Donnerstag, November 05, 2009
Wieso eigentlich ....
Manchmal denke ich, es gibt so etwas wie prophetische Momente. Und dann wieder, die Zeit zum Schweigen. Wenn ich mir alle biblischen Geschichten dazu ansehe, dann scheinen die Propheten eben darin recht zu haben, dass sie mehr schweigen als reden. Auch wenn - wie sollte es denn auch - ihr Schweigen kaum überliefert ist.
Als ich heute meinen Blog wieder anssah, wunderte ich mich sehr, wie die Etüde über die Wirtschaftskrise mich heute noch beschäftigte. Eine Übung, eine Befähigung mit weniger zu leben. Ein Rückblick auf die Generationen, die vor uns gelebt haben und so ganz andere Erfahrungen machen musste, verbunden mit dem vielleicht hilflosen Versuch der eigenen Disposition.
Anders gesagt: Was wäre wenn ...
Nun ist alles gut gegangen, so sagt man uns. Und ich schweige dazu. Schon so lang. Was gäbe es denn zu sagen? Dass die Dinge nun ihren Gang nehmen. Mit geradezu präziser Sicherheit mehr vernichtet als erhalten wird.
Habe ich das Recht dazu, solche Dinge zu sagen?
Nein, ich bin kein Endzeit Prophet und kenne von mir mehr Hilflosigkeit als Wissen. Mehr Anfechtung als Gewissheit. Mehr Zweifel als Sicherheit. Und mich fröstelt stets bei dem Gedanken, wenn sich andere Menschen so wissend, so klug, so gewiss zeigen.
Kann es so etwas noch geben? Versprechen, denen wir trauen können?
Nach der Wahl will man es wahr machen und damit eine Welt, der wir wieder Glauben schenken dürfen. Denn das ist ja die Versprechung: dass es so etwas wieder gibt. Fiducia. Sagte Luther. Begründete Hoffnung auf Besserung. Oder Glauben.
Was glauben wir denn?
Wem glauben wir denn?
Das wir es tun scheint diese Wahl ja bestätigt zu haben. Nicht lernen, sondern hoffen. Nicht denken, sondern glauben.
Immer wieder neu ...
alles wird besser wie es war.
Heute zweifel ich mehr denn je, weiß weniger aber glaube den anderen nicht mehr. Eine letzte Übung, mit der man anfangen sollte.
Heute hier und jetzt.
Montag, Oktober 12, 2009
Immer der Nase nach ...
Inzwischen sind Wahlen mit Ergebnissen gewesen, die beliebig klingen. Die große Wende ist nicht erfolgt, selbst im Kleinen hat sich kaum etwas geändert. Irgendwie hoffen alle, es geht weiter und so geht es auch weiter. Dem Diktat des Alltags gehorcht unsere Zeit, als bliebe alles weggesperrt, was an Bedrängendem, Ängstigenden, Revolutionären oder auch Katastrophalem geschehen könnte. Eine unaussprechliche Lähmung, so empfinde ich es, ist eingetreten und sucht nichts weiter mehr als sich selber.
Die Sprache hat sich dann verabschiedet bei mir. Die innere Spannung ist in sich zusammen gebrochen. Der Wunsch, Veränderung begleiten zu können, hat sich als trügerisch entpuppt. Täglich grüsst das Murmeltier ... wie eine Endlosschleife lullen wir uns ein - es fehlt mir sehr an wachen Geistern, die mich umgeben.
Klar - Rocco ist immer noch da, aber der Bursche hat sehr mit seinen Hormonen zu kämpfen, die Nachbarinnen, die läufig sind, und ein Leben, das ihm die Nase diktiert. Immer der Nase nach ... das scheint der Refrain des Kommenden zu sein, wir fahren auf Sicht, war eine Metapher der letzten Jahre. Alle großen Pläne brechen latent in sich zusammen und selber ein Friedensnobelpreis wird zur Bürde, unter der man zusammen zu brechen droht.
Fast ist es so, als lechzen die Menschen danach, einfach mal wieder Mensch sein zu können - in diesen Pausen und Zwischenzeiten hört man das Lachen zwischen dem Herbst, das Rauschen der Sehnsucht in den Adern pulsieren.
Die Tage werden kürzer.
Die Hoffnungen auch.
Dienstag, Juni 09, 2009
Der Bauer geht
Opa Strucks zieht um. Der Nachbar und Bauer von nebenan zieht weg.
Gewiss, er hatte stark abgebaut. War alt geworden oder, wie man hier sagt "auf". Zu viel Arbeit in ein zu langes Leben gelegt. Wir dachten, das wird nicht mehr mit ihm. Weil es einfach nicht weiterging. Weil da so viel dagegen sprach.
Es war nicht lange her, dass wir ihn aufgehoben hatten. Damals, als er auf der Bank saß wie ein Denkmal gemeißelt. Opa Strucks, der Bauer vom Kuhdyck vor seinem Haus.
Dort, wo er geboren war.
Dort, wo er Zeit seines Lebens gearbeitet hatte.
Gut, der Hof – den gab es nicht mehr. Statt dessen stand dort ein Haus mit drei Reihenhäusern. Dort, wo sein Stall stand. Der mit den Schweinen. Aber es gab uns, die ihn auf gehoben haben. Als er so unsanft von der Bank rutschte. Und da lag. Einfach so.
Ein Bündel Mensch.
Eingeschlafen, abgekippt und hingefallen.
