Dienstag, Juni 09, 2009

Der Bauer geht

Opa Strucks zieht um. Der Nachbar und Bauer von nebenan zieht weg. Keine Kartoffeln mehr. Keine Hand, die morgens Rocco füttert. Kein Hallo, bist Du auch mal wieder da. Keine Eier, die man nebenan mal schnell kaufen könnte.

Sonntag Morgen Blues.

Gewiss, er hatte stark abgebaut. War alt geworden oder, wie man hier sagt "auf". Zu viel Arbeit in ein zu langes Leben gelegt. Wir dachten, das wird nicht mehr mit ihm. Weil es einfach nicht weiterging. Weil da so viel dagegen sprach.

Es war nicht lange her, dass wir ihn aufgehoben hatten. Damals, als er auf der Bank saß wie ein Denkmal gemeißelt. Opa Strucks, der Bauer vom Kuhdyck vor seinem Haus.

Dort, wo er geboren war.
Dort, wo er Zeit seines Lebens gearbeitet hatte.

Gut, der Hof – den gab es nicht mehr. Statt dessen stand dort ein Haus mit drei Reihenhäusern. Dort, wo sein Stall stand. Der mit den Schweinen. Aber es gab uns, die ihn auf gehoben haben. Als er so unsanft von der Bank rutschte. Und da lag. Einfach so.


Ein Bündel Mensch.
Eingeschlafen, abgekippt und hingefallen.
Wie so viele andere auch, die müde ob ihres Lebens sind.
Genug geschuftet. Genug gearbeitet. Genug gelebt.

Es hätte gut zu Ende gehen können.
Einfach so. Wie immer, wenn es geschieht.
Der Rollator in der Abendsonne.

Kartoffelverkauf, das blieb. Bis zuletzt.
Vom Sohn.
Vom neuen Aussiedlerhof.
Drei Kilometer weit weg. Auf offenem Feld.
Computer gesteuerte Ferkel Zucht mit Umweltzertifikat.

Das war nicht seines.
Was haben sie sich angeschrieen – damals.
Ein Echo zuletzt. Nachbarschaftliches Entsetzen.
Der Sohn draußen und der Vater um die Ecke – ohne Vieh.
Das zählte schon immer hier - am Niederrhein.
Und auch zuletzt.

So lag er da
So hoben wir ihn auf.

Ein Mensch .
Ein Bauer im Dreiklang mit sich selbst.
Wetter - Arbeit- Tiere. Mehr war da nicht
Und alles zugleich

Nun als nichts mehr ging,
wollten sie gehen. Weg von hier.
Diesem Haus, was ihm wie angezogen schien.

Unfassbar.

Gestern, so wurde berichtet, sei er mit Hund und Enkeltochter Sara in der Stadt gesehen worden. Sie holen ihn ins Leben zurück.

Einfach schön.
Der Bauer geht. Wieder.



Montag, Juni 01, 2009

Pfingsten ist nicht der Geburtstag der Kirche



In einem meiner Oberseminare in Heidelberg fragte ein von mir sehr geschätzter Professor den versammelten Nachwuchs der Theologen, was denn der Heilige Geist mache und niemand konnte eine Antwort finden. Peinliches Schweigen trat ein und hielt sich bleiern im Raum. "Es wird mir doch jemand sagen können, was der Heilige Geist mach - wozu haben Sie denn hier studiert?" Nein, es konnte oder traute sich niemand, auf eine so kompliziert einfache Frage eine Antwort zu geben. Dann ließ der Professor mit einem Mal die Hand flach auf den Tisch fallen, dass jeder, der auch nur den Ansatz von Schlaf in den Augen oder zwischen den Ohren entwickelt hatte, erschrocken auffuhr.


"Lebendig macht er!", sagte der Professor, höchstselbst amüsiert ob dieser Reaktion, "und weiter nichts."

Der Geburtstag der Kirche gehört somit zum klassisch infantilisierenden Reden einer Kirche, die sich selber als Lebenszweck genommen hat und mit dem, was ein jüdischer Wanderprediger dereinst sagte, nur noch wenig zu tun hat. Der Professor hat dabei noch recht, denn im Nicaenum, einem der ersten Glaubensbekenntnisse der Christenheit um326 n.Chr. wir der Heilige Geist mit Lebendigmachend - dsoopoioun - beschrieben, was - um ehrlich zu sein - eher eine weibliche Eigenschaft ist und all das Lebendig Machende, Lebensspendende in den Gottesbegriff einzutragen mag, was heute die Kirchen zugleich so ängstigt.

Wie sagte ein theologisch Gelehrter noch gleich: "Jesus predigte das Reich Gottes. Was dann kam, war die Kirche!"


Daher belassen wir es lächelnd wissend beim kindischen Kirchensteuertopf-Schlagen zum Geburtstag der Kirche, wohl wissen, dass denen die aus dem Geist geboren sind, die zweite Umittelbarkeit nicht als Infantilisierung erfahren müssen.

Aber so ist das nun mal mit den Institutionen. Auch sie müssen kämpfen, selbst wenn sie schon längst staatlich anerkannt und subventioniert werden.

Was ist OPEL dagegen?



Dienstag, Mai 26, 2009

Weil man schon ist, was andere werden müssen


Neulich fand sich in meinem E Mail Briefkasten folgende Einladung:


"Das Human Design System transformiert uns und bestärkt uns, unserer wahren Natur entsprechend zu leben. Dieses Seminar gibt Ihnen die Möglichkeit, erlebnisorientiert die Grundzüge Ihres Human Designs zu erfahren. Ich berücksichtige die Erkenntnisse der modernen Gehirnforschung und biete dieses Seminar entsprechend auf den Ebenen des Denkens, Handelns und Fühlens gleichzeitig an. Sie erleben in diesem Seminar, was es heißt, wirklich sich selbst zu leben und dadurch weniger Frustration, weniger Bitterkeit, weniger Zorn oder Enttäuschung zu haben. Kurz: Sie erschaffen sich ein Leben mit weniger Widerstand. Sie werden auf einer tieferen Ebene verstehen, wie und wo Sie konditioniert wurden und können Ihre De-Konditionierung verstärken. Auf diese Weise wird es leichter, Ihr wahres Selbst zu leben. Erleben Sie Ihre Einzigartigkeit! Das Living Design Seminar ist keine Ausbildung sondern dient der Selbsterfahrung."



Tatsächlich so geschrieben und ernst gemeint.

Schon immer habe ich mich gewundert, was sich alles so an Einladungen in meinem elektronischen Briefkasten bei XING findet. Man ist erstaunt und erschrocken zugleich und fühlt sich an Stücke der Berliner Schaubühne erinnert, in dem das Wort Gesicht konsequent durch soziales Display ersetzt wurde. Immerhin schon damals ein ironischer Fingerzeig zur Verrohung der Sprache.

Die Machbarkeit des Menschen und seiner Seele ist das, was mich nicht in Ruhe lässt. Wie kann man so etwas aus sich setzen und machen? Anstatt einander mit Respekt und Achtung zu begegnen, weil man schon ist, was andere stets werden müssen?

Das immerhin wäre eine gute, frohe Botschaft.
In turbulenten Zeiten. Immerhin.


Freitag, Mai 01, 2009

Maiunruhen oder Bowle - eine Replik zur laufenden Diskussion


Der Mai ist gekommen und alle halten still. Selbst die Frage, in Deutschland nun Unruhen drohen oder nicht, bleibt in sich stehen, bewegt nichts weiter, produziert die selben langweiligen Schlagzeilen. Es kommt mir vor, als hielten wir einen Moment den Atem an. Und wüssten noch nicht, wie es weiter geht.

Als Antwort tauglich fand ich folgende Stellungnahme von mir:

Ah ja, die Deutschen .... und der Maistreik

Die Deutschen machen unheimlich gerne Revolution
und brauchen keine Alliierten, die ihnen die Demokratie bringen. Sie schaffen es spielerisch, sich von Diktatoren zu befreien und auch nachhaltiges Wachstum in der Wirtschaft zu betreiben.

Sie schreiten gegen Waffenlieferungen ein und je erfolgreicher sie sich nach außen wenden, desto mehr begreifen sie die verhängnisvollen Folgen des eigenen Reichtums und der ungerechten Verteilung.

Ihr Fleiß gründet in einer ethischen Grundeinstellung der Arbeit gegen über und Werte wie der VW Käfer stehen noch immer für die ungebremste Lauftleistung ihrer Motivation. Die Idee mit Geld noch mehr Geld verdienen zu können, habe sie an der Schweizer Grenze empört zurück gewiesen, denn das könne schon gar nicht angehen.

Die Deutschen lieben es, mit Bausparverträgen zuerst das Haus des Nachbar finanzieren, im Vertrauen darauf, dann auch für sich einen sicheren Mitstreiter gefunden zu haben. Sehen dann in der Siedlung alle Häuser gleich aus, stört es den Deutschen nicht, sondern er nimmt es als Anlass zur Individualisierung und Ausprägung seines eigenen Vorgartencharakters.

Das Wort Krise ist ihm stets Anlass, erneut mit dem Sparen anzufangen - was das Sparen von Ideen und Investitionen mit einschließt. Er kann sich selber aushungern und durchaus nur von Kartoffeln ernähern, wenn es denn sein muss.

Braucht der Deutsche Geld, würde er es sich niemals leihen, auch nicht um selber mehr Rendite daraus zu machen. Schon gar nicht möchte er auf dem internationalen Markt tätig sein, weswegen er die Börse Frankfurt für ein lässliches, aber unvermeidliches Übel betrachtet.

