwedenstahl zu bewegen. Nun stand alles still. Spinnen hatten im Motorraum ihre Netze ausgeworfen, um Beute zu machen. "Doch, der ist problemlos angesprungen!" sagte sie und zeigte, wie sie auf der Wiese hin und her gefahren sei. Wie ein Tiger im Käfig, dachte ich noch, während sie "Hin und Zurück, immer Hin und zurück" sagte. "Der ist ja leider nicht mehr zugelassen. Da kann ich nicht mehr auf die Straße mit."
"Warum verkaufen sie ihn denn?" fragte ich, um etwas mehr über sie heraus zu finden. "Ich wollte ihn eigentlich noch fahren, aber dann kam der Knochenkrebs. Und dann sagte ich mir: Gut, erst danach. Wenn ich das durch gestanden habe. Und jetzt, jetzt kann ich einfach nicht mehr. Wissen Sie, den haben wir schon so lange bei uns. Mein Mann wollte immer nur Volvo fahren und ich habe ihn über die Jahre einfach lieb gewonnen. Der hatte so was von einem Jaguar, sagte er immer. Nur viel zuverlässiger. Ja, und so steht er immer noch hier. Ich kann ihn nicht mehr fahren." "Lebt denn ihr Mann noch?" fragte ich. "Nein, der ist vor elf Jahren schon gestorben. Den Wagen habe ich dann behalten und selber gefahren. Und jetzt muss ich mich davon trennen."

Ich machte ein paar Fotos mit der Kamera. 1500 Euro waren ein mehr als fairer Preis. "Ja, es haben sich schon viele gemeldet. Zwanzig wohl und es kam schon jemand aus Stuttgart vorbei. Der hat dann auch Fotos gemacht. Aber ich würde ihn doch gerne in gute Hände abgeben. So dass er nicht verkommt," sagte sie mit der Gewissheit des endgültigen Abschieds, der auch ihr absehbar bevorstand.
"Ich werde schauen, was ich tun kann. Ein Freund von mir restauriert schwedische Autos in Berlin, vielleicht hat der Interesse." Mir wurde klar, dass ich das Auto nicht erstehen würde. Das erforderte fachmännische Arbeit. Da mussten andere ran. Mein Geschenk war diese Begegnung mit beiden. Dem blauen Volvo aus Schwedenstahl und dieser wunderbaren Frau daneben, voll Heiterkeit und Würde.
Die Hühner gackerten, als ich meinen Benz startete. Ich drehte das Fenster herunter und sagte dann wie von allein: "Wissen sie, wenn sie mal wieder ausfahren wollen, rufen Sie mich bitte an. Ich würde gerne mit ihnen eine Ausfahrt machen. Wenn auch nicht im Volvo, so doch mit Ihnen." Dann öffnete sie das braune Tor, ich wendete und winkte zum Abschied. Als sie das Tor schloss, war von außen nichts weiter zu erkennen. Ein kleines Haus im Schatten der Bäume. Mehr nicht.
Donnerstag, September 28, 2006
Beginnt jetzt der Haifischprotestanismus ??
Es tut sich was. Überall wird in der Bundesrepublik werden Stellen abgebaut und Konzerne umgebaut. Da will die Ev. Kirche nicht nach stehen. Schon änderte sie ihr Logo, von einem Zierfisch zu einem bissigen Hai. Was diese Aktion einer teueren Werbeagentur an Steuermitteln gekostet hat? Egal. Doch nicht genug damit, wie andere Arbeitgeber auch, werfen sie erst mal Personal raus. Erst mal die mit den eigenen Gedanken und Einstellung. Auch der Haifisch ist ein Rudeltier und wer nicht pariert, wird selbst gebissen. Pech gehabt.
Karin Kammann hatte es nun erwischt, weil sie das Pech hatte, aus ihrem angeborenen Geschlecht desertieren zu müssen. Das nimmt man auch im Haifischbecken übel. Deserteure haben keinen guten Ruf in Deutschland. In der rund erneuerten Kirche kommt es schlecht, wenn man sich dann noch auf Luther besinnt. Der war auch ein Querkopf. Nun darf man getrost abwarten, wo sich neue Beute findet. Der Hai ist unterwegs zu neuen Taten.
Überraschend allerdings kommt da alles nicht. Immerhin ist Kirche endlich auf der Höhe der Zeit angekommen. Na dann Mahlzeit.
Karin Kammann
Zum neuen Kirchenlogo: „Der zum Hai verwandelte Ichthys, eines der ältesten Symbole der Christenheit, erinnere daran, „dass wir in der treuen Verkündigung und im Eintreten für das Wort Gottes auch lebendig und kräftig und schärfer sein müssen: Als Christenmenschen in dieser Zeit und in dieser Welt, (...) als rheinische Kirche sind wir in diesem Sinne als ,Haie‘ gefragt – und nicht als Zierfische“.
Aus der Presseerklärung von Präses Nikolaus Schneider zur Erfindung des Haifischzeichen als Zeichen für den Kirchentag durch die beauftragte Agentur Scholz&Friends - Quelle: http://www.ekir.de/
Wechsel Fieber
Gestern, während ich den Talar in Düsseldorf wohl endgültig nieder legte, fand sich eine Mail in meinem Briefkasten von einer Frau, Mitte vierzig, die vor ihren Veränderungen stand. Ein Jahr gesicherte Existenz noch als TV-Produzentin, danach .... ???
Die Mail war lang und sehr, sehr ausführlich und erinnerte mich sehr an meine Traktate, die ich vor meiner Konversion zu schreiben pflegte, ein Gespräch mich sich selber, die Versuch, sich dialogisch zu vergewissern. Ich glaube, solche Angebote sollte man annehmen, durch Austausch zunächst in Wort und Schrift.
Daher schrieb ich ihr heute folgende Mail zurück:
Sehr geehrte Frau Becker,
( .... nennen wir sie so .... )
Ihre Mail ist lang und ausdauernd. Danke vorab für die vielen Zeilen, dem was dort geschrieben ist und dem, was zwischen den Zeilen steht. Umbruchzeiten sind Zeiten der Angst und der eigenen Verunsicherung. Man hat Pläne im Kopf, die beim nächsten Schritt schon zerplatzen können. Daher ist der Moment der Achtsamkeit und Stimmigkeit sehr wichtig. Dass Sie sich mit dem, was Sie JETZT tun sicher und richtig fühlen - egal was morgen sein wird. So habe ich meine Konversion erlebt, das Ziel war dabei sehr unterschiedlich gefasst und durfte sich verändern.
Sicher ist die Arbeitswelt genau umgekehrt geplant. Ziele müssen erreicht werden. Schritte möglichst rasch erfolgen. Performance gilt als Zauberwort. Das Umdenken ist nicht immer einfach, aber es gehört dazu.
Ihren Zeilen entnehme ich gleichzeitig den Wunsch nach Austausch und Begleitung. Sollte ich mich dort irren, korrigieren Sie mich bitte. Das kann ich Ihnen gerne auf unterschiedliche Weise anbieten, darüber sollten wir uns dann verständigen.