Wie so viele andere auch, die müde ob ihres Lebens sind.
Genug geschuftet. Genug gearbeitet. Genug gelebt.
Es hätte gut zu Ende gehen können.
Einfach so. Wie immer, wenn es geschieht.
Der Rollator in der Abendsonne.
Kartoffelverkauf, das blieb. Bis zuletzt.
Vom Sohn.
Vom neuen Aussiedlerhof.
Drei Kilometer weit weg. Auf offenem Feld.
Computer gesteuerte Ferkel Zucht mit Umweltzertifikat.
Das war nicht seines.
Was haben sie sich angeschrieen – damals.
Ein Echo zuletzt. Nachbarschaftliches Entsetzen.
Der Sohn draußen und der Vater um die Ecke – ohne Vieh.
Das zählte schon immer hier - am Niederrhein.
Und auch zuletzt.
So lag er da
So hoben wir ihn auf.
Ein Mensch .
Ein Bauer im Dreiklang mit sich selbst.
Wetter - Arbeit- Tiere. Mehr war da nicht
Und alles zugleich
Nun als nichts mehr ging
wollten sie gehen. Weg von hier.
Diesem Haus, was ihm wie angezogen schien.
Unfassbar.
Gestern, so wurde berichtet, sei er mit Hund und Enkeltochter Sara in der Stadt gesehen worden. Sie holen ihn ins Leben zurück.
Einfach schön.
Der Bauer geht. Wieder.
Montag, Juni 01, 2009
Pfingsten ist nicht der Geburtstag der Kirche
In einem meiner Oberseminare in Heidelberg fragte ein von mir sehr geschätzter Professor den versammelten Nachwuchs der Theologen, was denn der Heilige Geist mache und niemand konnte eine Antwort finden. Peinliches Schweigen trat ein und hielt sich bleiern im Raum. "Es wird mir doch jemand sagen können, was der Heilige Geist mach - wozu haben Sie denn hier studiert?" Nein, es konnte oder traute sich niemand, auf eine so kompliziert einfache Frage eine Antwort zu geben. Dann ließ der Professor mit einem Mal die Hand flach auf den Tisch fallen, dass jeder, der auch nur den Ansatz von Schlaf in den Augen oder zwischen den Ohren entwickelt hatte, erschrocken auffuhr.
"Lebendig macht er!", sagte der Professor, höchstselbst amüsiert ob dieser Reaktion, "und weiter nichts."
Der Geburtstag der Kirche gehört somit zum klassisch infantilisierenden Reden einer Kirche, die sich selber als Lebenszweck genommen hat und mit dem, was ein jüdischer Wanderprediger dereinst sagte, nur noch wenig zu tun hat. Der Professor hat dabei noch recht, denn im Nicaenum, einem der ersten Glaubensbekenntnisse der Christenheit um326 n.Chr. wir der Heilige Geist mit Lebendigmachend - dsoopoioun - beschrieben, was - um ehrlich zu sein - eher eine weibliche Eigenschaft ist und all das Lebendig Machende, Lebensspendende in den Gottesbegriff einzutragen mag, was heute die Kirchen zugleich so ängstigt.
Wie sagte ein theologisch Gelehrter noch gleich: "Jesus predigte das Reich Gottes. Was dann kam, war die Kirche!"
Daher belassen wir es lächelnd wissend beim kindischen Kirchensteuertopf-Schlagen zum Geburtstag der Kirche, wohl wissen, dass denen die aus dem Geist geboren sind, die zweite Umittelbarkeit nicht als Infantilisierung erfahren müssen.
Aber so ist das nun mal mit den Institutionen. Auch sie müssen kämpfen, selbst wenn sie schon längst staatlich anerkannt und subventioniert werden.
Was ist OPEL dagegen?
Dienstag, Mai 26, 2009
Weil man schon ist, was andere werden müssen
Neulich fand sich in meinem E Mail Briefkasten folgende Einladung:
"Das Human Design System transformiert uns und bestärkt uns, unserer wahren Natur entsprechend zu leben. Dieses Seminar gibt Ihnen die Möglichkeit, erlebnisorientiert die Grundzüge Ihres Human Designs zu erfahren. Ich berücksichtige die Erkenntnisse der modernen Gehirnforschung und biete dieses Seminar entsprechend auf den Ebenen des Denkens, Handelns und Fühlens gleichzeitig an. Sie erleben in diesem Seminar, was es heißt, wirklich sich selbst zu leben und dadurch weniger Frustration, weniger Bitterkeit, weniger Zorn oder Enttäuschung zu haben. Kurz: Sie erschaffen sich ein Leben mit weniger Widerstand. Sie werden auf einer tieferen Ebene verstehen, wie und wo Sie konditioniert wurden und können Ihre De-Konditionierung verstärken. Auf diese Weise wird es leichter, Ihr wahres Selbst zu leben. Erleben Sie Ihre Einzigartigkeit! Das Living Design Seminar ist keine Ausbildung sondern dient der Selbsterfahrung."
Tatsächlich so geschrieben und ernst gemeint.
Schon immer habe ich mich gewundert, was sich alles so an Einladungen in meinem elektronischen Briefkasten bei XING findet. Man ist erstaunt und erschrocken zugleich und fühlt sich an Stücke der Berliner Schaubühne erinnert, in dem das Wort Gesicht konsequent durch soziales Display ersetzt wurde. Immerhin schon damals ein ironischer Fingerzeig zur Verrohung der Sprache.