Der Lieblingssatz aller Deutschen lautet daher: Vertraue mir
und: Das wird schon noch. Und zuletzt: Komm trink eine Bowle mit mir.

So überstehen wir die Krise. Und wenn nicht, kommen wir dennoch durch. Weil das haben wir immer geschafft, selbst damals, als es noch keinen Käfer gab.




Montag, April 27, 2009

Halbwegs über die Runden kommen oder wie mit der Krise umgehen


Die Zeitung hatten wir abbestellt. Weil ich sie einfach nicht mehr lesen und ertragen konnte. Nun haben sie mich wieder erwischt: eine Woche gratis, sagten sie und doch kostet es mich mehr als nötig ist.

Thyssen Krupp, so lese ich heute, möchte in sich zusammen fallen: Implodieren. Das heißt neuerdings: sich schlank aufstellen. Wie schön das klingt: schlank. Die Wirklichkeit ist anders: Sie bauen den Konzern komplett um, brechen Zusagen, wollen sich unbedingt die auf den Bodensatz des Geschäfts herab hungern.

Für mich beschreibt das die neue ökonomische Magersucht des Managements, der man fröhnt, um überhaupt wieder etwas Geschäft zu fühlen. Wie sehr müssen sie ins Rutschen gekommen sein - nach all den vielen Boom-Jahren mit Milliarden Gewinnen. Erinnert Euch, es war noch gestern.

Nun verspüren Sie Treibsand unter den Füssen. Unangehm und kaum auszuhalten. Da wächst zugleich das Bedürfnis, wieder fühlen zu können. Halbwegs zumindest. Für Manager, die solche Zeiten nicht kennen, ist das sicherlich eine Herausforderung. Unfassbar zumal.

Solches Verhalten kommt mir vor wie das von magersüchtigen Mädchen, die sich den Herausforderungen der Wirklichkeit verweigern - einfach indem sie nur auf sich selber schauen. Hier zwickt es und da - ist da nicht auch etwas zu viel? Und dabei betrachten sie ihren dürren Körper mit mürrischer Mine im Spiegel.

Lean management sagen sie heute dazu. Handlungsfähig wird man durch Verweigerung. (1) Und dann beten sie wieder diese Litanei der Kennzahlen herunter, suchen den richtigen Body Max Index eines erfolgreichen Unternehmens, dass sie selber nicht mehr steuern können. Versuchen in aller Hilflosgkeit sich halbwegs selber über Wasser zu halten - nicht aus innerer Haltung heraus, sondern von außen: bewerten, messen und in Zahlen paniert. Das Fazit ist jedoch vorab bekannt: Das Geschäft läuft nicht mehr.

Verräterisch genug heisst es nun, dass sie halbwegs über die Runden kommen möchten. Halbwegs - dieses Wort hat Zukunft bei der Halbierung des Umsatzes, bei der Halbierung der Haftung, für die man neuerdings sogar Bad Banks gründen darf. Tun wir die Hälfte einfach weg. Es wird schon niemandem auffallen.

Die faulen Kredite und toxischen Papiere? Weg damit. Das akutell schlechte Geschäft? Ein von Unternehmensberatern assistierter, chirugischer Eingriff und weg damit. Gut ist. So wie eine Zelle sich in Gefahr einfach teilt und weiter wachsen kann. So machen wir das jetzt auch.

Aber - was die Natur kann, können wir noch lange nicht.

Vor ein paar Tagen hatte ich eine Freundin zu Besuch. Sie arbeitet jetzt als Top Managerin für Restruktuierung bei einer international agierenden Unternehmensberatung. München - Schanhai - London - Paris. Sicher greift sie gut ab. Dennoch war sie nicht in der Lage, ein Eis zu spendieren oder auch nur ein Präsent mit zu bringen. Statt dessen stand ihr neues Volvo Cabrio vor der Türe.

Sie hat sich verändert.

In diesen kleinen Pausen zwischen einem Gespräch, dass halbwegs gelang, fühlte ich sie kaum mehr. Ihre Bedüfnisse. Ihre hintergründige Seite. Ihren Charme und Humor waren irgendwie verflogen. Halbwegs auf der Strecke geblieben. Fast kam ich mir vor wie im Zoo, als wolle sie mal sehen, wie es ist in einer Frauenbeziehung glücklich zu sein - auch wenn es für sie jetzt nicht in Frage käme.

Da zeigte sich ihre Magersucht. Sich das Glück und die Liebe zu verbieten, als müsse man den Preis für den Erfolg vorab bezahlen. Oder - als bliebe das Leben halbiert und könne sich erst später halbwegs mit sich versöhnen.

Es war merkwürdig: als Frauen liebende Frau wollte sie Karriere machen, schlief mit ihrem Chef und ging dann steil aufwärts. Mit jedem Headhunter surfte sie - immer "drei Etagen höher". Jetzt lässt sie alle nicht profitablen Zweige von Unternehmen schließen. Oder verkaufen, wenn noch möglich.

Wenigstens die Hälfte retten, sagte sie und kam mir selber schon so halbiert vor. So abgespalten. So emotional implodiert. Gefühle sterben so leise. Jetzt also ist sie eine Optimiererin und Resteverwerterin. Auf für ihr eigenes Leben.

Als ich sie fragte, ob es nicht auch denkbar wäre, ein Unternehmen eine gewisse Zeit in den roten Zahlen laufen zu lassen, bis denn die Konkurrenz umfalle - sagte sie: Das ist bei uns nicht vorgesehen. Wir rechnen nach internen Zahlen, was stimmt und was stimmt nicht.

Es wird daher doch geschehen: von der Innenschau geht es weiter bis zur Implosion ganzer Unternehmen. Einfach so, weil man nichts anderes kennt - weder Kunde noch Konkurrenz.

Halbierte Wahrnehmung geradezu. Effizient. Autistisch. Wo Fenster sein müssten, sind Spiegel angebracht. Das ist alles - mehr nicht.

Auch Thyssen Krupp plant jetzt die Halbierung: 50 TOP Manager wollen sie entlassen. Wobei die Frage bleibt: Wer sind denn sie?

Ich dagegen fühle gerne: auch die unangenehmen Dinge. Durchaus. Daher strecke ich beide Flügel aus: Fühlen und Handeln; Denken und Tun. Das Gute nie ohne das Schlechte. Denn das braucht es, um Spannweite zu haben und Höhe zu gewinnen.

Anders werden wir uns nicht erheben können.
Guten Flug wünsche ich da.

Halbwegs
zumindest.







_______________________
1. Ein Bekannter rief an und machte mich zugleich darauf aufmerksam, dass genau das zur Zeit bei den Banken passiere, die erst mal für sich sorgten und ihre schlanke Figur, als ihrer Aufgabe nach zu kommen, die Wirtschaft mit Kapital zu versorgen und vor allem: neues Vertrauen zu schaffen. Ein solches Verhalten würde geradezu als katastrophal empfunden, weil es das Gegenteil bewirkt.



Sonntag, April 19, 2009

Sieben mal sieben oder: Wie mit der Krise umgehen


Keine Generation darf für sich das Recht beanspruchen, ohne Krisen und Katastrophen durchs Leben zu gehen. Davon bin ich überzeugt. Wenn ich mal wieder eine Trauerrede halte, blicke ich oft weit in ein Leben zurück. Wie vorgestern noch. Manchmal auf eine Generation, die durch Krieg und Not gegangen ist. Flucht und Vertreibung erlebt hat. Da ist jeder Schritt einer ins Ungewisse. Noch lange ist nicht ausgemacht, was morgen sein wird.

Mich beeindruckt das, weil ich aus anderen Landen komme. 1959 geboren, eigentlich immer auf der besseren Seite, wenn da nicht etwas anderes wäre. Was hätte mir geschehen können?

Heute gehen wir allerdings anders damit um: Nichts darf mehr zusammen brechen. Wir müssen - auch das ist ein Fluch - alles behalten. Die Krise wird nicht angenommen, sondern in die Zukunft exportiert. Schulden und Geld stehen endlos zu Verfügung, denn Kind und Kindeskinder sollen es retten. Zahlen für das, was wir angerichtet haben.

Welch eine Arroganz.

Das ist der zweite, große Sündenfall - dass man nicht mehr bereit ist, die Konsequenzen des eigenen Handelns und Versagens zu nehmen. Dass man sich selber auf kosten der Kommenden ent-sorgt. Unfassbar.

Tun und Ergehen entkoppelt sich.Die böse Tat fällt auf andere zurück. Bloß keine Enteignung, schreien sie, und haben schon längst die nächste Generation um ihre Zukunft gebracht. Ohne zu fragen. Ohne es ihnen wirklich zu sagen.

Wichtiger wäre bei sich zu bleiben. Bei dem, was geschehen ist. Bei dem, was um uns passiert. Auf dass wir geben lernen, um bekommen zu können. Auf dass wir schenken, um endlich genug zu haben.

Auch auf dass wir lieben und um des Überflusses willen
uns selber geben. Mit Haut und Haar.

Sieben mal sieben
wäre noch lange
nicht genug.



- Gedanken einer entlaufenen Pastorin am Sonntag Quasimodogeniti, was so viel heißt: wie die neu geborenen Kinder, wo ich immer gerne gepredigt habe -




Samstag, April 18, 2009

Tee trinken oder: Wie mit der Krise umgehen?


Vergiftete Äpfel wie damals im Märchen gibt es nicht mehr. Das Wort "toxisch" hat
dennoch Konjunktur. Wer Dioxine mit Dosenfutter vermischt, darf sich nicht wundern, dass das Finanzsystem auf den Hund kommt - wie geschehen.