" Aber ich glaubte immer daran, eines Tages mit entsprechender Erfahrung und Qualifikation, im höheren Alter „besser zu fahren“. Ätsch, falsch gedacht."
Die Angst in unsere Generation, - ich bin ´59 geboren - ist mit Händen greifbar. Es ist oft noch ein Roulette Spiel, wer drauf bleibt und wer nicht. Makro Ängsten - so werden sie genannt - kann man mit persönlichen Überlebensstrategien nur bedingt entgegen treten, es triff alle, egal ob sie Leistung zeigen oder nicht. Gut ist es dagegen sich zu organisieren und zu verbinden.
"Ka-füng" - wovon sie schrieben - kann da eine Möglichkeit sein. Warum nicht. Vielleicht entwickeln sich andere Perspektiven, indem man Schritt für Schritt los geht. Das ist wie ein Kaleidoskop, dass bei jeder Drehung neue Bilder zaubert, bei immer denselben Zutaten.
Gerne würde ich weiter reden mit Ihnen. Teilen Sie mir doch bitte mit, ob und in welcher Form sie das wünschen.
Karin Kammann
Das wäre die Richtige Gattung für ein Coaching: Change Kassiber schreiben. Denn darum geht es ja, Kassiber in die Betriebe zu schicken, die die Leute wieder ermächtigen, handlungsfähig zu sein. Egal was wird.
Ein schönes Wort - oder?
Ihre Antwort kam prompt zurück: Liebe Karin,
darf ich DU sagen? (...)
Ich lass es mal auf mich zukommen, momentan kann ich ja noch panikfrei agieren, weil ich diesen Job habe, aber leichtes Muffensausen stellt sich eben schon jetzt an, wenn ich an meine Zukunft denke. Schließlich komme ich, kommen wir aus einer Generation, der gesagt wurde: Ihr schafft alles, Ihr könnt hinschmeißen, Ihr könnt Euch ausprobieren, Ihr schafft alles. Ehrgeiz wurde eher nicht gefördert, sondern (und das war schön) ein grenzenloses Gottvertrauen und Spassss am Leben. Mittlerweile, und dabei meine ich nicht die Alterungserscheinungen, merkt man, dass man in dieser Gesellschaft eher zu den Verlierern zählt. Ich habe keine Kinder, kein Haus, keinen Mann, kein Vermögen, kein Hippieleben auf Ibiza, ich krieg nicht einmal Bankkredite. Ich kraule noch über der Wasseroberfläche, um dieses anerzogene und erlernte Gefühl der Zuversicht zu behalten, ich suche nach Visionen für (meine) Zukunft, in der ich mich wohlfühlen kann. Und ob sich meine Vorstellungen möglicherweise mit Vorstellungen anderer Menschen (die vielleicht vermögender, noch ängstlicher, einsamer, hartnäckiger oder mächtiger sind) decken könnten, versuche ich durch mein Mail an (u.a.) dich herauszufinden.
Ich wünsch dir und deinen Lieben Bestes,
Sonne, Licht, Liebe, Wohlsein!
Dienstag, September 26, 2006
Nun ist es raus ...
Bei einem Gespräch gestern mit einer befreudneten Journalistin war sie sehr erschrocken, dass ich Gefahr laufe, meinen Beruf "ganz" zu verlieren. Das ist, womit man spekuliert. Man erträgt vieles leichter, wenn man nicht den Schnitt macht, die Trennung durchführt, die Verantwortung übernimmt.
Als ob immer alle Möglichkeiten offen sein müssen. So - merke ich - komme ich keinen Schritt weiter. So bleibe ich kleben unter der muffigen Kirchendecke, die keine wirklichen Akzeptanzen ausspricht, sondern immer verspricht und vertröstet. Aber ich erinnere mich auch daran, dass ich nach Mülheim Ruhr gegangen bin - damals vor sechs Jahren - weil ich dachte, dort kann die Gemeinde mit die Kanzel nicht verwehren. Ich erinnere mich auch daran, dass ich die Ordinationsrechte für einen Pfarrjob in der Schweiz gut gebrauchen könnte. Und ich erinnere mich auch daran, dass ich jetzt über ein Jahr ehrenamtlich predige, um diese Rechte zu erhalten. Kommt es dann dazu, dass eine Stelle frei wird, kann ich mich nicht bewerben.
Abschiede zu leben, das ist nicht einfach. Man erleidet sie lieber gerne. Man ist viel lieber Opfer anderer, als sie konsequent durch zu führen. Ich denke, es ist jetzt Zeit für diesen Abschied. Weil die Kirche, die Menschen dort, mir nichts mehr geben können. Weil man im Reich der beamteten Zwerge gerne einen Kopf kürzer wählt und Konkurrenz und Auseinandersetzung nicht zulassen möchte. Was für eine Klüngelei da doch hinter den Kulissen läuft - unglaublich.
So habe ich nun nach drei schlaflosen Nächten meine Presse Erklärung abgeschickt zu all denen auf meiner Verteiler Liste. Die Presse ringsum - einschließlich dpa. Mal sehen, was ich bewegen wird. Wichtig bleibt mir der innerliche Gewinn - dafür auch die Verantwortung zu übernehmen. So kehrt sich der Abschied zum Anfang, denn genau das war, was diese Kirche nie verstanden hattte: Dass im Moment der höchsten ethischen Entscheidung über mein Leben - eben ins andere Geschlecht zu konvertieren - man zugleich entmündigt und zum Exemplar gemacht wird. Kein Raum, diese Verantwortung wirklich zu zeigen, wirklich zu tragen.
Daher war ich erfreut zuletzt auch Zuspruch bei Goethe zu finden, der da schrieb:
"Bis man wirklich Verantwortung übernimmt, gibt es Zweifel, die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und immer Ineffizienz. Was alle Handlungen von Initiative oder Schöpfung angeht, so gibt es eine elementare Wahrheit, deren Nichtbeachtung zahllose Ideen und hervorragende Pläne umbringt: Dass in dem Moment, in dem man sich definitiv verpflichtet, sich die Vorsehung ebenfalls bewegt. Alle möglichen Dinge, die sonst nie passiert wären, passieren, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen folgt aufgrund der Entscheidung und bringt zu eigenen Gunsten alle Arten von Vorfällen und Begegnungen und materieller Unterstützung, von denen kein Mensch geglaubt hätte, dass sie auf diesem Wege kommen würden. Was immer du meinst oder glaubst, tun zu können, beginne es. Handeln enthält Magie, Anmut und Kraft."
So darf sich also ein neuer Erdball um mich schließen. Und die Vermutung, dass es bei mir mit dem Schreiben weiter gehen wird, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Wohlan ...