Die Machbarkeit des Menschen und seiner Seele ist das, was mich nicht in Ruhe lässt. Wie kann man so etwas aus sich setzen und machen? Anstatt einander mit Respekt und Achtung zu begegnen, weil man schon ist, was andere stets werden müssen?
Das immerhin wäre eine gute, frohe Botschaft.
In turbulenten Zeiten. Immerhin.
Freitag, Mai 01, 2009
Maiunruhen oder Bowle - eine Replik zur laufenden Diskussion
Der Mai ist gekommen und alle halten still. Selbst die Frage, in Deutschland nun Unruhen drohen oder nicht, bleibt in sich stehen, bewegt nichts weiter, produziert die selben langweiligen Schlagzeilen. Es kommt mir vor, als hielten wir einen Moment den Atem an. Und wüssten noch nicht, wie es weiter geht.
Als Antwort tauglich fand ich folgende Stellungnahme von mir:
Ah ja, die Deutschen .... und der Maistreik
Die Deutschen machen unheimlich gerne Revolution und brauchen keine Alliierten, die ihnen die Demokratie bringen. Sie schaffen es spielerisch, sich von Diktatoren zu befreien und auch nachhaltiges Wachstum in der Wirtschaft zu betreiben.
Sie schreiten gegen Waffenlieferungen ein und je erfolgreicher sie sich nach außen wenden, desto mehr begreifen sie die verhängnisvollen Folgen des eigenen Reichtums und der ungerechten Verteilung.
Ihr Fleiß gründet in einer ethischen Grundeinstellung der Arbeit gegen über und Werte wie der VW Käfer stehen noch immer für die ungebremste Lauftleistung ihrer Motivation. Die Idee mit Geld noch mehr Geld verdienen zu können, habe sie an der Schweizer Grenze empört zurück gewiesen, denn das könne schon gar nicht angehen.
Die Deutschen lieben es, mit Bausparverträgen zuerst das Haus des Nachbar finanzieren, im Vertrauen darauf, dann auch für sich einen sicheren Mitstreiter gefunden zu haben. Sehen dann in der Siedlung alle Häuser gleich aus, stört es den Deutschen nicht, sondern er nimmt es als Anlass zur Individualisierung und Ausprägung seines eigenen Vorgartencharakters.
Das Wort Krise ist ihm stets Anlass, erneut mit dem Sparen anzufangen - was das Sparen von Ideen und Investitionen mit einschließt. Er kann sich selber aushungern und durchaus nur von Kartoffeln ernähern, wenn es denn sein muss.
Braucht der Deutsche Geld, würde er es sich niemals leihen, auch nicht um selber mehr Rendite daraus zu machen. Schon gar nicht möchte er auf dem internationalen Markt tätig sein, weswegen er die Börse Frankfurt für ein lässliches, aber unvermeidliches Übel betrachtet.
Der Lieblingssatz aller Deutschen lautet daher: Vertraue mir
und: Das wird schon noch. Und zuletzt: Komm trink eine Bowle mit mir.
So überstehen wir die Krise. Und wenn nicht, kommen wir dennoch durch. Weil das haben wir immer geschafft, selbst damals, als es noch keinen Käfer gab.
Montag, April 27, 2009
Halbwegs über die Runden kommen oder wie mit der Krise umgehen
Die Zeitung hatten wir abbestellt. Weil ich sie einfach nicht mehr lesen und ertragen konnte. Nun haben sie mich wieder erwischt: eine Woche gratis, sagten sie und doch kostet es mich mehr als nötig ist.
Thyssen Krupp, so lese ich heute, möchte in sich zusammen fallen: Implodieren. Das heißt neuerdings: sich schlank aufstellen. Wie schön das klingt: schlank. Die Wirklichkeit ist anders: Sie bauen den Konzern komplett um, brechen Zusagen, wollen sich unbedingt die auf den Bodensatz des Geschäfts herab hungern.
Für mich beschreibt das die neue ökonomische Magersucht des Managements, der man fröhnt, um überhaupt wieder etwas Geschäft zu fühlen. Wie sehr müssen sie ins Rutschen gekommen sein - nach all den vielen Boom-Jahren mit Milliarden Gewinnen. Erinnert Euch, es war noch gestern.
Nun verspüren Sie Treibsand unter den Füssen. Unangehm und kaum auszuhalten. Da wächst zugleich das Bedürfnis, wieder fühlen zu können. Halbwegs zumindest. Für Manager, die solche Zeiten nicht kennen, ist das sicherlich eine Herausforderung. Unfassbar zumal.
Solches Verhalten kommt mir vor wie das von magersüchtigen Mädchen, die sich den Herausforderungen der Wirklichkeit verweigern - einfach indem sie nur auf sich selber schauen. Hier zwickt es und da - ist da nicht auch etwas zu viel? Und dabei betrachten sie ihren dürren Körper mit mürrischer Mine im Spiegel.
Lean management sagen sie heute dazu. Handlungsfähig wird man durch Verweigerung. (1) Und dann beten sie wieder diese Litanei der Kennzahlen herunter, suchen den richtigen Body Max Index eines erfolgreichen Unternehmens, dass sie selber nicht mehr steuern können. Versuchen in aller Hilflosgkeit sich halbwegs selber über Wasser zu halten - nicht aus innerer Haltung heraus, sondern von außen: bewerten, messen und in Zahlen paniert. Das Fazit ist jedoch vorab bekannt: Das Geschäft läuft nicht mehr.