Der Generation des Nehmens, der Bereicherung sollte eine neue Kultur blühen. Unvorstellbar, erst einmal selber zu geben? Sich nützlich zu machen mit Beiträgen, die erst mal anderen nutzen, nicht mir. Im Lande der Zocker hat man immer alles veräußert und verkauft: sich selber und die eigene Zukunft zuletzt.

Damit ist jetzt Schluss. Trotz
allem aber brauchen wir echte Zutaten zum Leben: Kein ohne Verantwortung. Kein wahrer Gewinn ohne Solidarität. Kein Haben ohne Danke.

Entscheidend wird daher sein, was wir dem Leben geben,
denn - das gibt es siebenfach zurück.


"Dein Tee schmeckt immer so besonders!" sagte man mir. "Was ist darin?" Die Antwort war einfach: "Tu einfach zwei Löffel Sehnsucht dazu!"



Sonntag, April 12, 2009

Ostersuche - ein Zwischenruf


"Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?" ist einer der klassische Sätze der Osterbotschaft. Das ist eine ungeheure Ansage für Trauernde, die in der Trauer die Verbindung zu Jesus ja halten wollen. Eine ungeheuerliche Aussage auch für Menschen, die nur den Ablauf des Lebens kennen: Ein Das reiht sich an ein Was und ein weiteres Das. Ein Tag an den anderen laufen wir zu bis zum Tode.

Der Lebenslauf wird so zum Lebens"ab"lauf. Zeit zu einem besonderen Gut, dass der Angst abgetrotzt ist. Die Uhr tickt und wir schaffen es immer noch nicht, eine neue Qualität ins Leben zu bringen. Immer weiter so, suggeriert uns die Zeit, auf dass wir Güter und Gelder sammeln, uns gegen die Angst zu wappnen.

Es ist die Angst, irgendwann nicht mehr da zu sein. Und auch die Angst, nichts mit diesem Leben bewirkt zu haben, als es ablaufen zu lassen. Man sagt, sterbende Menschen würden - bevor sie ganz von uns gehen - noch einmal ihr Leben wie in Zeitraffer vor Augen sehen können. Ich weiss nicht, ob das stimmt oder nicht, aber ich stelle es mir schlimm vor, wenn da keine besonderen Etappen bei gewesen wären. Wenn das Leben sich nicht drehen und wenden durfte, nicht durch Angst und Anfechtung hindurch musste.

"Was suchet ihr den Lebendinge bei den Toten? Er ist auferstanden, er ist nicht hier!" Eine frohe Botschaft ist das für die, die immer an der falschen Stelle suchen. Den Lebenssinn dort, wo man materielle Güter anhäuft. Die Erfüllung dort, wo man selber haben möchte, wo der eigene Mangel herrscht. Menschen haben seit Ostern schon mal die Eigenart, stets an der falschen Stelle zu sein.

Ich denke an einen Klienten, der immer noch auf die Anerkennung wartet, die sein Vater zeitlebens ihm vorenthielt. Schon damals als Kind und heute erst recht. Oder die Klientin, die meint, Liebe käme zuerst ihr selber zu gute und wäre nicht etwas, was zuvor selber zu verschwenden und zu geben ist. Oder an die Magersüchtige, die aushält und harrt, um in grotesker Weise zu sagen, dass sie auch noch da ist und die Welt aus den Angeln heben kann. Ich habe selten mächtigere Menschen erlebt als die, die sich verweigern.

Der Lebenige, also Ostern, ruft uns heraus aus solchen ungesunden Bindungen. An die Bindung zur einfach nur ablaufenden Zeit - wir könne und sollen ein volles Leben führen, nicht nur eines, das abläuft und ein Ereignis an das andere reiht. Da ruft uns der Glaube heraus: Es gibt mehr als ein Das und ein Was. Es gibt ein Wie und Warum. Eine volle Zeit, ein Glück mitten in der Zeit - schon jetzt. Auch wenn wir sterben werden. Auch wenn wir nicht ewig leben und gerade darum - erst recht.

Und der Lebendige stellt uns in ein neues Beziehungsgeflecht. Das Lebenige, das Nährende, das Wohltuende kommt in den Blick. Wir müssen nicht mehr warten auf das, was wie nie bekommen werden. Wir müssen nicht mehr ausharren dort, wo wir nichts erwarten können. Nicht von außen kommt der Trost, die Anerkennung, der Status. Die Seele wächst von innen, wo sie selber eine Freundschaft eingegangen ist mit dem, der uns ins Leben ruft.

"Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?"

Gute Frage, sage ich immer noch und ertappe mich selber schon wieder dabei, den alten Mustern nach zu geben. Es ist ja so bequem. Dennoch: der Wechsel ist vollzogen. Bleibt noch die Frage, warum nicht auch bei mir.

Gehen wir also von den toten Orten der Enttäuschung weg dort hin, wo das Leben zu finden ist. Das ist ein Weg - sonst nichts. Zuletzt heißt es daher auch, dass der Auferstandene voran gegangen sei und erst so macht es Sinn, von Nachfolge wirklich zu reden.

Weg von den alten Platzanweisungen hin zu den neuen Wegen.
Den eigenen. Endlich. Anders als erwartet. Frei, weil befreit von einer unendliche Last, die wir uns selber auferlegt haben. Mit dem, was wir bisher voneinander dachten. Mit dem, wie wir uns bisher bewertet haben. Mit dem, was bisher Anerkennung fand in unserer Mitte.

Dort ist der Auferstandene nicht mehr zu finden.
Und das ist gut so. Sag ich.




Donnerstag, April 09, 2009

Gründung einer Sündenbock Agentur - oder wie mit der Krise umgehen


Interessant: Inzwischen überlegt man hier und da eine "bad bank" anzulegen. Eine, wo die ganzen toxischen Wertpapiere zwischen gelagert werden sollen, damit die wieder stimmen. Auslagerung sozusagen. So tun, als ob nichts geschehen ist.

Das System ist bekannt und eigentlich uralt. Es ist der Sündebock, der aus der Mitte der Gesellschaft in die Wüste geschickt wird: Asahel. Der, der seinen Dienst aufnimmt und damit die Schuld und alles, was damit verbunden ist. Wir kennen das als altes, rudimentäres System. Als etwas, das überwunden galt. Ist es nicht.

Wer etwas in der Bibel lesen kann, ist schlauer: Dort steht: ... um das Böse, was in deiner Mitte ist, weg zu schaffen. Eine gute Idee! Etwas weg zu schaffen. Beseitigen, damit es nicht mehr im Fokus steht. Durchaus, das hat Charme.

Es gibt Dinge, die schaffen wir nicht weg. Die bekommen wir nicht aus unserer Mitte heraus: Der Fokus auf Verschuldung und Bankenkrise ist auch so ein Fall. Da werden noch andere Dinge auf uns zukommen, als bisher gedacht. Mich wundert, dass alle so still sind. Erste Verwerfungen allerdings sind zu erkennen. Ich meine, die Menschen rücken zusammen. So oder so.

Dennoch: wegschaffen - das wäre ein Stichwort.
Nicht verdrängen. Nicht unsichtbar machen. Sondern wirklich wegschaffen.

Das wäre etwas anderes. In den biblischen, archaischen Geschichten sieht es so aus: man stellt den Bock in die Mitte - und schafft damit Öffentlichkeit. Das ist bei uns nicht geschehen. Keiner ist in die Mitte gestellt worden, keiner da gewesen, der Verantwortung erklärt hätte oder auch nur die Bereitschaft, diese übernehmen zu wollen.

Stimmt, in der Bibel war das ein Schaf oder eine Ziege.

Hier gibt es weder Schaf noch Ziege. Hier gibt es nur noch Opfer. Zu denen zählen neuerdings auch die Hedgefonds Manaer, die Banker, die Führungskräfte. Wenn niemand da ist, der in die Wüste geschickt werden kann, bleibt die Tat unsichtbar. Unerkannt. Unbenannt. Vagabundierend durch die Gesellschaft.

Gut, die Lehmann Bros. Geschädigten zeigen sich. Doch das ist zu wenig. Das ist weder schaf noch Ziege. Nichts zum in die Wüste schicken. Wen - so lautet die heutige Frage - wen müssten wir heute öffentlich machen und in die Wüste schicken?

Es geht nicht um Schuld, damit wir uns klar verstehen. Es geht darum, die Schuld aus der Mitte zu schaffen. Man hat diesen Sündenbocktext immer unter der Prärogative der Schuld gelesen. Das ist falsch. Es geht darum, die Fixierung auf das Falsche aufzulösen dadurch, jemanden stellvertretend in die Wüste zu schicken. Daher geht es hier auch nicht um Betroffenheiten.

Geträumt habe ich ja immer schon - von einer Sündenbock Agentur. Das wäre es - auch in diesen Zeiten. Die Last von den Schultern zu nehmen, ohne Öffentlichkeit und Verantwortung leugnen zu müssen. Dass man sich endlich - endlich zu dem verhalten kann, was da angerichtet wurde. Erst wenn diese Relation wieder stimmt, kann man sicherer Schritte in die Zukunft gehen. Erst wenn dort gesagt ist, was gesagt werden muss - öffentlich, corum publico - dann kann auch der Bock geschickt werden.

Solange das nicht geschieht, bleibt die dumpfe Ahnung: Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist (Karl Valentin).

Also - was tun: eine "bad bank"?
Aber ja. Und nicht ohne jenen öffentlichen Akt,
der sich zeigen kann und zugleich entsorgt. Das waren wir.
Sollte man sagen können, in dem Moment, wo stellvertetend der andere in die Wüste geschickt wird. Damit man wirklich etwas aus der Mitte bekommt. Damit der Mensch wieder mehr sein kann als seine Probleme.