Dienstag, September 19, 2006
Zu-Taten
Es geschieht es nicht oft, dass ich mich dabei an die Vergangenheit erinnere. Heute allderings geschah es - mitten auf dem Weg. Während unseres Spazierganges ging es um die Frage, was wir an Zutaten für unser Leben brauchen, anders gesagt: was wir selber hinzu tun sollten, damit unser Leben gelingen mag. Denn ohne etwas von uns, ohne eigene Zutat, wird es nicht gehen. Und versunken über dieser Frage fand ich dann nach einiger Zeit eine fast vergessene Geschichte meiner Oma wieder.
Es war wieder einer dieser Heilig Abende im Hause Kammann. Man kam nach der Kirche zurück, sah den Tannenbaum, die Geschenke, packte aus und ging dann - alle Jahre wieder - zum Abendessen nach oben zur Oma. Die wohnte direkt über uns und lud alljährlich Kinder, Enkel und Urenkel zum traditionellen Pasta Schuta Essen ein. Jedes Jahr gab es also Nudeln mit Tomaten und Gehacktem und das in einer Familie, die eher preußisch war als italienisch. Aber es war so schön praktisch, und "einfach" "ohne großen Aufwand" liebte meine Oma. Unvergeßlich blieb mir die große, gusseiseren Pfanne, die auf den Tisch kam.
Aber es gab auch einen Nachtisch. Immer gab es den. Und das war jedes Jahr Pudding. Der musste sein und es gab kein Weihnachten, an dem es ihn nicht gab. Und - dann kam damals diese neue Creme auf den Markt, Majala Speise genannt. Eine Packung mit einem lustigen, kleinen Esel drauf, der einen Karren zog. Das war die geniale Erfindung für die Hausfrau: Ein Pudding, den man nicht mehr kochen musste. Eine leichte, künstlich süße Speise, mit Eischnee untergezogen, lecker und schnell zuzubereiten. Wir Kinder liebten sie.
Meine Mutter meinte damals also meiner durchaus praktisch veranlagten Oma einen Gefallen tun zu können und schlug - entgegen langjähriger Tradition - vor, auch an Weihnachten uns die heiß geliebte Majala Speise servieren zu lassen. Der Einfachheit halber. Also trat sie selbstlos drei Päckchen Majala ab und meine Oma legte los.
Es kam in diesem Jahr zur großen Überraschung: es gab Majala bei Oma an Weihnachten. Was hatten wir Kinder uns doch gefreut. Die Löffel rein und fertig. Allein, es schmeckte nicht. Es wurde auch beim zweiten Löffel nicht besser und der dritte war schon nicht mehr runter zu kriegen. Was war passiert, dass die Speise fad und ungenießbar war? Was hatte Oma falsch gemacht bei einem Pudding, bei dem doch fast nichts falsch zu machen war?
Meine Mutter konnte es sich auch nicht glauben. Dann fragte sie: "Sag mal, hast Du die kleine Aromakugel auch mit hinein gegeben?" Das war der eigentliche Clou bei Majala: eine Kugel mit lauter Aromen, die sich im Pudding langsam auflösen sollte und dann erst den Geschmack ab gab.
Meine Oma überlegte. Eine Kugel? Eine Aromakugel? Was sollte das schon wieder sein? Kugeln hatten doch nichts im Pudding zu suchen. Sowas kannte sie nicht. Sie biß sich auf die Zunge. "Meinst Du etwa dat Knübbelchen da, wat sich nicht auflösen wollte? Dat hab ich weggeworfen. Dat habbich nicht klein gekriegt. Dat war richtig fies damit."
Voila - die Anwort war gegeben. Die Lösung gefunden und die Aromakugel längst in irgendwelchen Abflußrohren verschwunden. Und so saßen wir Kinder da zu Weihnachten, unglücklich und doch amüsiert.
Wie gesagt, heute fand ich diese Geschichte wieder. Und sagte dann: "Schauen Sie, so wie damals ist es heute noch. Wenn wir unsere Gefühle aus dem Leben nehmen, wenn wir meinen, sie stören nur oder wären unnütz für uns, - wenn Sie meinen, Gefühle machen uns nur unnötig verletzlich oder man müsse sich ihrer schämen, gerade dann wird das Leben fad und geschmacklos. So eine Armoakugel ist wie unsere Gefühle. Wer sie weg nimmt, verpaßt das Beste am Leben."
Und dann sah ich noch meine Oma - laut lachend vor mir, als sie begriff, was geschehen war. Das nächste Jahr, Sie ahnen es vielleicht schon, gab es wieder Pudding. Handgekocht. Aromatisch und ohne jedes Knübbelchen. Die Majala Speise blieb unten - bei meiner Mutter, bis sie irgendwann ganz vom Markt verschwand.
So oder so ähnlich wird es auch unseren Gefühlen ergangen sein.Wer weiss, wann jeder sein Knübbelchen wieder findet? Haben Sie es schon entdeckt - heute?
Dienstag, September 12, 2006
Fahrt ohne Ziel
Sinn muss nicht sein, sie ordnen sich von alleine.
Nur los schreiben wie in einer Fahrt ohne Ziel.
Lebenspunkte besuchen und verlassen.
Weiter gehen als bisher.
Viel weiter.
Keine Angst mehr haben, sich zu verlieren.
Rückwege braucht es nicht, wenn man losfährt
- hin zu sich selber."
So schrieb ich heute per E Mail an einen Freund, der vor seinen eigenen Wechselweg steht. Es gibt so viel Mensch und dennoch bin ich wieder mit der eigenen Überfahrt beschäftigt. Eine Kirche, die mir nun die Ordinationsrechte aberkennen will - obwohl es ein Presbyterium gibt, das mich predigen lässt.
Nun ja, das geht mich immer noch hart an und bereitet mir schlaflose Nächte. Auf der anderen Seite ist das Leben in, mit und unter dieser Kirche wie eine Decke - nie hatte ich das Gefühl, ernst genommen zu werden. Immer wird Dankbarkeit erwartet - für was eigentlich? Wahrscheinlich bin ich nicht die Frau geworden, die sier erwartet haben? Die Antwort ist wahrscheinlich, wenn auch beängstigend. Ein Experiment Mensch das alles? Wenn nicht, was sonst?
Die letzten Nächte gab es Karussellfahrten im Kopf. Abschiede kann man beschreiben; sie zu leben ist etwas ganz anderes. Dennoch schreiben. Hier und jetzt. Die Buchstaben aneinander reihen und mich verbinden mit den Menschen, auch mit Euch da draussen. Manchmal habe ich Angst vor meinem Mut.
Nicht immer bin ich stark. Nicht immer kann und schaffe ich alles. Ein Mensch, mehr nicht. Also gehen die Leinen wieder los und ich lege ab zu neuen Ufern, beruflich. Mir war klar, dass dieser Abschied von der Kirche, dem Land wo ich nicht leben kann, eine eigene Qualität entwickeln wird. Ein Wechsel wie der damals und dereinst. Gewißheit gibt es nur - Schritt für Schritt. Und wenn sie nun Steine nach mir werfen, sollen sie es tun.