Verräterisch genug heisst es nun, dass sie halbwegs über die Runden kommen möchten. Halbwegs - dieses Wort hat Zukunft bei der Halbierung des Umsatzes, bei der Halbierung der Haftung, für die man neuerdings sogar Bad Banks gründen darf. Tun wir die Hälfte einfach weg. Es wird schon niemandem auffallen.
Die faulen Kredite und toxischen Papiere? Weg damit. Das akutell schlechte Geschäft? Ein von Unternehmensberatern assistierter, chirugischer Eingriff und weg damit. Gut ist. So wie eine Zelle sich in Gefahr einfach teilt und weiter wachsen kann. So machen wir das jetzt auch.
Aber - was die Natur kann, können wir noch lange nicht.
Vor ein paar Tagen hatte ich eine Freundin zu Besuch. Sie arbeitet jetzt als Top Managerin für Restruktuierung bei einer international agierenden Unternehmensberatung. München - Schanhai - London - Paris. Sicher greift sie gut ab. Dennoch war sie nicht in der Lage, ein Eis zu spendieren oder auch nur ein Präsent mit zu bringen. Statt dessen stand ihr neues Volvo Cabrio vor der Türe.
Sie hat sich verändert.
In diesen kleinen Pausen zwischen einem Gespräch, dass halbwegs gelang, fühlte ich sie kaum mehr. Ihre Bedüfnisse. Ihre hintergründige Seite. Ihren Charme und Humor waren irgendwie verflogen. Halbwegs auf der Strecke geblieben. Fast kam ich mir vor wie im Zoo, als wolle sie mal sehen, wie es ist in einer Frauenbeziehung glücklich zu sein - auch wenn es für sie jetzt nicht in Frage käme.
Da zeigte sich ihre Magersucht. Sich das Glück und die Liebe zu verbieten, als müsse man den Preis für den Erfolg vorab bezahlen. Oder - als bliebe das Leben halbiert und könne sich erst später halbwegs mit sich versöhnen.
Es war merkwürdig: als Frauen liebende Frau wollte sie Karriere machen, schlief mit ihrem Chef und ging dann steil aufwärts. Mit jedem Headhunter surfte sie - immer "drei Etagen höher". Jetzt lässt sie alle nicht profitablen Zweige von Unternehmen schließen. Oder verkaufen, wenn noch möglich.
Wenigstens die Hälfte retten, sagte sie und kam mir selber schon so halbiert vor. So abgespalten. So emotional implodiert. Gefühle sterben so leise. Jetzt also ist sie eine Optimiererin und Resteverwerterin. Auf für ihr eigenes Leben.
Als ich sie fragte, ob es nicht auch denkbar wäre, ein Unternehmen eine gewisse Zeit in den roten Zahlen laufen zu lassen, bis denn die Konkurrenz umfalle - sagte sie: Das ist bei uns nicht vorgesehen. Wir rechnen nach internen Zahlen, was stimmt und was stimmt nicht.
Es wird daher doch geschehen: von der Innenschau geht es weiter bis zur Implosion ganzer Unternehmen. Einfach so, weil man nichts anderes kennt - weder Kunde noch Konkurrenz.
Halbierte Wahrnehmung geradezu. Effizient. Autistisch. Wo Fenster sein müssten, sind Spiegel angebracht. Das ist alles - mehr nicht.
Auch Thyssen Krupp plant jetzt die Halbierung: 50 TOP Manager wollen sie entlassen. Wobei die Frage bleibt: Wer sind denn sie?
Ich dagegen fühle gerne: auch die unangenehmen Dinge. Durchaus. Daher strecke ich beide Flügel aus: Fühlen und Handeln; Denken und Tun. Das Gute nie ohne das Schlechte. Denn das braucht es, um Spannweite zu haben und Höhe zu gewinnen.
Anders werden wir uns nicht erheben können.
Guten Flug wünsche ich da.
Halbwegs zumindest.
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1. Ein Bekannter rief an und machte mich zugleich darauf aufmerksam, dass genau das zur Zeit bei den Banken passiere, die erst mal für sich sorgten und ihre schlanke Figur, als ihrer Aufgabe nach zu kommen, die Wirtschaft mit Kapital zu versorgen und vor allem: neues Vertrauen zu schaffen. Ein solches Verhalten würde geradezu als katastrophal empfunden, weil es das Gegenteil bewirkt.
Sonntag, April 19, 2009
Sieben mal sieben oder: Wie mit der Krise umgehen
Keine Generation darf für sich das Recht beanspruchen, ohne Krisen und Katastrophen durchs Leben zu gehen. Davon bin ich überzeugt. Wenn ich mal wieder eine Trauerrede halte, blicke ich oft weit in ein Leben zurück. Wie vorgestern noch. Manchmal auf eine Generation, die durch Krieg und Not gegangen ist. Flucht und Vertreibung erlebt hat. Da ist jeder Schritt einer ins Ungewisse. Noch lange ist nicht ausgemacht, was morgen sein wird.
Mich beeindruckt das, weil ich aus anderen Landen komme. 1959 geboren, eigentlich immer auf der besseren Seite, wenn da nicht etwas anderes wäre. Was hätte mir geschehen können?