Entdeckungen möglich. Heute hier und jetzt.

Ecco homo - heißt es in der Passionsliturgie. Siehe, der Mensch.
Zeit, uns selber ansichtig zu werden.

Endlich. Und unausweichlich.
Warum also nicht?

Gründen wir eine Sündenbock Agentur für Führungskräfte.

Begeben wir uns tapfer in den schwierigen Raum zwischen Schuld und Anerkennung. Nicht um Beute zu machen, sondern um den Menschen zu sehen.
Nicht um fest zu halten, sondern um das Böse aus der Mitte zu schaffen. Das, was ungenannt vagabundiert als Angst zwischen uns wie ein Dieb in der Nacht.

Dazu sind wir alle nötig. Dazu ist Mut nötig.
Von allen. Mir und Dir und jenen,
die jetzt endlich reden müssen.

Heute und hier, damit das Morgen besser wird.
Für mich und Dich und die, die nach uns kommen.

Montag, April 06, 2009

Ostern übersetzen oder zu Ostern übersetzen


Nicht einfach mit diesem Fest, zumal wenn man es übersetzen sollte in alltägliches Tun und Arbeiten. Wenn es nicht fern bleibt oder zur Idylle verkommt. Als ich noch predigte - damals zu Uedem - habe ich einmal von der "Ermutigung für Hasenfüße" reden können, sich eben Ostern zu stellen und nicht weg zu laufen. Das war vor zwei Jahren.

Heute ist die Welt anders und doch mit derselben Herausforderung konfrontiert. Ich möchte heute, in der sog. Karwoche Ostern, dieses unvergleichliche Ereignis weder einebnen in die Alltag, noch konvertierbar machen mit der Masse der Ereignisse, die uns überströmen.

Daher ist die leidliche Frage der Übersetzung nicht die des Osterfestes selber, wie man also die Botschaft mundgerecht servieren mag, damit sie verdaulich bleibt und nicht aufstößt. Eigentlich ärgert es mich schon so lange, dass die Theologen in der Krise schweigen, dass kein Wort über ihre Lippen kommen denn das alte WeiterSo. Ich jedenfalls habe nicht viel erquickliches gehört dazu.

Vielleicht kann man Ostern nicht über setzen, sondern muss zu Ostern über setzen, wie ein Ausflug des Herzens. Dorthin, wo Freude ein Kennzeichen ist. Wo das Überwinden ein Markenzeichen wurde, sogar das Überwinden des Todes. Dass man diese Erfahrung von Verlust und Wiedersehen, die da Ostern an den Rändern beschreibt, doch endlich mal ernst nimmt.

Freude, so wurde gesagt, ist Ostern. Und es gibt diese Tradition des Osterlachens, dass man die Angst nun auslachen darf, den Tod verspotten. Dieses unerhörte Tun, das auch die eigenen Grenzen der Existenz sprengt und übersteigen darf: Nur Verrückte trauen sich das.

Genügen würde es mir heute, wenn der Himmel immer ein Stück offen bleiben kann. Für das Unverrechenbare. Die Freude, die sich wieder einstellen mag. Dass die Trauer gestillt wird im Wiedersehen dessen, der sich als lebendig zeigt.

Ich erinnere mich gut, wie ich vor Jahren in Taize war, es muss so 1977 gewesen sein, lange her, dass ich eine Woche Schweigen mit Frere Alois vereinbart hatte. Diese wunderbaren Spaziergänge durch blühende Landschaften, die alte Bruchsteinkirche von Taize, in der ich mich so gerne aufhielt und die Gottesdienste mit ihren Gesängen. Da wird man so schön durchlässig für das Schöne, dass sich obendrein noch für immer breit machen möchte in der Seele: Texte aus alten Zeiten, die einfließen. Infusionen von Hoffnung oder auch nur Berührtheiten.

Da dass ich nun als junger Eleve, als ein Mensch mit eigenem Gebrechen, und der Himmel ging ein Stück weit auf. Es war die Geschichte der weinenden Maria im Garten, die ihre Trauer ganz austragen darf, in Jesu neuer Gegenwart. Das ist so zärtzlich geschrieben, so flüssig gehalten - ein Testament des Menschen aus dem Johannes Evangelium. Geradezu so, dass Menschen bleiben und neu werden können - zugleich mit jenem Auferstandenen. Für mich kann ich tatsächlich sagen, dass ich weinte vor Rührung, davor dass das Vergehen nicht endgültig sein muss, dass es ein Wiedersehen hinter unserem Horizont geben kann - immer dort, wo der Himmel ein Stück offen bleibt für das Wunder.

Eben - immer ein Handbreit Himmel über der Seele.

Das tut gut. Das ist Ostern, wie ich es heute begreife.
Mehr brauche ich heute nicht.


Freitag, April 03, 2009

Wer bist Du? - Philosophische Brosamen



Ein Mann trat nach seinem Tode vor Gott hin und begehrte Einlass in das Paradies. Gott sah den Mann lächelnd an und begann ein Gespräch mit ihm.

"Wer bist Du?", fragte Gott den Mann.

"Ich bin Markus Schmidt.", antwortete dieser.

"Ich fragte nicht, wie Du heißt, sondern wer bist Du?", meinte Gott.

"Ich bin ein angesehener Manager eines internationalen Konzerns mit einem Jahreseinkommen über 160.000 Euro."

"Ich fragte nicht, was Dein Beruf ist und wie viel Du verdienst, sondern wer bist Du?", sagte Gott.

"Ich bin Vater von drei Kindern", erwiderte der Mann.

"Ich fragte nicht, wie viele Kinder Du hast, sondern wer bist Du?", meinte Gott.

"Ich bin ein verantwortungsvoller Mensch, der seine Ziele auch erreicht und zudem für seine Familie treusorgend und vergebend."

"Ich fragte nicht, welche Deiner Eigenschaften Dir gefallen, sondern wer bist Du?", sagte Gott.

Der Mann schwieg.

Nach einer Weile lächelte Gott und sagte: "Der bist Du."



Dienstag, März 31, 2009

Abschied der Alphatiere - oder wie mit der Krise umgehen


Man kennt sie nur zu gut. Sie sind es, die die Aufmerksamkeit unweigerlich auf sich ziehen. Sie füllen den Raum mit Präsenz. Kleine Menschen mit ihrer Wichtigkeit, - wie ein Herr Mehdorn - die Macht deklinieren können, auswendig und fast referenzfrei. Der Mangel an Zeit, so hörte ich letztlich, sei das Attribut von Managern. Etwas, was sie sich bei gelegt haben, um die eigene Wichtigkeit zu betonen. Manager haben keine Zeit, sie dürfen sie nicht haben. Zeit ist zum Habit geworden - ein Mangel - mehr nicht.

Aber: Wer keine Zeit hat, verpasst den Takt. So einfach kann es sein. Wer stets in den Spiegel schaut, fixiert sich selber und wird je länger je mehr handlungsunfähig.

Dieses Symptom ist bei Managern wie Politikern gleicher Maßen verbreitet. Jede Handlung muss erst mit dem eigenen Selbstbild in Übereinstimmung gebracht werden. Das ist aufwändig, das lähmt, das macht Entscheidungen träge und zäh.

Wie auf die Krise reagieren?

Eine gute Übung wäre, aus dem Spiegel zu treten. Das Selbstbild aufzugeben. Keine einfache Aufgabe - gewiss. Verlustängste kommen hoch. Wenn ich nicht der bin, zu dem ich mich gemacht habe - wer bin ich dann? Manager haben die Eigenart, wie Soufflees in sich zusammen zu brechen, wenn sie sich nicht mehr spiegeln können. Deswegen machen sie weiter, wo schon längst Grenzen überschritten sind. Deswegen können oder wollen sie kaum loslassen ... Veränderungen werden quälend langsam vollzogen, stets unter dem Diktat des MUSS.

Es ist erschreckend mit anzusehen, wie wenig Mensch manchmal da übrig bleibt: zu schnell gewachsen fehlt diesen Menschen wesentliche Erfahrungen. Scheitern - das wäre so eine notwendige, Krisen nötige Erfahrung. Erst sie bringt die Möglichkeit von Solidarität hervor. Die Kunst des Scheiterns bedeutet ja auch, sich genauer auf die anderen einlassen zu können. Hinzuhören statt besser zu wissen. Den Spiegel als Ort der Selbstvergewisserung zu verlassen und sich verbindlich mit anderen in Austausch zu begeben. Sich selber wieder ins Spiel zu bringen. Ausgang offen.

Fragt man Manager nach ihren Mustern von Scheitern, dann geht es meist um Positionen, die sie nicht erreicht haben, anstatt um Erfahrungen, die ihnen wichtig wurden, die sie veränderten, die sie neu ausgerichtet haben.

Es kann sein, es liegt auch generell am System der Reports und Zahlenliturgien, die da von der neuen Priesterkaste in den Unternehmen geleistet werden muss. Vorgaben von oben - statt Erfahrungen von unten. Das ergibt messdienende Manager. Die Glocke ertönt: die Wandlung von Arbeit in Gewinn und Bonuszahlung ist immer noch das faszinierende, ökonomische Wunder.

In einem solchen System kann man nicht erwachsen werden. Man kann nur nach oben kommen. Oder eben auch nicht. Alphatiere haben diesen Weg beschritten - konsequent und auch ohne Rücksicht auf die eigene Person. Den Preis, den sie dabei gezahlt haben, ist dennoch hoch. Er heißt Isolation und nach außen gepflegter Habit, statt Austausch und Solidarität. Soufflee Seelen. Ein Herr Mehdorn und Zumwinkel sind - außerhalb ihrer Spiegelwelt - sozial kaum mehr konvertierbar. Sie bleiben unter sich.