Ich hatte dort niemals eine reelle Chance.
Alles andere ist Lüge.
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Reminiscere - Erinnerung
Heute, genau vor 13 Jahren wurde ich ordiniert in der PetriKirche zu Mülheim Ruhr.Welch seltsame Wiederkehr. Sieben Jahr habe ich gekämpft, um endlich da zu stehen. Mit Talar inmitten aller Menschen angesehen und anerkannt. Ein unwiderbringliches Gefühl. Ins Recht gesetzt. Die erste offiziell ordinierte Pastorin, die beide Geschlechter kennen gelernt hat.
Das ist und bleibt eine Leistung. Der Rest soll nun mit Hilfe des Landeskirchenamtes dem Vergessen anheim gegeben werden. Damals allerdgins sah das so aus ....

... und alle Präses der Ev. Kirche im Rheinland von Peter Beier über Manfred Kock bishin zu Nikolaus Schneider meinte, ein "Mensch wie Sie" wären unverzichtbar für diese Kirche. Ach, wenn doch jemand Worten auch Taten folgten.
Sie taten es nicht. Bis auf jetzt, wo man mir die Ordinationsrechte aberkennen möchte. Immerhin, auch eine Entscheidung.
Mittwoch, August 23, 2006
So viel Mensch im Augenblick
Als ich die Türe öffnete stand ein älterer Mann vor meiner Türe. Rocco bellte, beruhigte sich aber seltsam schnell. Der Mann hielt seine Mütze in beiden Handen vor den Bauch. So wie es jemand macht, der es nicht gewohnt ist, irgendwo anzuschellen. Eine Geste der Verlegenheit. Der Bitte.
Ich kannte ihn nicht. Und bevor alle meine Bilder im Kopf abliefen, um diesen Menschen vor mir doch einordnen zu können, öffnete er den Mund und sprach: "Entschuldigen Sie bitte Frau Kammann." ... "Ja ??" antwortete ich. "Wie kann ich Ihnen helfen?" "Also das ist so," sagte er in einem eher stotternden Ton und dann auch einmal schwappte es einfach nur so raus. "Also, wie sie sehen bin ich ein alter Mann. Und da ist noch meine Frau. Und ich möchte gerne, dass Sie diese betreuen. Weil sie wird es brauchen, wenn ich einmal nicht da bin. Schauen Sie, ich bin 84 Jahre alt und nicht mehr ganz fit. Da gab es mal eine Splitterverletzung und auch sonst ... ich kann nicht mehr gut sehen ... und nicht gut hören ...."
Gerührt von dem Wenigen, was ich da gleichzeitig verstehen konnte, lud ich ihn ein: "Kommen Sie doch bitte rein!" Er hielt die Mütze immer noch fest in der Hand. "Ich möchte Ihnen ja nicht so viel Umstände machen, aber ich habe mir jetzt gedacht, jetzt muss ich bei Ihnen vorbei kommen. Wir wohnen hier schon einige Jahre und haben keine Kinder und der Neffe, dem ich alles mal zukommen lassen wollte, der hat uns auch seit Monaten nocht mehr besucht. Und meine Frau ... " Die Mütze blieb vor seinem Bauch, so als wolle er sich vor etwas schützen. "Sehen Sie meine Frau wird das nicht so einfach haben, wenn ich nicht mehr da bin und da wollte ich doch schon jetzt ... sie verstehen??" Seine Augen sahen mich an.
"Ja", sagte ich. "Ich verstehe Sie."
"Wissen Sie, in der Kirche sind wir auch schon lange nicht mehr. Die haben uns so enttäuscht und jetzt ist da niemand, der meine Frau begleiten könnte. Könnten wir denn mal zu Ihnen kommen. Ich meine, damit meine Frau Sie mal kennen lernen kann. Schon jetzt, wo ich ... " Sein Atem und Mut verstummte. Dann stand er da. Ganz still für eine Weile. Und noch eine Weile.
Es gibt Momente, die wie gedehnt sind bis in die Ewigkeit. Wo die Seele eine Aufnahme von einem Menschen macht, wie mit der Kamera. Ein inneres Bild, unvergesslich für alle Zeiten. So ein Moment wurde es nun. Ein unvergessliches Bild.
Dieser Mann da vor mir, wie er die Mütze immer noch hielt, die fragenden Augen und der Mund, der schmal geworden war, verschlossen fast nachdem doch alles jetzt heraus gepurzelt war.
So viel Mensch in einem Augenblick.
Es rührte mich mit welchem Vertrauen er zu mir kam. Wie er schellte und da stand. Wie er überlegt haben muss und sich auf den Weg gemacht hatte. Da stand er nun - hier bei mir und angekommen. Ein Mensch. Mehr nicht. Aber alles genug. Mehr als genug.
Als er gegangen war, fragte ich mich, ob wir nicht für diese Momente leben. Weit mehr als für die Aufgaben, die man sich selber stellt. Oder die einem gestellt werden. Die Kirche mit all ihren Verletzungen verblasste.
Ich schloss die Türe hinter ihm und streichelte Rocco. Na, noch so einer wie du, was? Wo sich ein Engel verlaufen hat. Und er wedelte mit dem Schwanz.
Dienstag, August 22, 2006
Nun ist es soweit ....
Ich weiss nicht, in welchen Wahrnehmungen diese Kirche lebt. Seit genau 20 Jahren - damals als ich dem Ausbildungsreferenten Mehlhausen das Transsexuellengesetz auf den Tisch gelegt hatte - gehe ich in unregelmäßigen Abständen ins Landeskirchenamt. Und seit 20 Jahren denke ich, sie haben es nicht gelesen. Immer wieder kommt man sich wie ein Kind vor, das von Wohltat beschenkt wird. So auch gestern beim Gerichtstermin in Düsseldorf.
Das Ergebnis ist schlicht und bescheiden. Oder so wie es mein Anwalt benannt hat: Damit hat die Landeskirche sie offiziell als Nicht-Person erklärt. Nicht existent für das Leben der Kirche. Der finale Punkt ihrer jahrelangen Bemühungen, mich unsichtbar zu machen. Eine gender konvertierte Pastorin - ein Unding. Das darf es nicht geben im Raum der Kirche.
Trauer, Wut und Tränen mischten sich und ich war mir immer schon sicher, dass die Rückkehr in die Rheinischen Lande keine gute Lösung war. Vielleicht wäre Zürich besser gewesen. Vielleicht der lange Weg in die Fremde, damit ich ankomemn kann bei mir.
Was schmerzt: ein halbes Jahr lang habe ich die Pfarrvertretung in Uedem gemacht. Der Gottesdienst war bei mir für 40 Euro zu haben. Ein Stundenlohn weit unter dem der Saisonarbeiter, wenn man alles zusammen zählt. Und dann kann ich mich auf diese Stelle nicht mehr bewerben. Aus, vorbei. Nicht da. Vertreten ja, bewerben nein.