Heute gehen wir allerdings anders damit um: Nichts darf mehr zusammen brechen. Wir müssen - auch das ist ein Fluch - alles behalten. Die Krise wird nicht angenommen, sondern in die Zukunft exportiert. Schulden und Geld stehen endlos zu Verfügung, denn Kind und Kindeskinder sollen es retten. Zahlen für das, was wir angerichtet haben.
Welch eine Arroganz.
Das ist der zweite, große Sündenfall - dass man nicht mehr bereit ist, die Konsequenzen des eigenen Handelns und Versagens zu nehmen. Dass man sich selber auf kosten der Kommenden ent-sorgt. Unfassbar.
Tun und Ergehen entkoppelt sich.Die böse Tat fällt auf andere zurück. Bloß keine Enteignung, schreien sie, und haben schon längst die nächste Generation um ihre Zukunft gebracht. Ohne zu fragen. Ohne es ihnen wirklich zu sagen.
Wichtiger wäre bei sich zu bleiben. Bei dem, was geschehen ist. Bei dem, was um uns passiert. Auf dass wir geben lernen, um bekommen zu können. Auf dass wir schenken, um endlich genug zu haben.
Auch auf dass wir lieben und um des Überflusses willen
uns selber geben. Mit Haut und Haar.
Sieben mal sieben
wäre noch lange
nicht genug.
- Gedanken einer entlaufenen Pastorin am Sonntag Quasimodogeniti, was so viel heißt: wie die neu geborenen Kinder, wo ich immer gerne gepredigt habe -
Samstag, April 18, 2009
Tee trinken oder: Wie mit der Krise umgehen?
Vergiftete Äpfel wie damals im Märchen gibt es nicht mehr. Das Wort "toxisch" hat dennoch Konjunktur. Wer Dioxine mit Dosenfutter vermischt, darf sich nicht wundern, dass das Finanzsystem auf den Hund kommt - wie geschehen.
Der Generation des Nehmens, der Bereicherung sollte eine neue Kultur blühen. Unvorstellbar, erst einmal selber zu geben? Sich nützlich zu machen mit Beiträgen, die erst mal anderen nutzen, nicht mir. Im Lande der Zocker hat man immer alles veräußert und verkauft: sich selber und die eigene Zukunft zuletzt.
Damit ist jetzt Schluss. Trotz allem aber brauchen wir echte Zutaten zum Leben: Kein ohne Verantwortung. Kein wahrer Gewinn ohne Solidarität. Kein Haben ohne Danke.
Entscheidend wird daher sein, was wir dem Leben geben,
denn - das gibt es siebenfach zurück.
"Dein Tee schmeckt immer so besonders!" sagte man mir. "Was ist darin?" Die Antwort war einfach: "Tu einfach zwei Löffel Sehnsucht dazu!"
Sonntag, April 12, 2009
Ostersuche - ein Zwischenruf
"Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?" ist einer der klassische Sätze der Osterbotschaft. Das ist eine ungeheure Ansage für Trauernde, die in der Trauer die Verbindung zu Jesus ja halten wollen. Eine ungeheuerliche Aussage auch für Menschen, die nur den Ablauf des Lebens kennen: Ein Das reiht sich an ein Was und ein weiteres Das. Ein Tag an den anderen laufen wir zu bis zum Tode.
Der Lebenslauf wird so zum Lebens"ab"lauf. Zeit zu einem besonderen Gut, dass der Angst abgetrotzt ist. Die Uhr tickt und wir schaffen es immer noch nicht, eine neue Qualität ins Leben zu bringen. Immer weiter so, suggeriert uns die Zeit, auf dass wir Güter und Gelder sammeln, uns gegen die Angst zu wappnen.
Es ist die Angst, irgendwann nicht mehr da zu sein. Und auch die Angst, nichts mit diesem Leben bewirkt zu haben, als es ablaufen zu lassen. Man sagt, sterbende Menschen würden - bevor sie ganz von uns gehen - noch einmal ihr Leben wie in Zeitraffer vor Augen sehen können. Ich weiss nicht, ob das stimmt oder nicht, aber ich stelle es mir schlimm vor, wenn da keine besonderen Etappen bei gewesen wären. Wenn das Leben sich nicht drehen und wenden durfte, nicht durch Angst und Anfechtung hindurch musste.
"Was suchet ihr den Lebendinge bei den Toten? Er ist auferstanden, er ist nicht hier!" Eine frohe Botschaft ist das für die, die immer an der falschen Stelle suchen. Den Lebenssinn dort, wo man materielle Güter anhäuft. Die Erfüllung dort, wo man selber haben möchte, wo der eigene Mangel herrscht. Menschen haben seit Ostern schon mal die Eigenart, stets an der falschen Stelle zu sein.
Ich denke an einen Klienten, der immer noch auf die Anerkennung wartet, die sein Vater zeitlebens ihm vorenthielt. Schon damals als Kind und heute erst recht. Oder die Klientin, die meint, Liebe käme zuerst ihr selber zu gute und wäre nicht etwas, was zuvor selber zu verschwenden und zu geben ist. Oder an die Magersüchtige, die aushält und harrt, um in grotesker Weise zu sagen, dass sie auch noch da ist und die Welt aus den Angeln heben kann. Ich habe selten mächtigere Menschen erlebt als die, die sich verweigern.
