Donnerstag, Oktober 04, 2007

SWR Nachtcafe

Nun also ist es soweit. Das Nachtcafé geht mit einer Woche Verspätung an den Start. Ein Blick auf die Seite bringt Erfreuliches zu Tage: Nun bin ich nicht nur Lebensberaterin sondern auch Coach, was sicherlich für einige besser verständlich ist. Und es scheint auch eine gute Zeit zu sein, sich mal wieder als Mensch an-zu-zeigen.

Ich freue mich auf die Reaktionen, zumal man doch aus im Raume der Kirche in einem eher schalltoten Raum leben muss: Unterstützung habe ich selten bis kaum kennen gelernt. Und bis zu letzt redete man nicht mit mir. Statt dessen gab man sich lieber den eigenen Ängsten und Projektionen hin. (1)

Wozu ich hier einladen möchte ist, sich hier etwas um zu sehen. Spazieren zu gehen mit der Seele. Über Geschichten, die berühren.

Was ich mir wünsche ist: Unterstützung, die sehr unterschiedlich aussehen kann. Zuerst damit, sich auch als Mensch an-zu-zeigen. Etwas, was wir schon so oft verlernt haben. Sich zu zeigen und da zu sein. Einen Kommentar zu Schreiben meinetwegen. Das tut auch mir gut, denn man singularisiert doch sehr schnell mit solch einer Geschichte. Man wurde zu lange als Exemplar Mensch betrachtet. Man hat gelebt, ohne sofort und schwindelfrei in einen guten Alltag zu finden.

Zu viele sind auf der Strecke geblieben. Zu wenigen wurde geholfen. Dank gebührt da meiner Partnerin - ohne Frage. Aber es ist dringend nötig, Unterstützung zu organisieren. Etwas Neues aufzubauen, das anderen hilft. Eine Ombudsstelle Transgender wäre nötig, am besten direkt angesiedelt im Familienministerium.

Das nächste wäre durchaus, mich einfach weiter zu empfehlen.

Ja, ich arbeite als Coach und Lebensberaterin und das sehr gerne und - wohl auch gut. Zur Zeit erarbeite ich ein Angebot zum Online Coaching und für eine Retraite oder ein Intensiv Coaching für Manager am Niederrhein - fragen Sie mich einfach. Ich schicke Ihnen die Unterlagen per Mail zu.

Ja, ich bin auch eine freie Trauerrednerin und habe noch lange nicht verlernt, was es zu sagen gilt in solchen Fällen. Inzwischen ist es mir ein tiefes Bedürfnis für die da zu sein, die diese Kirche schon verlassen haben, die Konfessions-freien, die von ihr (meist zu Recht) Ent-täuschten. Die aus vielerlei Gründen ausgetreten sind und doch Worte brauchen, die noch taugen. Diese Geschichten berühren mich auch heute. Man kann mich buchen.

Sicherlich wäre es gut, wenn sich auf diesem Wege auch ein Verlag für mein Buch finden würde. Etwas Mut und Unterstützung, sich durch diesen Berg an Leben zu wühlen, der noch wie lose Socken ungeordnet auf meinem Schreibtisch liegt, braucht es schon. Vorstellbar wäre auch eine Kolumne in einer Zeitschrift oder einem Magazin - warum nicht?

Und vielleicht wächst ja etwas über uns hinaus: eine Verbundenheit über die üblichen Zugehörigkeiten hinweg. Ein Berührung von Leben. Das wünschte ich mir: dass ich nicht mehr kämpfen muss, sondern mich anvertrauen kann, dem was mir begegnet. Auch jetzt wieder.