Damit sind alle Loyalitäten gerissen. Es gibt nichts mehr, was bleibt. Das Leben krempelt sich abermals um. Wären nicht Petra und Rocco da, der Tag wäre anders gelaufen. Sehnsucht nach Abbruch und Aufbruch. Altes hinter mir lassen. Frische Luft am Meer.
Jemand fasste die Theologie in einem Satz zusammen: Großes Problem, ein Mensch geht vorbei.
Dienstag, August 15, 2006
Antworten auf nicht gestellte Fragen
1. Das erste, was Du kurz nach dem Aufwachen tust?
Wecker abstellen, Radio an. Gähnen, aufstehen und den Hund suchen. Oder nicht aufstehen, weil er schon da ist. Hand lecken lassen. Streicheln. Dann Pieseln und zurück ins Bett. Dann erneut Aufwachen. Wecker anstellen. Radio aus. Dem Hund hinterher zum Frühstück.
2. Der erste Impuls nach dem Aufstehen?
Gestern war ein besserer Tag . Morgen kommt der beste.
3. Frühstück oder kein Frühstück?
Frühstück am Stück. Mit eigener Logistik, während oben die Dusche geht.
4. Nach welchen Kriterien wählst Du jeden Morgen Deine Kleidung aus?
Was da ist. Was ich vorhabe. Was ich anhabe.
5. Ein persönlicher Gegenstand ohne Funktion, den Du mitnimmst, wenn Du die Wohnung verlässt?
Manchmal den Autoschlüssel. Aber davon später mehr ..
6. Das erste, was Du tust, wenn Du wieder Deine Wohnung betrittst?
Den Hund aus dem Weg räumen. Ausgiebige Begrüßung wie bei Snoopy. Schlecken lassen. Manchmal in sein Ohr beissen (ja, das mag er, auch wenn andere anderes behaupten.)
7. Darauf hast Du Dich den ganzen Tag gefreut?
Austausch und Kommentare auf meinem Blog. Echoes from anywhere.
8. Das letzte, was Du vor dem Zubettgehen tust?
Zähnputzen. Computer aus. Socken aus. Telefon aus. Denken aus.
9. Dein letzter Gedanke vor dem Einschlafen?
Jedesmal derselbe: Ich stehe auf einer bunten Wiese, Schmetterlinge fliegen, Frühlingsluft. Dann die Stimme meiner Mutter: Komm rein, Essen ist fertig. Nein im Ernst, den letzten Gedanken vergesse ich meist über dem Einschlafen.
10. Träumst Du in Farbe oder schwarz-weiß?
Ich träume von Farbe in schwarz-weiß. Aber was weiß ich schon? Wahrscheinlich sind Träume anders als Fernsehen. Haben ein Nachsehen in der Seele. Und das in bunt – was sonst?
Freitag, August 04, 2006
Zu Recht finden
Ein Seminar nahm über eine Woche meine ganze Aufmerksamkeit. Morgens früh raus und abends noch später zurück. Rückfahrten mit Benz mit offenen Fenster um dreiundzwanzig Uhr bei neunundzwanzig Grad. Der Blick nur auf die Straße, die Bundesstraße achtundfünfzig, hinter Issum gerichtet. Mähdrescher zur Linken und Rechten, die irrlichterten taghell über die Äcker. Vielleicht kennen Sie es: nachts ist man gewillt, die Straße dort zu vermuten, wo die Lichter entgegen kommen. Zumal, wenn man so klar nicht mehr sieht, wenn man erschöpft und müde ist von einem anstrengenden Tag. Fünfundreißgkommavier Grad im Seminar Raum zwei. Da will man es einfach nur noch laufen lassen. Willkommen Straße. Willkommen Gegenverkehr, der mir den Straßenverlauf anzeigt.
Nur - was ist zu tun, wenn es sich dabei um die Ungetüme auf den Feldern handelt? Riesige optische Täuschungen. Null Orientierung mehr, sondern Graben rechts wie links? Wie, wenn die Straße dann keine ist und man unwillkürlich das Steuer verreißt, um nicht auf den Acker zu landen? Seltsame Begegnungen waren das mit den Dinosaueriern der Agrarökonomie. Ich kam durch, aber schweißnaß. Die Straße dort, wo ich sie nie und nimmer vermutet hatte.
Und dann war da diese Woche noch die Auseinandersetzung mit dem, was im Libanon passiert. Berührung immer wieder beim Thema Israel. Gewiß, Hebräisch habe ich gelernt. Damals vor über 20 Jahren an der Kirchlichen Hochschule zu Wupptertal. Habe mit Tusche meine Vokabelkarten gemalt, kleine Kunstwerke, die ich heute noch im Schrank aufbewahre. Wie Erinnerungen an glücklich, selbstvergessene Zeiten. Ikonen. Dann meine Reise nach Israel und die Erinnerung an Safad, ein kleines Dorf im Norden, wo Rabbis sinnierend im Park lagen, die Luft flirrend und die Thora geöffnet vor ihnen. Es ist schwer vorstellbar, dass dort nun über 70 Rakenten runter gegangen sind. Ohne Erinnerung bleibt das Leben blass. Ist Safed ein Ort wie jeder andere auch. Erinnerung - vielleicht das Wasserzeichen des Mitgeflühls. Ein beschriebenes Blatt, das man gegen das Licht halten kann. Anders als die nüchternen Nachrichten der Kriegsberichterstattung.
Die Lage wurde ernsthaft auch in den Internet Foren diskutiert. Auffällig blieb Empörung über das Massaker in Kana - das doch keine 60 Tote hatte, sondern "nur" die Hälfte hergab. Es gab Berichte, dass die Toten erst dann geborgen wurden, als die Presse versammelt antrat. Um Bilder zu machen. Um das Elend ausführlich abzulichten. Seit dem war Israel der Agressor und die Hisbollah keine Terrororganisation. Sondern es ging um den Krieg gegen Zivilisten. Interessant, dass jede Zivilistenfamilie 1000 Dollar erhält, für jede Rakete die bei Ihnen gelagert werden kann.
Was mich aber mehr denn je erschreckte war das Echo, Israel habe nichts gelernt aus seiner Vergangenheit und mutiere nun vom Opfer zum Täter. So als ob wir Deutschen alles Recht zur moralischen Empörung hätten. Ich schrieb daraufhin:
Eine bescheidene Frage: Ist es wirklich das einzige Ergebnis des Holocaust, dass wir dafür sorgen sollten, dass so etwas nie wieder passiert? Wer hat uns "Tätervolk" dieses Mandat gegeben? Wir selber? Und wenn ja, warum? Um zu verdrängen? Um uns ethisch zu entsorgen? Ich denke es wäre da mehr zu lernen als das, wenn wir diese dunkle Zeit betrachten. Ich halte diese Sichtweise für extrem verkürzend, zumal die Kinder, die sich distanzieren wollen und müssten, sich nicht mehr die Arbeit wirklicher Aneignung machen wollen. Denn nur angeeignete Geschichte trägt den Wert in sich und schafft es, sich nicht mehr zu wiederholen. Seien wir ehrlich: nicht wir haben Hitler besiegt. Er hat uns besiegt. Zuletzt wares es die Allirierten, die Amerikaner wie Russen, denen die Juden den Restfetzen Leben noch verdanken. Und wir - was USA, F, und GB und den Westen betrifft - die Demokratie. Aber erkämpft haben wir sie nicht. Nicht einmal in unserer Geschichte.