Der Lebenige, also Ostern, ruft uns heraus aus solchen ungesunden Bindungen. An die Bindung zur einfach nur ablaufenden Zeit - wir könne und sollen ein volles Leben führen, nicht nur eines, das abläuft und ein Ereignis an das andere reiht. Da ruft uns der Glaube heraus: Es gibt mehr als ein Das und ein Was. Es gibt ein Wie und Warum. Eine volle Zeit, ein Glück mitten in der Zeit - schon jetzt. Auch wenn wir sterben werden. Auch wenn wir nicht ewig leben und gerade darum - erst recht.
Und der Lebendige stellt uns in ein neues Beziehungsgeflecht. Das Lebenige, das Nährende, das Wohltuende kommt in den Blick. Wir müssen nicht mehr warten auf das, was wie nie bekommen werden. Wir müssen nicht mehr ausharren dort, wo wir nichts erwarten können. Nicht von außen kommt der Trost, die Anerkennung, der Status. Die Seele wächst von innen, wo sie selber eine Freundschaft eingegangen ist mit dem, der uns ins Leben ruft.
"Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?"
Gute Frage, sage ich immer noch und ertappe mich selber schon wieder dabei, den alten Mustern nach zu geben. Es ist ja so bequem. Dennoch: der Wechsel ist vollzogen. Bleibt noch die Frage, warum nicht auch bei mir.
Gehen wir also von den toten Orten der Enttäuschung weg dort hin, wo das Leben zu finden ist. Das ist ein Weg - sonst nichts. Zuletzt heißt es daher auch, dass der Auferstandene voran gegangen sei und erst so macht es Sinn, von Nachfolge wirklich zu reden.
Weg von den alten Platzanweisungen hin zu den neuen Wegen.
Den eigenen. Endlich. Anders als erwartet. Frei, weil befreit von einer unendliche Last, die wir uns selber auferlegt haben. Mit dem, was wir bisher voneinander dachten. Mit dem, wie wir uns bisher bewertet haben. Mit dem, was bisher Anerkennung fand in unserer Mitte.
Dort ist der Auferstandene nicht mehr zu finden.
Und das ist gut so. Sag ich.
Donnerstag, April 09, 2009
Gründung einer Sündenbock Agentur - oder wie mit der Krise umgehen
Interessant: Inzwischen überlegt man hier und da eine "bad bank" anzulegen. Eine, wo die ganzen toxischen Wertpapiere zwischen gelagert werden sollen, damit die wieder stimmen. Auslagerung sozusagen. So tun, als ob nichts geschehen ist.
Das System ist bekannt und eigentlich uralt. Es ist der Sündebock, der aus der Mitte der Gesellschaft in die Wüste geschickt wird: Asahel. Der, der seinen Dienst aufnimmt und damit die Schuld und alles, was damit verbunden ist. Wir kennen das als altes, rudimentäres System. Als etwas, das überwunden galt. Ist es nicht.
Wer etwas in der Bibel lesen kann, ist schlauer: Dort steht: ... um das Böse, was in deiner Mitte ist, weg zu schaffen. Eine gute Idee! Etwas weg zu schaffen. Beseitigen, damit es nicht mehr im Fokus steht. Durchaus, das hat Charme.
Es gibt Dinge, die schaffen wir nicht weg. Die bekommen wir nicht aus unserer Mitte heraus: Der Fokus auf Verschuldung und Bankenkrise ist auch so ein Fall. Da werden noch andere Dinge auf uns zukommen, als bisher gedacht. Mich wundert, dass alle so still sind. Erste Verwerfungen allerdings sind zu erkennen. Ich meine, die Menschen rücken zusammen. So oder so.
Dennoch: wegschaffen - das wäre ein Stichwort.
Nicht verdrängen. Nicht unsichtbar machen. Sondern wirklich wegschaffen.
Das wäre etwas anderes. In den biblischen, archaischen Geschichten sieht es so aus: man stellt den Bock in die Mitte - und schafft damit Öffentlichkeit. Das ist bei uns nicht geschehen. Keiner ist in die Mitte gestellt worden, keiner da gewesen, der Verantwortung erklärt hätte oder auch nur die Bereitschaft, diese übernehmen zu wollen.
Stimmt, in der Bibel war das ein Schaf oder eine Ziege.
Hier gibt es weder Schaf noch Ziege. Hier gibt es nur noch Opfer. Zu denen zählen neuerdings auch die Hedgefonds Manaer, die Banker, die Führungskräfte. Wenn niemand da ist, der in die Wüste geschickt werden kann, bleibt die Tat unsichtbar. Unerkannt. Unbenannt. Vagabundierend durch die Gesellschaft.
Gut, die Lehmann Bros. Geschädigten zeigen sich. Doch das ist zu wenig. Das ist weder schaf noch Ziege. Nichts zum in die Wüste schicken. Wen - so lautet die heutige Frage - wen müssten wir heute öffentlich machen und in die Wüste schicken?
Es geht nicht um Schuld, damit wir uns klar verstehen. Es geht darum, die Schuld aus der Mitte zu schaffen. Man hat diesen Sündenbocktext immer unter der Prärogative der Schuld gelesen. Das ist falsch. Es geht darum, die Fixierung auf das Falsche aufzulösen dadurch, jemanden stellvertretend in die Wüste zu schicken. Daher geht es hier auch nicht um Betroffenheiten.