Schwere Fälle, könnte man meinen.
Schlimm genug. Aber nicht hoffnungslos.

Zeit zu lernen. Und bei sich selber anzufangen.





Donnerstag, März 26, 2009

Von Wertschätzung - oder wie mit der Krise umgehen?


Es war nicht immer so, dass Dinge in meinem Besitz wertvoll sind. Viele Sachen habe ich besessen und weg geworfen, andere - fast wertlose - werde ich mein Leben lang nicht vergessen: Da ist der kleine, braune Kaffeelöffel, den ich geschenkt bekam, als mein Uropa eine Etage über uns starb. Ein Löffel, mit dem ich nicht im Kakao rühren konnte, weil er so tief war. Ich hielt ihn lange in der Hand, ohne doch heraus zu bekommen, wozu er denn gut war. Wie sollte ich das als vierjähriges Kind auch wissen. Dennoch - es war der wertvollste Löffel, den ich in meinem Leben besessen hatte und so kam er in mein geheimes Versteck im Garten, dort wo niemand von ihm wusste. Ein Schatz der Erinnerung.

In Zeiten der Krise kommen Werte ins Rutschen und dabei meine ich ganz konkret materielle Werte, nicht jene die nun inflationär beschworen werden. Dieser Löffel da war mir wertvoll. Andere Dinge eben nicht. In einer Gesellschaft, die auf Konsum oder besser gesagt Werteverfall konditioniert wird, haben solche Löffel eine antizyklische Bedeutung. Sie mahnen daran, Werte nicht an Zahlen zu binden, sondern sie noch einmal in die Hand nehmen und neu zu betrachten.

Ich glaube, das wäre eine gute Übung in diesen Zeiten: Dinge noch einmal in die Hand zu nehmen wie bei einem Umzug. Denn da habe ich das auch gemacht: Diese Vase dort oder jenes Glas - brauche ich es noch, brauche ich es nicht. Ist es wertvoll. Beständig für die nächsten Jahre.

Ja, wir ziehen um in eine Landschaft, die wir noch nicht kennen. Und da muss man die eigenen Ressourcen im Griff haben, sich von Überflüssigem entledigt haben. Der Blick auf die Dinge ändert sich. Besitz als Anhäufen von Gütern wird zum Hindernis. Leicht wollen wir werden, mobil - um der Zukunft gegenüber gewappnet zu sein. Und dazu ist es nötig, sich von Überfluss zu trennen.

Die Dinge neu ansehen, sie noch einmal in die Hand nehmen, bereit sein, ihrer Geschichte und ihrem Nutzen nach zu spüren - das wäre jetzt angesagt. Erste Trennungsgeschichten vom Überfluss, der sich so nicht mehr wiederholen wird. Zwar spekulieren alle darauf, aber wir können sicher sein, dass die Zeiten der Hochkonjunktur endgültig vorbei sind. Nein, der Zyklus birgt uns nicht mehr. Auch nicht der Zyklus der Wirtschaft.

Es wäre ja das mütterliche Prinzip, das weiblich-zyklische, das uns wirtschaftlich für eine Zeit in Gefahr sieht, dann wieder im Aufschwung. Irgendwann wird die Wirtschaft doch wieder anspringen, sagen sie und spüren doch genau, dass ein komplettes System versagt hat. Glauben mögen wir es wohl, müssen wir es fast, um das Undenkbare nicht zuzulassen: denn offensichtlich geht es nicht mehr weiter so, dass aus Überfluss sich noch mehr Überfluss speisen kann.

Die Dinge an und für sich sind schon lange entwertet. Ein Messer. Ein Löffel. Das reichte im Mittelalter. Der Löffel wurde um den Hals gebunden, damit man ihn als überlebenswichtiges Werkzeug nicht verlor. Den Löffel abzugeben, das war dann wirklich das Ende eines Lebens. Heute liegen drei Bestecke in den Schubladen. Meine Mutter hatte vor Jahren die Aussteuer eingetauscht - auf diesen Hamsterfahrten an den Niederrhein, wo es für Damastbezüge ein Kilo Kartoffeln gab.

Was ist wertvoll? Was kann ich mitnehmen? Welche Dinge taugen noch zur Reise, die uns bevorsteht? Ich denke, wenn wir die Dinge um uns herum wert schätzen, sie in die Hand nehmen, neu ansehen, werden wir eine neue Einstellung bekommen. Nicht Weiter so! sondern anders, wäre dann die Lösung. Nicht dem Zuviel ein Nochmehr hinterher zu werfen, sondern das, was man dann hat, wert zu schätzen.

Es gibt Dinge, die möchte ich nicht hergeben. Andere entpuppen sich als schierer Überfluss. Zu viele Kugelschreiber zum Beispiel. Wissen Sie noch, womit Sie schreiben? Meinen Füllfederhalter aus der Schule kann ich noch heute beschreiben: es war ein grüner Geha, mit umgekehrter Patrone, was ich besonders klasse fand. Er kleckste immer etwas, da ihn vor mir jemand anders benutzt hatte und wenn ich mich auf die Suche begebe, werde ich ihn auch wieder finden.

Ich bin mir sicher, ich habe ihn nicht weg geworfen.
Und klar: er schreibt auch heute noch.

Das ist, was wir brauchen: Mehr von den brauchbaren Dingen. Wertschätzung für das, was wir haben, statt Bedarf nach Neuem zu wecken. Ich denke, das wäre ein sinnvolles Unterfangen, antizyklisch gewiss, aber sich selber vergewissernd.

Biblisch gesprochen soll man die Lenden umgürtet haben, bereit sein für den Aufbruch, für Veränderung, die wir heute nicht ahnen können. Darin ist die Bibel so unendlich weise, dass wir uns verhalten können nach dem, was wir noch nicht wissen. Diese Bereitschaft wäre hete eine wertschätzende Präsenz, nicht nur Menschen, sondern auch den eigenen Dingen gegenüber, die uns umgeben. Alltägliche und kleine Sachen, die uns begleiten.

Wie ein Kaffeelöffel, ein Füller oder anderen Dinge. Abwrackprämien dagegen sind Wert verachtende und Wert vernichtende Untaten. Systembedingter Unsinn.

Zeit, damit aufzuhören.


Mittwoch, März 25, 2009

Zwischenruf


Mir heute aus der Tastatur geflossen:


Vorurteile muss man bis zum Erweis des Gegenteils pfleglich behandeln.

Dem ist nichts weiter hinzu zu fügen. Allenfalls ein Zitat der zeitlebens aufdringlichen Dichterin Else Lasker-Schüler, die dereinst behauptete: "Gut seine Feinde zu kennen, selbst wenn man sie erfinden muss!"

Enfant terrible und tatsächlich meine "mentale" Ziehmutter - aber das ist eine andere Geschichte. Erinnert mich bitte daran, von ihr, dem Cafe Odeon, Wuppertal und der Buchhandlung Dr. Oprecht mal zu schreiben.

Dienstag, März 24, 2009

Going blind - oder wie mit der Krise umgehen?


Immer noch finde ich in den Themen diverser Foren auf Xing.de klassische Durchhalte Parolen: "Mit Optimismus die Krise angehen". Als ob alles der eigenen, inneren Einstellung geschuldet sei. Und es eines trotzigen "Jetzt erst recht!" bedarf. Als ob man nur die Ärmel aufkrempeln müsse, die inneren und äußeren, um wieder da zu sein, wo man vormals mal war.

Das wird nicht geschehen. Das wird gar nicht geschehen, dass wir wieder dorthin kommen, wo wir einmal waren. Und das ist gut so. Denn festhalten müssen wir: Auch das Finanzwesen hat einen "hydrologischen Bruch" erfahren. Unvorstellbare Massen an Geld und Finanzmittel wurden bewegt und so manche Existenz, so manches Haus ist dadurch ins Rutschen gekommen. Noch ist gar nicht klar, wo wir damit hinkommen werden.

Erst langsamt setzt sich die träge Masse in Bewegung und wir ahnen: Kurzarbeit wird kein vorübergehendes Mittel sein, um den dortigen Prozessen dauerhaft begegnen zu können. Entlassungen - das unschöne Wort, geistert durch die Poren der Belegschaft.

Wen wird es treffen? Wen nicht? Gewinner - Verlierer. Das wird es so nicht mehr geben können. Die Aufteilung in einen Arbeitsmarkt, der noch funktioniert und einer Menge alimentierter Arbeitsloser wird je länger je mehr nicht mehr funktionieren können. Die De-Solidarisierung, die wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben, ist an ihr Ende gekommen.

Alle werden betroffen sein.
So oder so. Keine Flucht möglich.
Wir werden sehen.

Möglich war es nur, weil man die Zukunft verzockt hat. Preise und Kurse entwickelten sich nicht am Realwert, sondern am hypothetischen Wert in einer noch unbekannten Zukunft. Diese meinte man mit Gewinn schon heute in Zahlen verrechnen zu können. Dieser Finanzmarkt war eine inverse Eschatologie, die Zukunft nicht gelten ließ, wo sie nicht monetär schon heute konvertierbar wurde.

Das gute Ende vorausnehmend, zahlte man Preise, die morgen erst sich einstellen mussten. Zukunft wurde zum Grundstoff aller Spekulationen. Und - Vertrauen. Denn ein solches System funktioniert nur, wenn andere bereit sind, darauf Wetten zu tätigen. Wenn sie vertrauen auf das, was sie dort tun. Wissen dagegen war entbehrlich.

Inzwischen sind beide Grundstoffe redlich verbraucht.

