Mittwoch, März 30, 2011

Transray offline ....


Leider schon wieder eine traurige, aber richtige Nachricht. Die umfassende Enzyklopädie über transgender Literatur TRANSRAY, die ehrenamtlich betrieben wurde, ist offline gegangen.

Die Argumente allerdings überzeugen nicht nur mich, wie man hier nachlesen kann:


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Aus, vorbei Warum?

Ich bin der Ansicht, dass die Gesellschaft und insbesondere die Politik nicht bereit sind, Transsexualität so anzunehmen, dass ein würdevoller Umgang mit transsexuellen Menschen in naher Zukunft möglich ist. Alle Bemühungen, zum Beispiel die Vornamenswahl/Geschlechtswahl zu vereinfachen, sind gescheitert.

Ebenfalls sind auch die Vorurteile nicht aus der Welt zu schaffen, die genau dies verhindern.

Bislang orientiert sich die Behandlung/der Umgang an Vorgaben, die nicht von Betroffenen verabschiedet wurden. Sie folgten einem paternalistischem Dogma, durch das transsexuelle Menschen zum Subjekt des Handelns werden.

Ich habe viele Menschen kennengelernt, die schon seit Jahren von der medizinischen Fraktion hingehalten werden, denen es seitens der Krankenkassen untersagt wird, sich operieren zu lassen, deren Erscheinung zu täglichen Kämpfen führt, nur weil „Standards“ und Medizinische Dienste (frühzeitige) Epilationen verhindern.

Viele dieser Menschen stehen dadurch im beruflichen Abseits. Diese Belastung schlägt sich auch in Aufenthalten in der Psychiatrie und Erwerbsunfähigkeiten nieder. Das Einzige was uns fehlt, ist die einfache Anerkennung. Wir benötigen keine Psychotherapie, noch Psychoanalyse über Jahre hinweg, sondern einfaches Vertrauen darauf, dass wir es selbst sind, die genau wissen, was uns nützt.

Ich dachte dem Themenkreis Transsexualität näher zu kommen, indem ich alle mir bekannten Quellen zusammenfüge. Das Ergebnis ist ernüchternd. Neben Moden gibt es keinen wissenschaftlichen Ansatz, der überhaupt irgendetwas erklärt.

Die „Wissenschaftler“ stochern also im Nebel und auch wenn einige sich nach Jahren dahingehend äußern, dass transsexuelle Menschen einfach ganz normale Menschen seien, dann ist das schon erschreckend, weil immer noch so getan wird, als wenn die Behandlung von Transsexualität nur gewissen Vorgaben zu folgen hat und dann alles gut wird.

Wird es nicht.

Und zwar deshalb weil transsexuelle Menschen in ihrer Verzweiflung alles unternehmen, was von professionellen „Helfern“ gefordert wird, die Bungee-Jumping-Theorie – wenn ein Kriterium der Diagnose wäre, sich mit einem Gummiband an den Beinen von einer Brücke zu stürzen, dann würden es alle tun, auch wenn es nichts damit zu tun hat – verdeutlicht es. Dies ist symptomatisch für die „Diagnose“, resp. „Behandlung“.

Zuletzt noch ein Wort zu Gutachten: Nirgendwo wird mehr Unsinn geschrieben und Ableitungen aus noch so weit hergeholten Angaben gemacht. Es wird Zeit, den Quatsch mit den Gutachten zu lassen, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie zur Verelendung von transsexuellen Menschen beitragen.

Für Anfragen nutzen Sie bitte goodbye@transray.com."

2 Kommentare:

Svenja-and-the-City hat gesagt…

Wenn ich den ersten Satz der Begründung für die Schließung lese, dann kann ich den nicht unwidersprochen stehen lassen. Ich bin völlig anderer Meinung. Es ist sehr wohl möglich, in unserer Gesellschaft als t-Mensch nicht nur würdevoll, sondern auch glücklich zu leben. Ich erfahre das jeden Tag am eigenen Leib.
Ich kenne viele Transsexuelle und habe den Eindruck gewonnen, dass manche sich gerne selbst im Wege stehen und immer wieder auf der jammervollen Diskriminierungswelle reiten.
Sicher ist unser Leben nicht immer leicht, aber das ist das Leben vieler anderer Menschen auch nicht.
Kopf hoch, man kann es schaffen und die Gesellschaft ist am wenigsten Schuld daran, wenn wir an unserem Leben verzweifeln.
Herzliche Grüße aus Kiel,
Svenja

Anonym hat gesagt…

Nach vielen Monaten ohne T-Beschäftigung schaue ich mich gerade etwas um. Was für eine traurige Nachricht!

So sehr ich den Frust über die wissenschaftliche(!) Nichtanerkennung verstehe, so wenig verstehe ich, warum transray dann offline gehen musste. Die Motivation war, dem "Themenkreis Transsexualität näher zu kommen", sollte daraus allein dann eine wissenschaftliche Entwicklung entstehen? Eine Referenz ist eine großartige Grundlage, aber mehr auch nicht.

Schade.