Geträumt habe ich ja immer schon - von einer Sündenbock Agentur. Das wäre es - auch in diesen Zeiten. Die Last von den Schultern zu nehmen, ohne Öffentlichkeit und Verantwortung leugnen zu müssen. Dass man sich endlich - endlich zu dem verhalten kann, was da angerichtet wurde. Erst wenn diese Relation wieder stimmt, kann man sicherer Schritte in die Zukunft gehen. Erst wenn dort gesagt ist, was gesagt werden muss - öffentlich, corum publico - dann kann auch der Bock geschickt werden.
Solange das nicht geschieht, bleibt die dumpfe Ahnung: Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist (Karl Valentin).
Also - was tun: eine "bad bank"?
Aber ja. Und nicht ohne jenen öffentlichen Akt,
der sich zeigen kann und zugleich entsorgt. Das waren wir.
Sollte man sagen können, in dem Moment, wo stellvertetend der andere in die Wüste geschickt wird. Damit man wirklich etwas aus der Mitte bekommt. Damit der Mensch wieder mehr sein kann als seine Probleme.
Entdeckungen möglich. Heute hier und jetzt.
Ecco homo - heißt es in der Passionsliturgie. Siehe, der Mensch.
Zeit, uns selber ansichtig zu werden.
Endlich. Und unausweichlich.
Warum also nicht?
Gründen wir eine Sündenbock Agentur für Führungskräfte.
Begeben wir uns tapfer in den schwierigen Raum zwischen Schuld und Anerkennung. Nicht um Beute zu machen, sondern um den Menschen zu sehen.
Nicht um fest zu halten, sondern um das Böse aus der Mitte zu schaffen. Das, was ungenannt vagabundiert als Angst zwischen uns wie ein Dieb in der Nacht.
Dazu sind wir alle nötig. Dazu ist Mut nötig.
Von allen. Mir und Dir und jenen,
die jetzt endlich reden müssen.
Heute und hier, damit das Morgen besser wird.
Für mich und Dich und die, die nach uns kommen.
Montag, April 06, 2009
Ostern übersetzen oder zu Ostern übersetzen
Nicht einfach mit diesem Fest, zumal wenn man es übersetzen sollte in alltägliches Tun und Arbeiten. Wenn es nicht fern bleibt oder zur Idylle verkommt. Als ich noch predigte - damals zu Uedem - habe ich einmal von der "Ermutigung für Hasenfüße" reden können, sich eben Ostern zu stellen und nicht weg zu laufen. Das war vor zwei Jahren.
Heute ist die Welt anders und doch mit derselben Herausforderung konfrontiert. Ich möchte heute, in der sog. Karwoche Ostern, dieses unvergleichliche Ereignis weder einebnen in die Alltag, noch konvertierbar machen mit der Masse der Ereignisse, die uns überströmen.
Daher ist die leidliche Frage der Übersetzung nicht die des Osterfestes selber, wie man also die Botschaft mundgerecht servieren mag, damit sie verdaulich bleibt und nicht aufstößt. Eigentlich ärgert es mich schon so lange, dass die Theologen in der Krise schweigen, dass kein Wort über ihre Lippen kommen denn das alte WeiterSo. Ich jedenfalls habe nicht viel erquickliches gehört dazu.
Vielleicht kann man Ostern nicht über setzen, sondern muss zu Ostern über setzen, wie ein Ausflug des Herzens. Dorthin, wo Freude ein Kennzeichen ist. Wo das Überwinden ein Markenzeichen wurde, sogar das Überwinden des Todes. Dass man diese Erfahrung von Verlust und Wiedersehen, die da Ostern an den Rändern beschreibt, doch endlich mal ernst nimmt.
Freude, so wurde gesagt, ist Ostern. Und es gibt diese Tradition des Osterlachens, dass man die Angst nun auslachen darf, den Tod verspotten. Dieses unerhörte Tun, das auch die eigenen Grenzen der Existenz sprengt und übersteigen darf: Nur Verrückte trauen sich das.
Genügen würde es mir heute, wenn der Himmel immer ein Stück offen bleiben kann. Für das Unverrechenbare. Die Freude, die sich wieder einstellen mag. Dass die Trauer gestillt wird im Wiedersehen dessen, der sich als lebendig zeigt.
Ich erinnere mich gut, wie ich vor Jahren in Taize war, es muss so 1977 gewesen sein, lange her, dass ich eine Woche Schweigen mit Frere Alois vereinbart hatte. Diese wunderbaren Spaziergänge durch blühende Landschaften, die alte Bruchsteinkirche von Taize, in der ich mich so gerne aufhielt und die Gottesdienste mit ihren Gesängen. Da wird man so schön durchlässig für das Schöne, dass sich obendrein noch für immer breit machen möchte in der Seele: Texte aus alten Zeiten, die einfließen. Infusionen von Hoffnung oder auch nur Berührtheiten.
Da dass ich nun als junger Eleve, als ein Mensch mit eigenem Gebrechen, und der Himmel ging ein Stück weit auf. Es war die Geschichte der weinenden Maria im Garten, die ihre Trauer ganz austragen darf, in Jesu neuer Gegenwart. Das ist so zärtzlich geschrieben, so flüssig gehalten - ein Testament des Menschen aus dem Johannes Evangelium. Geradezu so, dass Menschen bleiben und neu werden können - zugleich mit jenem Auferstandenen. Für mich kann ich tatsächlich sagen, dass ich weinte vor Rührung, davor dass das Vergehen nicht endgültig sein muss, dass es ein Wiedersehen hinter unserem Horizont geben kann - immer dort, wo der Himmel ein Stück offen bleibt für das Wunder.