Antwort erhielt ich bisher nicht. Leider.
Man tut sich mit vielem so leicht hier. Was zugegeben schmerzt. Ein guter Artikel dazu findet sich von Broder im SPIEGEL. Und selbstverständlich auch bei Lila im Blogg. Letzteren musste ich sogar dem leitenden Redakteuer der Rheinischen Post empfehlen (Gedehard Uhlemann). Inzwischen ist Lilas Blogg zu einer kleinen Oase geworden und gut, dass sie nun drei Wochen in Urlaub gehen kann. Alternativ kann man noch Lizas Welt sich zu Gemüthe führen. (Kein Tippfehler)
Wie soll man sich in all dem auch zurecht finden. Und wie die anderen zu ihrem Recht finden? Ich geben zu, ich bleibe etwas hilflos zurück.
Donnerstag, Juli 20, 2006
Testosteron Junkie
Rocco ist sonst immer ein artiger. D.h. er läuft mit, wenn auch hier und da anderes mal sein Interesse wecken kann. Aber er kommt dann meist doch mit .... bis auf heute morgen. Da ist er abgehauen. Einem Hasen hinter her. Ein Japsen und Quitschen, nachdem er ihn aufgespürt hat. Und obwohl er bisher jedes Wettrennen verloren hat, trainiert er immer noch. Meist nur mit dem Ergebnis, weg zu sein.
So was passiert schon mal, wenn seine Hormone durchbrechen. Der Jagdtrieb und dieses komische Testesteron in seinem Körper gehen dann eine eigenwillige Mischung ein. Kein Halt mehr. Ein Männchen eben, Nachname Rüde. Ich kann ihn ja auch nicht immer an der Leine laufen lassen - der Junge braucht mindestens so viel wilde Luft um die Ohren wie ich auch. Warum ihm verwehren, was ich selber brauche – eben !
Also es war ein knapper Meter, die ihn und den Hasen trennten. Die rennen ja nicht immer weg. Irgendwie scheinen sie intelligenter zu sein, rennen nur, wenn es absolut nötig ist. Da lag der einfach im Gras und versteckte sich. Als Rocco das in Nase und Körper bekam, konnte er nicht mehr an sich halten. Ari safari hinterher. Und weg war er ... ein Quitschen und Japsen, zwei langohrige Beine und ein beiges Knäuel Fell mit fliegenden Ohren hinter her ...
Nun war ich etwas geschwitzt - bei dem Wetter ja kein Wunder, war doch gestern der heißeste Tag in Deutschland bei Kalkar am Niederrhein – fanden sich sofort eine gelehrige Schar Bremsen bei mir ein, um lustvoll über mich herzufallen.
Was sollte ich machen? Warten und mich weiter zerstechen lassen? Weggehen und Rocco im Stich lassen? Was auch immer, ich war in einem astreinen, ethischen Dilemma. Und das wurde durch Warten auch nicht besser. Also entschloss ich mich - nach einem Blick auf mein Streuselbein - die Flucht nach vorne anzutreten. Rocco Rocco sein zu lassen und die Wahl für mich zu entscheiden.
Augen zu und durch. Wie er auch ....
Zwar hatte ich gelesen, dass jagende Hunde immer wieder zum Ausgangspunkt ihrer Jagdabenteuer zurück kehren, im Unterschied zu den menschlichen Männchen, aber im Buch stand nicht wann und in welcher Zeit. Mit einem nackt-exitstenialistischen "dass" es geschehe, kam ich hier nicht weiter.
Sicherlich, jederzeit könnte Rocco wieder aus dem Wald herausgetobt kommen, die Zunge auf halb Acht und mal wieder nichts gefangen, während derweil die Bremsem um mich herum triumphierten .... aber tat er es auch. Und wann tat er es ....
Mein eigener Fluchtimpuls war stärker. Vielleicht ist es ehrlich und hömöophatisch genug, den eigenen Instinkte auch zu vertrauen. Man ist ja nicht in einem theologisch-ethische Oberseminar. Also scherte ich mich weg, noch lange Zeit einen Schwarm Bremsen hinter mir her ziehend. Welch ein köstliches Bild für den Betrachter ...
Seine versprochene Wiederkunft an gleicher Stelle – wie im Buch für Hundeverhalten fest versprochen – war mir in diesem Moment absolut egal. Acuh die die frühen Christen mussten eine ähnliche Erwartung gehabt haben. Dass der Messias wieder kommt. Da war es revolutionär, dass Paulus Israel verließ und das Evangelium überall predigte und - wieder fand. Kurzum, ich lief weg und suchte mich selber zu retten. Der Atem flach, die Gedanken im Sturm vereint.
Was, wenn ihm jetzt was geschehen würde? Ich bin dafür verantwortlich. Stell Dir vor, er rennt über die Straße und schon ist es geschehen .... Lauter solche "Worst Case" Szenarien stellen sich ein. Und Schritt für Schritt kommt man sich immer mehr vor wie ein Schwein, eine Rabenmutter, ein egomanes Menschenkind, nur weil man nicht länger mehr zerstochen werden möchte. Weil man gegangen ist. Geflüchtet.
Wie hoch ist eigentlich der masochistische Anteil, wenn man Verantwortung übernimmt? Wie hoch der Beharrungsfaktor? Wann lässt man wen im Stich? Wie würde ein Manager entscheiden und stellt sich ihm überhaupt diese Frage ....
Alle Gedankenteufel kamen mir auf dem Rückweg in den Sinn, fuhren Achterbahn mit mir. Zu Hause angekommen, duschte ich und bewaffnete mich mit Handy (immerhin steht meine Nummer auf Rocco s Halsband, das hilft vielleicht), Leine und einem frischen T-Shirt. Rannte dann in die Garage, holte das Gitter für die Motorradbox, startete die Vespa und fuhr los ....
Wir haben hier so eine Kreuzung, an der ich vor drei Monaten meinen Peugeot geschrottet habe. Und jetzt auf der Vespa, mit kaum mehr als Rocco im Kopf, achtete ich nur bedingt auf Rot- und Grünzeichen. Eine Vollbremsung gelang mir gerade noch, bevor der Trecker in den Kreuzungsbereich einfuhr. Drei Ballen Stroh - immerhin hätte ich gute Überlebenschancen gehabt.