Die Zukunft schrumpft nun in die Gegenwart zusammen. Das Wort vom Überleben gewinnt an Gewicht. Während früher allenfalls Gewinnstrategien denkbar waren, geht es heute mehr und mehr ums Überleben. Das des Individuums, das eines Unternehmens, aber wohl doch viel mehr der ganzen Gesellschaft.

Werden wir morgen noch so leben können, wie wir es heute tun?

Ein Gutes hat diese Krise ja: Die Ritter der Zukunft kehren geschlagen zurück. Die Schlachten sind allesamt verloren. Die Zukunft bleibt erst mal verzockt, das Vertrauen verspielt. Jetzt muss der Staat ausrücken, um das Heute gerade noch zur retten.

Das Morgen wird unsicher.
Der Puls wird spürbarer.

Das Heute bekommt eine andere, drängendere Bedeutung. Es ist, als würde Adrenalin in die Adern schießen und die Menschen langsam erwachten. Als wäre das Wort "Überleben", was man allenfalls für die Hungerkatastrophen Afrikas noch gelten lassen wollte, nach Deutschland zurück gekehrt.

Dieser Zustand langsamen Erwachsens kann man durchaus begrüßen. Aber es ist nicht ausgemacht, wohin es damit geht. Es wird nur klappen, wenn man die Gegenwart und damit auch den Nachbarn neu wert schätzen lernt. Solidarität wird ein Schlüsselwort des Kommenden werden - dass man hier und jetzt lernt, das Vorhandene zu teilen. Dass man stehen bleibt und das Heute zulässt, anstatt es schon wieder in Zukunft zu transformieren.

Ich persönlich sehe gute Ansätze dazu, der Krise anders zu begegnen als mit Apellen und einen trotzigen Weiter So. Das blinde Ausgreifen auf eine Zukunft, die so nie geschehen wird, hat bald aufgehört.

Die Zeit kehrt ins Heute zurück.
Und macht sie voller denn je.

Wert - voller.



Donnerstag, März 12, 2009

Gestern sah ich sie wieder ...


Man kennt es: Aus den Augenwinkeln sieht man ein Bild, flüchtig bevor man den Blinker setzt und abbiegt. So ist es mir gestern ergangen, mal wieder und doch blieb dieses Bild länger - fast einen Moment still stehen.

Denn
Da war sie wieder.
Dieser Frau mit den grauen Haaren.
Der roten Wetterjacke und den Sportschuhen.

Ich hatte sie schon ein paar Mal gesehen, eher beiläufig aber dennoch. Was alles sieht man und sieht es doch nicht? Das Auge und unsere Wahrnehmung selektiert und das ist auch gut so, sonst könnten wir die Unmenge an Eindrücken nicht verarbeiten. Ein gut funktionierendes Gehirn zeichnet sich daher durch diese Leistung aus: Informationen so bereit zu stellen, dass sie zu verarbeiten sind. Das gilt für viele Phänomene.

Ein Klient bei mir zum Beispiel konnte das nicht leisten. Jedes Mal wenn er kam, konnte er mir aus dem Stand mindestens 15 Dinge nennen, die sich seit seinem letzten Besuch im Zimmer verändert hatten: "Die Kanne stand nicht da, die Tasse ist neu, das Bild auf dem Bilderhalter war anders, die Steine in der Schale wurden verändert .... " Unfassbar, wie schnell das alles in einem Blick zu sehen war. Und unfassbar auch, wie ungefiltert und klar er es erkennen konnte.

Anders herum: es gibt Wahrnehmungen und Gefühle, die wir verdrängen wollen. Die mit unliebsamen Gefühlen wie Schmerz, Trauer oder gar Schuld verbunden sind. Wobei Schuld kein wirkliches Gefühl ist, sondern eine Melange unterschiedlicher Prägungen und Einstellungen. Aber man verdrängt es sowieso und nimmt nicht mehr wahr.

In der Außenwelt geschieht das genau so: Wissen Sie noch, wen Sie heute morgen auf der Straße getroffen haben? Wer ihren Weg kreuzte, als Sie den Blinker gesetzt hatten? Nicht?

Nun, meine Erinnerung kehrt wieder und sie setzt wieder bei dieser Frau ein. Mit der roten Jacke. Den grauen langen Haaren und den Sportschuhen. Wie sie ihr Fahrrad über den Gehweg schob. Daran hingen unfassbar viele Plastiktüten. Ein Packesel, wie man ihn sonst nur aus der dritten Welt kennt.

Habseligkeiten - sagen wir dazu. Und das Wort klingt, wie es klingen muss. Die kleine Welt, in der wenig selig macht. Habselig, wie wir nun sind. Hier war es ein zusammen gesammeltes Leben in Plastiktüten an ein Damenfahrrad gebunden. Dazu die rote Jacke, die langen grauen Haare. Ein müder Blick, der nicht mehr Acht geben will und kann. Ein Weg ohne Ziel - irgendwohin.

Ein auftauchender Mensch - in einem Moment.

Alle Zuordnungen misslangen. Wohin und woher weigerte sich. Kein Ziel und keine Herkunft. Auf dem Weg, einfach da von rechts nach links. Ein kreuzender Mensch - der nicht einzuordnen war. Vielleicht sehen wir solche Menschen öfters, dachte ich noch. Vielleicht sind sie das, was die Kehrseite unseres Lebens beschreibt. Drop Outs, sagt man im Englischen dazu und doch sind und bleiben sie da - unsere Wege kreuzend. Erinnernd.

Wenn man die Augen und die Seele offen hält.

Ich persönlich mag diese Menschen. Nicht nur von ferne. Aber es tut mir gut, diesen Moment heute inne zu halten. Zu überlegen, ob ich sie wieder sehe. Ich glaube tatsächlich, es würde mich beruhigen. Innerlich sage ich dann: Schön, dass Du wieder da bist. Schön, Dich wieder zu sehen.

Und dann trennen sich die Wege wieder. Und doch bleibe ich berührt zurück. Sie wissen schon: die graue lange Haare, diese rote Jacke und Turnschuhe an einem mit Plastiktüten behängten Damenfahrrad. Das war sie.

Sollten Sie sie treffen,
seien Sie achtsam mit sich
und auch mit ihr.

Verdient habe es beide.






----------------------------
P.S.: Eine Freundin sagte mir heute, dass im Englischen das Wort "Drop out" weniger geläufig sein und man von den "Down and Outs" spreche, was vielleicht besser passen mag, da diese Redewendung doch sehr an einen glaubhaften Prozess erinnert: den einer Presse zur Verschrottung von Fähigkeiten und menschlichem Leben .

Montag, März 09, 2009

Von Scharlatanen und anderen Gewinnlern ...


Krise ist ja so ein verlockendes Wort. Und sie bringt Menschen dazu, zusammen zu rücken, sich verbinden zu wollen, um nicht allein zu sein gegen das Grummeln, was sich am Horizont abzeichnet. Dabei scheinen neue Tugenden sich auszuprägen: anfängliche Zurückhaltung weicht der Vertrautheit, Skepsis dem Wunsch nach Verbindung. Während Susanne Klatten als reichste Frau Deutschlands schon in diese Falle getappt ist, stehen woanders die Fettnäpfchen sperrangelweit auf.

Gerade für Versprechungen ist der Mensch empfänglich, weil er darauf angewiesen ist zu glauben. Glauben zu wollen, vertrauen zu wollen - gerade dann, wenn der Kopf nein sagen müsste und das Herz noch schläft. Irgendwie haben wir alle ja eine Ahnung, was gut und stimmig ist für uns und doch zugleich diese Sehnsucht nach Herzklopfen, Dinge zu wagen, die man sonst nicht getan hätte.

Diese Krise ist eine große Chance.
Gewiss, das ist sie.

In einer Fernsehsendung konnte ich letztens eine autistische Ärztin sehen; sie war unsicher in sich und doch ganz gefasst: eine Psychiaterin, deren kühler Blick und nüchterne Sprache so wohltuend war, fast emotionsfrei und dann doch mit so großer Hilflosigkeit gekontert, dass sie berührend wurde. Berührbar - eine Gratwanderung im Lande des nicht gefühlten Mit-Sich-Seins, was Autismus vielleicht treffend beschreiben mag. Ich habe diese Frau dort in diesen Momenten bewundert und beneidet, weil sie so klar und verletzlich war. Weil sie wusste, ganze Teile dieser Welt kann ich gar nicht erst wahrnehmen, aber ich setze mich dennoch hier hin, in diese Sendung und erzähle von mir.

Das war beeindruckend, weil absolut absichtlos. Das konnte auskommen ohne Versprechungen auf Rettung und Heilung, auf das große Danach. Da kamen kleine Wünsche zum Vorschein, die eigene Wohnung leben können, die Beherrschung eines Fahrzeuges. Alles in so wunderbar schöner Münze dargeboten, dass das Große verstummen musste.

DA WAR EIN MENSCH.

Ich kenne Menschen, die fühlen sich dagegen zu Höherem berufen. Die wollen große Räder drehen, anderen und vor allem sich selber zum Gefallen. Da geht es um eine "höhere Liebe" und "höhere Ordnung". Da ist immer ein Mehr und ein Weiter auf dem Plan - eine permanente Expansion, als wäre man von einer unbekannten Mission getrieben und ist es doch nicht. Auffällig bleibt dabei die Diskrepanz zu den kleinen und gehandicapten Menschen. Denen begegnet man in liebevoller Zu- und Hinwendung - Eleven gleich, die ihr wahres Leben noch erst vor sich haben. Solche Menschen setzen Gefühl gezieht ein, um sich zu bereichern. Helg Scarbi, der Giggolo der Susanne Klatten, mag nur ein Prototyp dessen sein, was an Scharlatanen heute frei herumläuft.