Eben - immer ein Handbreit Himmel über der Seele.
Das tut gut. Das ist Ostern, wie ich es heute begreife.
Mehr brauche ich heute nicht.
Freitag, April 03, 2009
Wer bist Du? - Philosophische Brosamen
Ein Mann trat nach seinem Tode vor Gott hin und begehrte Einlass in das Paradies. Gott sah den Mann lächelnd an und begann ein Gespräch mit ihm.
"Wer bist Du?", fragte Gott den Mann.
"Ich bin Markus Schmidt.", antwortete dieser.
"Ich fragte nicht, wie Du heißt, sondern wer bist Du?", meinte Gott.
"Ich bin ein angesehener Manager eines internationalen Konzerns mit einem Jahreseinkommen über 160.000 Euro."
"Ich fragte nicht, was Dein Beruf ist und wie viel Du verdienst, sondern wer bist Du?", sagte Gott.
"Ich bin Vater von drei Kindern", erwiderte der Mann.
"Ich fragte nicht, wie viele Kinder Du hast, sondern wer bist Du?", meinte Gott.
"Ich bin ein verantwortungsvoller Mensch, der seine Ziele auch erreicht und zudem für seine Familie treusorgend und vergebend."
"Ich fragte nicht, welche Deiner Eigenschaften Dir gefallen, sondern wer bist Du?", sagte Gott.
Der Mann schwieg.
Nach einer Weile lächelte Gott und sagte: "Der bist Du."
Dienstag, März 31, 2009
Abschied der Alphatiere - oder wie mit der Krise umgehen
Man kennt sie nur zu gut. Sie sind es, die die Aufmerksamkeit unweigerlich auf sich ziehen. Sie füllen den Raum mit Präsenz. Kleine Menschen mit ihrer Wichtigkeit, - wie ein Herr Mehdorn - die Macht deklinieren können, auswendig und fast referenzfrei. Der Mangel an Zeit, so hörte ich letztlich, sei das Attribut von Managern. Etwas, was sie sich bei gelegt haben, um die eigene Wichtigkeit zu betonen. Manager haben keine Zeit, sie dürfen sie nicht haben. Zeit ist zum Habit geworden - ein Mangel - mehr nicht.
Aber: Wer keine Zeit hat, verpasst den Takt. So einfach kann es sein. Wer stets in den Spiegel schaut, fixiert sich selber und wird je länger je mehr handlungsunfähig.
Dieses Symptom ist bei Managern wie Politikern gleicher Maßen verbreitet. Jede Handlung muss erst mit dem eigenen Selbstbild in Übereinstimmung gebracht werden. Das ist aufwändig, das lähmt, das macht Entscheidungen träge und zäh.
Wie auf die Krise reagieren?
Eine gute Übung wäre, aus dem Spiegel zu treten. Das Selbstbild aufzugeben. Keine einfache Aufgabe - gewiss. Verlustängste kommen hoch. Wenn ich nicht der bin, zu dem ich mich gemacht habe - wer bin ich dann? Manager haben die Eigenart, wie Soufflees in sich zusammen zu brechen, wenn sie sich nicht mehr spiegeln können. Deswegen machen sie weiter, wo schon längst Grenzen überschritten sind. Deswegen können oder wollen sie kaum loslassen ... Veränderungen werden quälend langsam vollzogen, stets unter dem Diktat des MUSS.
Es ist erschreckend mit anzusehen, wie wenig Mensch manchmal da übrig bleibt: zu schnell gewachsen fehlt diesen Menschen wesentliche Erfahrungen. Scheitern - das wäre so eine notwendige, Krisen nötige Erfahrung. Erst sie bringt die Möglichkeit von Solidarität hervor. Die Kunst des Scheiterns bedeutet ja auch, sich genauer auf die anderen einlassen zu können. Hinzuhören statt besser zu wissen. Den Spiegel als Ort der Selbstvergewisserung zu verlassen und sich verbindlich mit anderen in Austausch zu begeben. Sich selber wieder ins Spiel zu bringen. Ausgang offen.
Fragt man Manager nach ihren Mustern von Scheitern, dann geht es meist um Positionen, die sie nicht erreicht haben, anstatt um Erfahrungen, die ihnen wichtig wurden, die sie veränderten, die sie neu ausgerichtet haben.
Es kann sein, es liegt auch generell am System der Reports und Zahlenliturgien, die da von der neuen Priesterkaste in den Unternehmen geleistet werden muss. Vorgaben von oben - statt Erfahrungen von unten. Das ergibt messdienende Manager. Die Glocke ertönt: die Wandlung von Arbeit in Gewinn und Bonuszahlung ist immer noch das faszinierende, ökonomische Wunder.
In einem solchen System kann man nicht erwachsen werden. Man kann nur nach oben kommen. Oder eben auch nicht. Alphatiere haben diesen Weg beschritten - konsequent und auch ohne Rücksicht auf die eigene Person. Den Preis, den sie dabei gezahlt haben, ist dennoch hoch. Er heißt Isolation und nach außen gepflegter Habit, statt Austausch und Solidarität. Soufflee Seelen. Ein Herr Mehdorn und Zumwinkel sind - außerhalb ihrer Spiegelwelt - sozial kaum mehr konvertierbar. Sie bleiben unter sich.
Schwere Fälle, könnte man meinen.
Schlimm genug. Aber nicht hoffnungslos.
Zeit zu lernen. Und bei sich selber anzufangen.