Als ich dann in den Feldweg einbog, entdeckte ich den Streuner von ferne. Es stimmt also doch ... wenn Hunde ihre Jagd beendet haben, kehren sie zurück auf die alten Wege. Ein dickes Plus für Hunde. Und hier, hier war ich bestimmt schon hundertmal mit ihm gelaufen. Am Teich bei den Koi´s hatte er sich die Zeit vertrieben, wurde obendrein von den Besitzern gefüttert und sah so guter Dinge aus, dass er mich fragen wollte: Hey, was soll das? Schau nur, ich kann sehr gut für mich selber sorgen. Denn soist er ja auch zu uns gekommen.
Das Abenteuer war beendet. Immerhin fuhr er noch vergnügt eine Runde Vespa mit mir, bis er dann zu Hause sie müde auf den Boden fallen ließ, wo er jetzt noch liegt. Ja, so sind die. Die Hundemänner mit ihrem Jagdtrieben und Vorlieben. Karnickel und Hase haben wir erst mal vom Speiseplan gestrichen. Und mein Übergewicht werde ich auch ohne solche Übungen los.
Dienstag, Juli 18, 2006
Zu sich selber stehen ....
1.
Man muss nicht zu sich selber stehen.
Das ist für viele viel zu viel verlangt und wer läuft nicht Gefahr, durch das Diktat der Authentizität sich Krampfadern zu holen? Langes Stehen beansprucht zudem die Wirbelsäule in ungebührendem Maße, so dass viele Ärtze doch dringend davon abraten, obgleich es noch nicht als berufsbedingt verursachte Erkankungen bei Managern und anderen anerkannt ist.
Kann man nicht auch: sitzen oder liegen? Und wenn ja - wo? Bei welchem Gehalt?
Also widersetze ich micht dieser Frage und steh dazu ....
2.
Zu sich selber stehen heiß seine Fehler und Macken lieb gewinnen und nicht abschleifen lassen. Zu sich selber stehen heißt, auch zu widersprechen wenn es Konsequenzen hat. Zu sich selber stehen bedeutet, die Wertigkeiten nicht von anderen zu empfangen. Zu sich selber stehen meint, mindestens einmal durch den Spiegel gesprungen zu sein. Zu sich selber stehen ist eine Übrung, die man nur durch Erfahrung gedeckt bekommt. Zu sich selber stehen heißt auch, sich dem Urteil anderer ausliefern zu können, ohne daran unterzugehen. Zu sich selber stehen bedeutet, Klarheit innen wie außen. Zu sich selber stehen bedingt, eigene Wertgefüge zu entwickeln, die andere nicht so schnell zerstören können. Zu sich selber stehe heißt nicht, unangreifbar zu sein, sondern sensibel und verletzlich sich zeigen zu können. Zu sich selber stehen ist Selbstbehauptung gepaart mit Intuition. Zu sich selber stehen bedeutet, Veränderungen zu lassen zu können. Zu sich selber stehen heißt, der Einsamkeit nicht ausweichen zu müssen. Zu sich selber stehen ist nichts anderes, als die innere Resonanz lieb zu gewinnen. Zu sich selber stehen heißt auch, Achtsamkeit gegenüber sich selber zu üben. Zu sich selber stehen ist ein Position, die nicht festgeschrieben werden muss. Zu sich selber stehen bedingt Austausch mit anderen, ohne sich davon abhängig zu machen. Zu sich selber stehen bedeutet hier und da die Liebe zu riskieren, um sie wieder zu gewinnen. Zu sich selber stehen ist der Beginn eines Weges. Zu sich selber stehen kann Enttäuschungen beinhalten. Zu sich selber stehen heißt, sich selber erst mal kennen zu lernen.
... Zu sich selber stehen heisst nachts bei der Freundin anzuklingeln und zu wissen, dass man stört und dennoch darauf zu beharren, angehört zu werden.
... Zu sich selber stehen heisst um des Frieden willens nichts mehr aufzugeben. Ehrlichkeit zu wagen, vor allem gegenüber den eigenen Gefühlen.
... Zu sich selber stehen ist die Geschichte der japanischen Sängerin am Großmünster zu Zürich. Die da steht und singt, ohne Applaus und Geld zu erwarten. Einfach so.
... Zu sich selber stehen ist die Verfühurng der Macht nicht zu erliegen, sondern nach anderen Werten Ausschau zu halten. Gehen zu können, wenn andere meinen, bleiben zu müssen.
... Zu sich selber stehen ist mittelmäßig Kalvier spielend auf einer Hochzeit den Flügel zu benutzen und dennoch alle zum Zuhören zu bringen.
... Zu sich selber stehen ist eine freie Rede halten zu können vor fünfzig bester Freunde, ohne sich blamieren zu müssen. Oder eine Verrücktheit pro Woche zu leben, ohne sich umsehen zu müssen, ob der Gag auch angekommen ist.
... Zu sich selber stehen ist, seine Vorurteile so lange zu pflegen, bis sie gründlich widerlegt werden.
... Zu sich selber stehen ist, Verantwortung anzunehmen. Schuld nicht vagabundieren zu lassen, sondern sich sichtbar zu eigenen Fehlern erklären zu können.
... Zu sich selber stehen ist im Kino laut pupsen und sagen können: Ich war es
... Zu sich selber stehen ist die alltägliche Deklination von Leben. Die Abgrenzung zu anderen, die ein Du und Gegenüber erst möglich macht.
Samstag, Juli 15, 2006
Durcheinander
Da strahlte er also über alle Wangen und sagte dann: "Was es wird, wissen die beiden noch nicht. Ich kann Dir daher noch gar nicht sagen, ob Du Tante oder Onkel wirst !!"
Sagte es und ging die Kellertreppe hoch.
Sehen Sie, so ist das, wenn die Geschlechter durcheinander geschüttelt werden. Die Sprache setzt manchmal einfach aus. Weil sie es nicht lernen konnte, weil sie beim Sprechen noch verarbeitet, was sich an Neuem meldet und da ist. In diesem Fall war es eine klassische Doppelbelichtung.
Wenn es so schön ist, wie bei meinem Vater, sollte man diese Geschichten alle sammeln. Und nicht einfach verloren geben. Sie erzählen zwischen den Zeilen von Zuwendung und Selbstverständlichkeit, mit der mein Vater dennoch in schwierigen Zeiten für mich da war.
Meine Mutter dagegen war eine Kämpfer Natur. Sie musste um "ihr" Kind kämpfen. Und das ging sogar so weit, dass sie meine damals behandelnde Ärztin anzeigen musste bei der Ärztekammer. Das war nicht einfach zu regeln. Immerhin ist es ja auch schwer verständlich, warum ein gesundes Kind nun mit "gegen"geschlechtlichen Hormongaben versehen wird. Das muss ihr wie Teufelszeug vorgekommen sein. Und ich musste mich mal wieder entschuldigen, für eine Mutter, die es sich und anderen schwer machte, durch zu kommen. Aber immerhin, später hat auch sie es geschafft. Eine schwere Geburt. Kann sein, darin spiegelt sich doch etwas von dem, wie ich auf die Welt kam
Für alle, die es interessiert: ich bin Tante geworden. Und es war ein Mädchen. Laura. Bei einem Jungen - klar doch - wäre ich wohl kein Onkel geworden. Obwohl auch ich mir da nicht mehr so ganz sicher bin.