Neulich bin auch in eine solche Falle getappt: Da wo man mir mehr versprach, als man bereit war zu halten. Da wo die Expansion des Großen und Ganzen mehr zählte, als der sensible und respektvolle Blick und Umgang untereinander. Und - grotesk genug - das alles geschah dort, wo man selber noch unter dem Label "Coaching" antrat. Wo ich Wertschätzung erwartete, wurden mir Rechnungen gestellt. Wo ich Zeit und Arbeit investierte, sollte ich noch selber dafür bezahlen. Verrückte Zeiten. Perverse Implosionen. Die Selbstausbeutung als Beteiligungsmetapher.

Man muss erst geben, um dabei sein zu können. Zugehörigkeit entwickelte sich als letzter, eigener Wert. Das alles sind bekannte Chiffren, sektenmäßig dekliniert.

Letzlich ent-puppte sich das Pekunitäre als wahres Movens: sich auf Kosten anderer zu bereichern ist allerdings doch eine ganz andere Bewegung, als liquide untereinander in Austausch zu treten. Gleich berechtigt. Ohne vorab Eintrittsgelder zahlen zu müssen. Das zu verwechseln kann für die eigene Integrität tödlich sein. Susanne Klatten weiß davon.

Austausch, das bedingt die Gewissheit der eigenen Verletzlichkeit. Das Fraktale, dass sich in den Worten der autistischen Ärztin wieder fand, dieses sich riskieren wollen und nur für sich allein da sein können: Keine Rückendeckung. Nichts als sich selber zu Hand. Gleiche Augenhöhe und weiter nichts. Respekt als letzte Zuflucht.

Ich wünschte und hoffe mir, dass wir in der Krise lernen, die Scharlatane von den wirklich Berührbaren zu unterscheiden. Wer Authtentizität sagt und einfordert, muss noch lange nicht authentisch sein. Wer Liebe predigt, muss nicht lieben oder könnte doch nur sich selber meinen. Das zumindest ist das zu lernen - nicht nur von einem Helg Scarbi und all den anderen, deren Beutezug noch lange nicht aufgehört hat, sondern vielleicht woanders gerade erst anfängt.

Wenn es uns gelingen mag, den eigenen Mangel auszuhalten und mit sich selber gut zu werden, hätten wir eine neue Chance auf wachsende Gemeinsamkeiten. Auf guten Austausch, der nicht pekunitär verwertet werden muss. Auf eine Gemeinschaft, die Tragen kann.

Nicht darauf kommt es an, zu den Gewinnern zu gehören. Nicht darauf, große Räder zu drehen und unfassende Pläne darzulegen. Das ist die Sprache von Gestern, an der wir heute gescheitert sind. Auch und gerade pekunitär.

Vielleicht genügt es voll und ganz, den kleinen Kontakt zu halten, denNachbarn noch in die Augen zu sehen, um zu wissen: wenn es hart auf hart kommt, sind sie da. Wie sagte ein Martin Luther noch gleich: "Wenn Du in Not bist, so wende Dich an deinen Nächsten!" und schränkte doch wissend ein ".... so Du einen hast!"




Montag, Februar 23, 2009

Katholisch global kathastrophal


So, nun hat es ihn also auch erwischt. Unsern Papst. Den Benedetto. Den Professor Ratzinger aus Markl am Inn. Man hätte es ihm weder gewünscht noch zugetraut.

Was sonst nur unsensible Manager wie ein Herrn Ackermann fertig bringen, ist nun auch ihm widerfahren. Denn gewollt war es ja nicht. Gewollt war etwas ganz anderes: Das Lebenswerk des Benedetto in Szene zu setzen. Dem Professor liegt so unendlich viel an der Einheit der Kirche, dass sie sakramentalen Charakter gewinnt. Ein Wert an und für sich. Außerhalb jeder Relation.

Und nun hat er in bester Absicht und Motivation völlig daneben gegriffen - mit katastrophalen Folgen. Wie konnte das geschehen? Ausgerechnet ihm, der den Apparat doch so lange von innen kennt und kannte.

Vielleicht liegt ja darin die Antwort: Dass Lebenswerk und Innenschau zu einer eigenen Blindheit führen. Eine Institution, die ihren Zweck in sich selber trägt, braucht keine Außensicht. Wer katholisch ist, umfasst alles in sich und für sich - in Einheit Amen.

So wurde auch Benedikt ein Opfer der Implosion von Wahrnehmung. Die katholische Welt um ihn herum richtet sich wie ein schwarzes Loch nur nach innen: reine Lehre. Reine Materie. Absolute Macht. Sakramentale Einheit.

Aber der Reihe nach: Eigentlich sollte es so gut wie einfach sein. Der Vatikan nimmt eine Exkommunikation zurück. Allein das ist schon unvorstellbar, gab es bisher doch nur den umgekehrten Weg: Identität gewann man durch Ausgrenzung. Katholisch hieß: weltweites, exklusives Heil durch die Kirche - zölibatär verteilt. Einheitlich auf aller Welt gleicht. Was ist da McDonalds?

Eine Geste der Versöhnung sollte es sein und ein folgerichtiger Schritt zum höheren Ziel: Einheit statt Schisma. Ein für alle mal. Damit wollte Benedikt in die Geschichte eingehen. Da war er nur: ein deutscher Papst, der die Einheit der Kirche als eine sakramentale Aufgabe der Zeit begriff.

Das sind neue Töne in einer längst schon globalisierten Welt. Die katholische Kirche als Gegenmodell zu globalisierten Warenwelt. Kath-olos - wäre dann: Welt in sich tragend. Das war Benedikts Mission Statement. Zu einem deutschen Papst hätte das durchaus gepasst. Und ausgerechnet darüber musste er stolpern.

Denn wer schon katholisch ist, also weltumspannend, der trägt die Welt in sich selber und braucht nicht mehr nach draußen schauen. Der gravitiert um sich selber. Und produziert Zirkelschlüsse, wie sie auch aus Unternehmenetagen weltweit agierender Konzerne bekannt sind.

Da steht Benedikt dem Autismus multinationaler Konzerne in keiner Weise nach, die es auch nicht schaffen, andere Interessen außer den eigenen gelten zu lassen. Das hat er bewiesen.
Aber das Bekenntnis zum globalisierten Markt ist ebenso wie das zur Einheit der Kirche kein Zweck an und für sich.

Tröstlich daher die Nachricht, dass auch ein Papst fehlbar ist. Gerade dort, wo er meint, unfehlbar zu sein. Seltene Dialektik. Benedikt hätte es besser und vor allem - anders machen können.

Wie so viele andere auch.




-----------------------
kat-holos gr. : alles umfassend und in sich vereinend

Freitag, Februar 20, 2009

Man füllt nicht neuen Wein in alte Schläuche

Ja, ich habe noch Aktien.
Spielgeld, wie ich es nennen würde.


Es sind Aktien der Hypo Real Estate, die ich im letzten Jahr in der Krise für 300 Euro gekauft habe. Das war, nachdem die erste Bankbürgschaft in Höhe von zehn Milliarden Euro der Bank gewährt wurde - der erste Schritt, um die Finanzmärkte zu stützen. Da dachte ich: Wow - zehn Milliarden Euro. Für nur eine Bank. Das war ein arger Brocken. Da kann es nur aufwärts gehen.

Eigentlich mag ich keine Bankaktien. Wirklich nicht, obgleich ich mal bei der Commerzbank vor zwei Jahren Glück und Gewinn hatte, da ich ich diese für 36,43 Euro wieder verkaufen konnte. Heute stehen sie - zumal nach der Übernahme der Dresdner Bank - bei schlappen 2,87 Euro. Was für ein Absturz! Und: ich war rechtzeitig ausgestiegen. Schön, das geschafft zu haben.

Bei der Hypo Real Estate verhielt es sich anders.

Denn da liegt ja noch die Deutsche Pfandbrief Anstalt dahinter - die DePfA, die nicht bankrott gehen darf. Das Deutsche Pfandbriefwesen - undenkbar, wenn das platzen würde. Preußische Tugenden. Deutsche Solidität. Doppelt abgesicherte Kredite. Alle - wirklich alle konservativen Wertanleger steckten ihr Vermögen in Pfandbriefe. Weniger Rendite aber doppelte Sicherheit.

Ich war mir sicher: diese Bank durfte einfach nicht Pleite gehen. Und so sprang ich - zugegeben, mit kleinem Betrag - ins Karussell mit ein. Obgleich ich mich wunderte, dass die DePfA nun in Irland angesiedelt war. Warum, so fragte ich mich, muss die Deutsche Pfandbrief Anstalt in Irland angesiedelt sein? Antworten gabe es nicht, dafür zuckten die Aktienkurse nach oben.

Sah mich damals mein Bankberater der KD Bank (ehemals: Bank für Kirche und Diakonie, Duisburg - auch so etwas gibt es) damals noch mit zuckendem Augenbrauen an: "DA wollen sie wirklich Aktien kaufen?", sah ich mich endlich bestätigt. Der Kurs kletterte um über 32% und endlich schien auch ich wieder auf der Sonnenseite zu stehen: 300 Euro investiert und 520 Euro auf dem Depot ausgewiesen. Herz, was willst Du mehr? So könnte es doch weiter gehen. Der lang ersehnte Silberstreif am Horizont. Und: alles wird wieder gut. Ich bin bei den Gewinnern.