So wie Rose Ausländer schrieb in einem Gedicht, dass ich auf der Bühne zitierte in meinem Praxisprojekt "Ein Haarbreit Wunder" 1990 in der Pauluskirche zu Duisburg. (2)


Wo sind
die Auferstanden
die ihren Tod
überwunden haben
das Leben liebkosen
sich anvertrauen
dem Wind

Kein Engel
verrät
ihre Spur




_____________________________
(1) Von den mir bekannten, fünf Fällen von Geschlechterkonversion im Raum der Ev. Kirche hat keiner eine Beschäftigung oder seinen Arbeitsplatz erhalten können. Auch mir ist niemals eine Stelle oder eine Arbeit angeboten worden. Es ist ja nicht immer nur der Einzelfall, weswegen man an die Öffentlichkeit gehen muss. Die Gefahr der Exemplarisierung ist zu groß. Daher bleibt es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Unterstützung für andere nötig ist. Eine, die nahe beim Menschen ist und bleibt.

(2)Das Projekt "Ein Haarbreit Wunder" mit dem ersten Tanztheater im gottesdienstlichen Raum schaffte es 1990 immerhin, über 250 Menschen in die sonst eher menschenleere Pauluskirche zu Duisburg Hochfeld zu locken. Als Praxisprojekt wurde es im Rahmen meines Zweiten Examen mit mangelhaft bewertet.


Kommentare:

Michaela hat gesagt…

Hallo Frau Kammann,

ich habe die Sendung gestern Abend gesehen und es hat mich sehr gefreut, daß Sie dort aufgetreten sind. Ich fand das Sie für die Belange von Transgendern einen sehr positiven Eindruck hinterlassen haben. Ich habe auch ein ganz klein wenig was darüber in meinem Blog geschrieben.

Liebe Grüße vom Bodensee,

Michaela

dus hat gesagt…

hallo! ihren auftritt im nachtcafe fand ich ausserordentlich sympatisch! alles gute weiterhin :-) mfg

ECK hat gesagt…

Hallo Karin,
ja, das war interessant.

Aber worum gehts denn im Leben, wohl doch um die Liebe. Und wenn ich das, in welchem Ausmaß auch immer, kann, habe ich schon viel erreicht. Natürlich lieben Mann und Frau untershciedlich - ich will es mal so sagen: als Generator für die kraft Gottes geht es wohl beim Mann anders, als bei der Frau. Aber wie auch immer, wenn zwischen zwei Menschen Harmonie da ist, ist sie da. Und ich denke, beide Seiten des Lebens sind in jedem Menschen. die frauliche und die männliche. Immer, egal was ich anziehe. Und wenn ich den wahren Kern meiner Existenz in mir entdecke, so heißt es, dann werde ich diese beiden Pole in mir sozusagen vereinen oder wie auch immer. Jedenfalls, wir als Seele haben kein Geschlecht. Diese Einheit der Bewusstheit, die hier in den niederen Körpern lebt, ist weder Mann noch Frau, sondern sie IST einfach. WIR sind einfach, als ein Teil der göttlichen Existenz eben ein Funke Gottes.

Ich denke, es ist kein Zufall, in welchem Körper man geboren wird. Sowas gibts m.E. nicht. Wenn ich den Weg gehe, die wahrheit dessen zu entschlüsseln, was ich wirklich bin, was meine Existenz wirklich ausmacht, dann verlieren im Laufe der Zeit m.E. die Haltungen und Gedanken und Gefühle aus alten Bewusstseinszuständen ihre Bedeutung und ich gehe immer mehr auf das zu, was ich wirklich bin und will und letztendlich auch wohl als meine Aufgabe hier tun muss...

Denke, wir sind solange auf der Suche, bis wir die Liebe Gottes in uns gefunden haben (hatte mich gerade daran erinnert, dass Du ja Theologie studiert hast und diesen Satz somit nicht von vornherein ablehnen wirst). Er ist ehrlich gemeint, so wie er da steht. Denke, das größte problem mit dem wir zu tun haben ist der Verstand: unsere eigenen Haltungen und Gedanken, aber auch die Haltungen der anderen. Der Verstand versucht alles zu beurteilen, zu verurteilen, einzuordnen und wenn es nicht passt, dreht er oft durch...)

Grüße
Eduard