Freitag, Juli 14, 2006
Erinnerungssplitter
Mir ist es zweimal passiert diese Woche und immer wieder hat es mich an Orte geführt, mit denen ich mich sehr verbunden fühle - ohne doch diesen Impulsen nach zu gehen. Sie liegen da, aber auch unzugänglich unter der Haut, wie ein Implantat, dass sich bei besonderen Ereignissen wieder meldet.
Das erste war meine Erinnerung an New York City, Manhatten. Es ist komisch zu bschreiben, aber entspricht doch der Wahrheit. Unsere Gästetoiltette verfügt als eine der wenigen in Wachtendonk über ein eigenes Bücherregal. Und dort finden sich, will man selber etwas Abgeschiedenheit erreichen, auch Reiseführer. Da hatte ich also einen alter ADAC Führer über Manhatten in der Hand. Darin ist vortrefflich zu blättern und die alten Bilder von Woody Allen mit Mia Farrow, Katz Delis, der Second Avenue und dem Erwachen der East Side berührten mich. Eine Gegend die ich kannte. Orchard Streeet - Geschäfte mit Klamotten. Stahltreppen. Ein Flash Back in die Vergangenheit, wie es war in den 30er Jahren. Emmigration und Ankunft.
Es ist die besondere Mischung von Internationalität und kleinem Viertel, wie im Stedl, dieses Weite in der Enge und vor allem auch die vielen, liebevoll protraitierten Typen der Stadt, die mich beim Durchblättern trance artig in meine Erinnerung fallen ließen. Doppelbelichtungen.
Meine New York Reisen waren grenzwertig. Sicherlich. Aber ich habe selten das Gefühl gehabt, einfach mit dem Finger zu snippen und bleiben zu können. Ein Zauber wie bei Alice im Wunderland - man springt mitten hinen in ein anderes Leben. Mühelos und ganz selbst vergessen. Man tut es und ist - da.
Gleichzeitig mischten sich diese Bilder mit meiner Begegnung des Judentums der Upper West Side. Wie ich durch die Straßen ging, müde wurde und doch aus dem Staunen nicht raus kam. Mich wunderte, wie viele Synagogen Gemeinden dort zu finden waren. Bis ich irgendwo einfach anschellte und später vor Michelle Sullum stand. Einer Rabbinerin, klein von Wuchs, mit runder Brille, so wie ich sie mir immer vorgestellt habe. Und herzlich. "Coosing a jewish life" - das war nicht so fern von mir und ich hätte bleiben können und wollen und sollen.
Sie lud mich ein zu "Simchat Thora", dem Fest zur Feier der Thora und wenige Stunden später sah ich mich inmitten einer Menge feiern und tanzen - selbst vergessen, weit weg von meinen Verletzungen und doch ganz da. Irgendwann tanzte auch ich mit der Thora im Arm und gab sie weiter und fühlte mich mit allem verbunden und nah. Erlebnisse, wie ich sie in unserem evangelischen Glauben nie kennen lernte. Da fühlte ich mich zu Hause. In der Fremde hatte ich die Heimat wieder gefunden.
Die zweite Erinnerung war die an Eretz Israel. Meine Reise im Jahre 1981, also Jahrzehnte zurück. Und doch blieb sie so präsent jetzt wieder, wo die Raketen auf Haifa und vor allem Safed fallen. Dieses kleine blaue Dorf habe ich damals auch besucht. Erinnere mich an eine Künstlerin mit Zahlen in den Arm tätowiert. An den lauschigen Garten, wo man die Rabbis beim Studium beobachten konnte. Schriftverliebte Langschläfer. Entspannt im Jetzt. Nun fallen Raketen vom Himmel. Was ist das für eine Welt in und um Israel?
Der morgendliche Kommentar im WDR 5 empörte mich, weil er immer wieder die klassischen Raster bedienen musste. Zu differenzierten Äußerungken kam es nicht. Man nannte das Offensichtliche offensichtlich und das noch mit Vokabeln des Hitler Regimes: Überfall, Einmarsch, Agression ...etc. Ich habe es satt, so etwas hören zu müssen. Die Endlosschleifen ohne Resonanz. Tu nur einen Menschen da hinein, eine wirkliche Erinnerung und es wird alles anders.
Irgendwo habe ich gelsen, das die Hisbollah bis heute nicht den seit Jahren mit der Uno gemachten Vereinbarungen nachkommt. Sie ist nicht entwaffnet worden. Und Libanon hat sie machen lassen. Etwas nicht zu tun scheint Unschuld zu bedeuten, hier in Deutschland, während ein Angriff immer mit Schuld verbunden ist - zumindest in den Augen der jungen, deutschen Journalisten. Ich habe diese neue Generation kennen gelernt, damals in meinem Praktikum bei der Frankfurter Rundschau und ich musste mich wundern, dass ein linksliberales Blatt problemlos die antisemitischen Schablonen bedienen konnte. Es sind die, die nicht mehr nachdenken. Die das Offensichtliche mißbrauchen - zu Karrierezwecken. Schlagzeilen produzieren, statt Resonanz befördern.
Erst bei Lila im Blogg fand ich anderes. Sie schreibt direkt aus Israel. Und dort finden sich Sätze wie diese: "Amram Mitzna, dieser sanfteste und friedfertigste aller Generale und Politiker, meinte heute auch: wehren müssen wir uns. Ungern, aber doch. Er sah bekümmert aus, aber entschlossen."
Ich glaube, Israel und New York, dazu meine Erinnerung an Zürich. Das alles sind Erinnerungssplitter unter meiner Haut, die sich melden, wenn es an der Zeit ist. Es sind auch fragmentierte Teile eines nicht gelebten Lebens. Fast ist es so, als gäbe es dort wieder zu finden, was ich hier im Alltag entbehre. Ein Leben, das in allen Wechseln versöhnt bleibt mit sich selber. Das nicht auf das Getöse der Welt hören muss. Sondern da ist und - schreibt.
Mittwoch, Juli 12, 2006
Nachfolgefragen
Und dann hat der Klinsmann doch abgesagt.
Er will kein Teamchef der Deutschen Nationalmannschaft mehr sein.Also verlängert er den Vertrag nicht.
Verstehen kann ich ihn. So viele Widerstände und die zähe Beharrungskraft der Institution DFB. Da kann er nur gehen, wenn er klug genug ist. Der Beckenbauer hat ihn ja nie gewollt. Und wenn der schon mit der BILD Zeitung ankündigt, er unterstütze ih, da war es höchste Zeit abzuhauen.
Jetzt ist Joachim Löw der Nachfolger von Klinsmann geworden. Siehe
Lauter Fragen, die der DFB da wieder anzettelt. Aber das kennen wir ja.Nix Neues in Deutschland also. Das System schlägt zurück. Bleiben wir erwartungsfroh.