Allein - so ging es nicht weiter. Während die Bediensteten der Hypo Real Estate noch Demonstrationen für ihren Chef abhielten, stürzte der Kurs erneut ins Bodenlose. Immer neue Löcher wurden aufgetan und man sprach von einen "nicht mehr zeitgemäßen" Geschäftsmodell. Offensichtlich hatte die Hypo Real Estate langfristige Kredite durch kurzfristige Anleihen auf dem Kapitalmarkt bedient - ein lohnendes Geschäft, solange vagabundierendes Kapital in Hülle und Fülle am Markt vorhanden war, das kurzfristig beschafft werden konnte. Nun aber, war der Kapitalmarkt komplett zusammen gebrochen. Die langfristigen Kreditlinien konnten nicht mehr bedient werden, das Geschäft brach zusammen, da kein Geld vorhanden war, was kurzfristig beschafft werden konnte, um die langfristigen Kreditlinien zu bedienen.

Eigentlich - so muss man sagen - war Geld genug vorhanden, aber niemand verlieh einem etwas und wenn, dann nur noch zu horrenden Zinssätzen. Wenn überhaupt. Damit war die Existenz der Hypo Real Estate hinfällig. Ihr Geschäftsmodell fußte ja darauf, langfristige Kredite mit kurzfristigen Finanzierungen zu versehen und daraus den eigenen Schnitt zu machen.

So lange das Rad sich drehte, solange genug freies Kapital zu haben war - eine durchaus lukrative Angelegenheit. Aus dem Rad wurde so ein Riesenrad. Einfach weiter so. Immer weiter. Man kann es sich auch vorstellen wie ein Schneeball, der sich selber paniert. Je größer die Oberfläche wurde, desto mehr Schnee bleibt hängen, desto größer wird der Ball - ganz von allein wuchs das Geschäft der Hypo Real Estate ins Unermessliche. Anders gesagt: Die Hypo Real Estate hatte den Stein des Weisen gefunden. Bequeme Geldvermehrung, weil in die alten Schläuche der langfristigen Kredite immer wieder neuer Wein gegossen wurde.

Ein altes, biblisches Bild - das sein Ende provoziert.
Niemand faßt Most in alte Schläuche; sonst zerreißt der Most die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche kommen um. Sondern man soll Most in neue Schläuche fassen. Mk.2,22
Offensichtlich geschah aber genau das bei der Hypo Real Estate. Wobei die Menge unvorstellbar sein muss. Heute morgen erreichte mich die Nachricht, dass die Hypo Real Estate einen unbedienten Schuldenberg von über einer Billionen Euro vor sich her schieben soll, dennoch.

Eine Billionen, das sind 1.000.000.000.000 Euros. Noch zu kurz, um es hier darstellen zu können. Demgegenüber war ich mit meinen 300 Euro, die sich auf 82 Euro herunter gehungerten hatten, noch gut dran. Die Order zum Verkauf liegt auf meinem Schreibtisch, denn immerhin erst jetzt überlegt man, diese Bank - die ja schon lange keine mehr ist - zu verstaatlichen. Und meine Aktien dazu. Das wollte ich mir nicht gefallen lassen. Also verkaufen.

Als ich gerade das Radio ausschalten wollte, hörte ich noch den Nachsatz: Die Eingner der Hypo Real Estate, J.C.Flowers aus den USA, verweigert die Zustimmung zum Aufkauf der Hypo Real Estate. Er wird sicherlich dasselbe denken, wie ich es damals gedacht habe: mit einer DePfA im Gepäck, darf diese Bank nicht pleite gehen. Und pokert vielleicht besser als ich.

Bekannt ist, dass er nun das Zweieinhalbfache des Aktienwertes fordert, um seinen 25% Anteil an den Staat zu verkaufen. Wenn ich nachrechne, bin auch ich damit wieder in grünen Bereich. Eine Erpressung ist das - aber eine durchaus kalkulierte. So funktioniert der Finanzmarkt.

Währendessen endete die Nachricht damit: Ein Zusammenbrechen der Hypo Real Estate wird in Finanzkreisen als weitaus größere Gefahr gesehen, als die Insolvenz von Lehman Brothers im letzten Jahr.

Und da fing der Schlamassel ja erst an. Was soll ich also machen: Halten oder verkaufen? Pokern oder die Aktien frei stellen. Verkaufe ich sie, wird ein gewisser J.C. Flowers sie sicherlich aufkaufen und weiter pokern. Herr Steinbrück müsste ich sie schenken. Denn jetzt will er enteignen.

Sie sehen daran, wie man mit kleinem Engagement am Kapitalmarkt die spannendesten Geschichten eines Wirtschaftskrimis erleben kann. Sie landen zudem mitten in der Bibel, bekommen gewünschte und unerwünschte Wegbegleiter an die Seite gestellt und dürfen obendrein im ethischen Dilemma verschwinden. Ziemlich viel für eine entlaufene Pastorin.

Aber immerhin mit dem Gefühl, wieder mitten drin zu sein.

Ach, ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten. Aber:
Haben Sie vielleicht einen Rat für mich ??




Donnerstag, Februar 19, 2009

Exitus vor dem Ableben : Abwrackprämie

Es war unfassbar. Kaum zu verarbeiten für einen Menschen, der altes Blech wert schätzt, der in Autos nicht nur die Funktionalität sieht, sondern auch mobiles Kulturgut.

Nun ist sie also auch in Deutschland angekommen.
Die neue Abwrackprämie.

Sprachlich ein Krüppel sorgt diese Prämie in Höhe von 2.500 Euro sehr zuverlässig für volle Plätze bei den Auto Verwertern, wie auch hier in Kempen bei Cars.


Ein Blick dort zu werfen, ist aufschlußreich und lohnend. Ich fand Autos, die durchaus als gebrauchsfähig zu bezeichnen waren, darunter auch einen W124 Mercedes Coupe in Vollausstattung Leder.



Unfassbar. Das ist - oder heißt es jetzt: war - ein Auto der Spitzenklasse, das - vorausgesetzt es ist nicht verrottet - durchaus zu einem Klassiker sich entwickeln wird. Schon jetzt werden Preise bis zu 5.000 Euro dafür aufgerufen.


Und nun sah ich es dort stehen in einer Reihe Mittelklassewagen, ein König unter den zum Schrott Verdammten. Für 2.500 Euro weggeschleudert in den Schredder.


Als ich eintrat, um mich nach dem Wagen zu erkundigen, begegnete ich zwei Polen, die mit Schraubschlüssel bewaffnet sich selber durch die Berge von Karossen kämpfen wollten - immer auf der Suche nach Ersatzteilschnäppchen.

"Wir können die gar nicht korrekt ausschlachten, da uns dafür die Zeit schlicht fehlt. Das ist ein Andrang, den wir nur durch Ausstellung der Bescheinigung gut bewältigt bekommen. Für die eigentliche Verwertung bleibt uns kaum Zeit!" sagte mir einer der dort Angestellten, schulterzuckend.

Meine Anfrage, das Mercedes Coupe für 2.500 Euro kaufen zu wollen, wurde negativ beschieden. "Das ist bei uns ein hoheitlicher Verwaltungsakt geworden. Da kann keiner mehr etwas retten. Sobald die Bescheinigung zur Verwertung ausgestellt ist, mit der die ehemaligen Besitzer ihre 2.500 Euro beantragen können, ist da überhaupt nichts mehr zu machen."

Also eine Klare Diagnose: Exitus vor dem Ableben. Alle unrettbar verloren. Und selbst eine sachgemäße Verwertung ist unmöglich. War das so gewollt? Braucht unsere Wirtschaft diesen Wohlstandsmüll und hätten die Autos nicht ein Weiterleben verdient - meinetwegen auch in Afrika? Wer profitiert denn wirklich von dieser Prämie?

Das System ist pervers: Steuerzahler subventionieren die Anschaffung neuer Werte für andere Steuerzahler. Ein Neuwagen hat in den ersten drei Jahren über 50% Wertverlust, gemessen am alten Einkaufspreis. Dieser Verlust wird nun steuerlich eingeebnet und weg-subventioniert. Und womit? Eben - mit dem Geld anderer Steuerzahler. In jedem Schrottprämienauto steckt also ein VEB Neuauto drin. Oder anders gesagt: .... sponsored by Angie - wenngleich sie diese Entscheidung vertreten, allerdings nicht bezahlen muss.

Die Sterbenden überlässt man sich selber. Hauptsache, es wird wieder konsumiert. Unweigerlich kam mir beim Anblick der vielen verschrottungsdefinierten Autos das Wort vom "geburtenstarken Jahrgang" in den Sinn. Das Zuviel, der Überfluss, den wir nur durch weiteren Konsum bändigen können.

Und ich erschrak. Moment mal.

Mit Geburtsjahr 1959 gehöre auch ich einem solchen geburtenstarken Jahrgang an. Sehe ich hier schon meine eigene Zukunft vor mir - in einer Gesellschaft, die das Altern auch nicht zulassen kann? Die den Exitus vor dem Ableben fördert?

Mit etwas mulmigen Gefühl verließ ich diesen Ort. Autos retten wollen, ist das eine. Gedanken über sich selber machen, das andere. Zeit, sich mal die Fakten der Zukunft genauer vor Augen zu führen. Um nicht auch irgendwann "abgewrackt" zu werden. Diesen Gedanken hat noch niemand ausgesprochen. Aber wer weiss, was uns beim Zusammenbrechen der sozialen Sicherungssysteme alles noch bevorstehen mag. Und dieser scheint unausweichlich zu werden.

Rette sich wer kann. Und - allseits gute Fahrt




-------------------------

Ein sehr guter Artikel über die verheerende Wirkung der Abwrackprämie findet sich auf www.ikonengold.de